Wien (eid). Das Ergebnis spiegelt das tiefe Loch wider, in das die RHI gefallen ist. Bei einem Umsatzrückgang von 26,3 Prozent auf 900,2 Mio. Euro sackte das Betriebsergebnis von Jänner bis September um 77,8 Prozent auf 32,8 Mio. Euro ab. Netto blieben nach 107,2 Mio. Euro nur 4,4 Mio. Euro. Den Weltmarktführer bei Feuerfestprodukten, der Auskleidungen für Hoch- und Schmelzöfen für die Industrie produziert, hat die Stahlkrise hart erwischt.
Allerdings zeigt das dritte Quartal eine Bodenbildung (das Ebit wuchs von 7,3 auf 11,4 Mio. Euro), weshalb Konzernchef Thomas Fahnemann Licht am Ende des Tunnels sieht: „Bei Stahl zeichnet sich eine Erholung ab, in anderen Industriebereichen dauert es noch.“ Weil RHI selbst Magnesitlagerstätten hat, „kann sie im Unterschied zur Konkurrenz liefern.“ Heuer werde es einen kleinen Gewinn geben. Die Nachricht kam an der Börse nicht besonders an: Die RHI-Aktie verlor im Tagesverlauf 4,5 Prozent.
Schon im Frühjahr hat Fahnemann ein rigoroses Kostensenkungsprogramm aufgesetzt. Der Personalstand wurde um 900 auf rund 7000 Mitarbeiter gesenkt, das Working Capital von 429 auf 332 Mio. Euro reduziert. Das Ziel einer Ersparnis von jährlich 80 Mio. Euro ab 2010 werde man mit rund 100 Mio. Euro übertreffen. Heuer schaffe man 54 Mio. Euro. Die Nettoverschuldung wurde von 375 auf 269 Mio. Euro zurückgefahren.
Für Fahnemann ist das aber nicht genug. Um RHI zum profitabelsten Konzern der Branche zu machen und die Spitzenposition auszubauen, wurde eine neue Konzernstrategie mit neuem Standortkonzept entwickelt. Es sieht mehr Flexibilität vor, damit Kapazitäten rasch in Wachstumsmärkte verlagert werden können. Entgegen ursprünglichen Plänen wird keines der weltweit 32 Werke geschlossen, aber in Kanada ein Werk und in Europa Fertigungslinien stillgelegt. Dadurch fallen 250 Arbeitsplätze weg, was – zusätzlich zu den zehn Mio. Euro Restrukturierungskosten bis September – noch fünf Mio. Euro kostet. Damit sei der Personalabbau weitgehend abgeschlossen. In Österreich, wo RHI fünf Werke mit 1650 Mitarbeitern betreibt, wird in Trieben ein Tunnelofen stillgelegt.
Gleichzeitig begibt sich Fahnemann wieder auf die Pirsch. „Im ersten Halbjahr ging's ums Überleben, jetzt haben wir Luft, an Expansion zu denken.“ Im Fokus stehen Schwellenländer: In China werden die zwei bestehenden Werke und der Magnesitabbau erweitert. In Indien und vor allem in Brasilien werden Akquisitionen geprüft. „Wir haben jetzt eine Eigenkapitalquote von 15 Prozent, das heißt, wir können Zukäufe bis zu 120 Mio. Euro allein stemmen“, erklärte Fahnemann. Für größere Brocken will er den Kapitalmarkt anzapfen – oder Staatsgarantien beanspruchen. „Wir prüfen.“ Eine Dividende wird es erst bei einer Eigenkapitalquote von 30 bis 40 Prozent geben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.11.2009)

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