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Neue Bilanzregeln: Banken müssen Verluste einplanen

06.11.2009 | 14:16 |   (DiePresse.com)

Banken sollen mögliche Verluste künftig bereits bei der Kreditvergabe berücksichtigen. Bislang durften Abschreibungen erst vorgenommen werden, wenn der Kunde nicht mehr zahlte.

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Das Londoner "International Accounting Standards Board" (IASB) will Banken künftig stärker dazu anhalten, mögliche Verluste schon bei der Kreditvergabe zu berücksichtigen. Das geht aus einem am Donnerstag veröffentlichten IASB-Entwurf für die Erfassung eines Standards der Kreditrisikovorsorge hervor. Das Expertengremium kommt damit Forderungen der führenden 20 Industrie- und Schwellenländer G20 nach, die eine möglichst frühe Verbuchung drohender Ausfälle fordern.

Banken sollen nach dem Willen des IASB Kredite künftig bereits wertberichtigen, wenn sich Verluste abzeichnen. Das ist bei anderen Unternehmen und ihren Kundenforderung bereits im Sinne der kaufmännischen Vorsicht normal. Bisher müssen Banken vertraglich vereinbarte Zinserträge in die  Gewinn- und Verlustrechnung schreiben. Sie erzielten somit den vollen Ertrag, selbst wenn sie auf Dauer mit Ausfällen oder niedrigeren Zinserträgen rechnen. Erst wenn der Kunde definitiv nicht mehr zahlt, darf die Bank Abschreibungen vornehmen.

Werden die erwarteten Ausfälle schon vorher gewinnwirksam berücksichtigt, so ergibt sich eine wichtige steuerrechtliche Frage: Nämlich, ob die von der Bank angenommenen Ausfälle bereits vor ihrem Eintreten, also ohne Beleg, den steuerrechtlichen Gewinn mindern. Bei der "normalen" Forderungsbewertung von Unternehmen ist das nämlich nicht der Fall - Forderungsabschreibungen mindern erst den steuerrechtlichen Gewinn, wenn sie eben abgeschrieben sind, es also einen Beleg für den Ausfall gibt.

Gravierende Folgen für Bankenbranche

In der Finanzkrise hatte diese Rechnungslegung fatale Folgen, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung": Zu lange habe man vorgegaukelt, dass mit dem Kreditbestand alles in Ordnung sei, obwohl bereits gefürchtet werden musste, dass die Rezession massive Kreditausfälle mit sich bringen würde. So schlugen sich massive Verluste ausgerechnet mitten in der Rezession in der Gewinn- und Verlustrechnung nieder.

Für die Branche hätte das gravierende Folgen. Denn als Richtwert gilt, dass rund zwei Drittel aller Wertberichtigungen einer Bank auf faule Kredite zurückzuführen sind. Am bisherigen Modell wird kritisiert, dass Verluste erst zu spät erfasst werden. Dem neuen Ansatz liegt das Verständnis zugrunde, dass erwartete Kreditverluste von Anfang an bei der Verbuchung der Zinserträge berücksichtigt werden, schreibt "Financial Times Deutschland". Die Zahlungsströme werden demnach zu Geschäftsbeginn geschätzt und bilden die Grundlage für den Effektiv-Zinssatz. Derzeit ist der Kreditzinssatz auch von der Bonität des Kreditnehmers abhängig, jedoch ohne präzise gesetzliche Regelung.

Mehr Aufwand für die Banken

"Jedoch müssen die Ausfallerwartungen bei diesem Modell der erwarteten Zahlungsströme stetig angepasst werden, was einen erheblichen Aufwand für die Banken darstellt", sagt Burkhard Eckes, Partner von Pricewaterhouse Coopers (PWC) laut "FAZ". Die Anwendung des Modells sei schwierig, sagt auch Sir David Tweedie, der Verwaltungsratsvorsitzende der IASB.

Die neuen Standards sollen im Dezember 2010 veröffentlicht und 2013 verpflichtend werden.

IASB
Das "International Accounting Standards Board" (IASB) ist eine privatrechtliche Vereinigung von Bilanzexperten, die die internationalen Rechnungslegungsgrundsätze IFRS aufstellt. Die IFRS-Regeln müssen von allen kapitalmarktorientierten europäischen Unternehmen angewendet werden.

(phu/Ag.)

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3 Kommentare
Gast: gast
10.11.2009 16:45
0 0

wieso schwierig ?

die zinserträge sind bekannt und einen prozentsatz davon auszurechnen und als risikovorsorge einzustellen, geht auf jeder papierserviette ..
Mann kann es natürlich auch komplizierter (nicht genauer ) machen, und dann kann man natürlich als wirtschaftsprüfer wieder super honorar verrechnen, was ja der wirkliche grund für die angebliche komplexität ist :-)

Gast: ET
08.11.2009 12:29
0 0

Verdrehte Darstellung!

Um ein Risiko von Ausfällen in der Bilanz darstellen zu können bedarf nicht zwingend einer Abschreibung.

Ein sorgfältiger Kaufmann ist sogar dazu verpflichtet Rückstellungen für kommende, maximal erwartete, Ausfälle zu bilden. Bei Kreditvergaben wäre also prinzipiell ein Polster zu bilden, um eventuell Ausfälle abfedern zu können.

Die Banken haben das aber nur ungenügend getan, es kümmert aber keinen.
Weder die FMA, noch die OeNB oder auch die Staatsanwwaltschaft sind daran interessiert. Es ist offensichtlich keiner zuständig, dass die geltenden Gesetze auch einghalten werden. Die Manager sowieso nicht.

Es braucht keine Gesetzesänderung, es braucht nur Menschen in Entscheidungsfunktionen, welche ihren Aufgaben auch nachkommen.

Ich bin aber sicher, dass die Regierungen den Banken noch mehr Gelder hinterher werfen, damit das Abkassieren weiter gehen kann. Es doch ganz egal, wenn Menschenmassen in der Armut versinken, weil Staaten und Banken die volkswirtschaftlichen Leistungen auffressen.

Gast: Reiner Tiroch
06.11.2009 14:30
0 0

Rechenwerke

Was Banken in der Krise bisher hin und herbilanziert haben, sind lediglich Rechenwerke um gut dazustehen. Da müssen 500 Mrd her zum Retten die nicht genommen werden, weil sie dann nur noch für 500.000.- arbeiten dürfen und plötzlich zaubern sie wieder Gewinne hervor? Kein Problem, wenn die Schrottpapiere einfach wieder als wertvoll gelten, nicht war?

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