Börsen feiern Macron-Sieg - Dax & Co. auf Rekordkurs

Der französische Alptraum für Börsianer ist nicht wahr geworden: Nach dem Erfolg des europafreundlichen Politikers Emmanuel Macron bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich erreichte der Dax erstmals mehr als 12.400 Punkte. Macron beflügelt auch die Wall Street.

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AFP (ERIC FEFERBERG)

Allez l'Europe! Die Erleichterung über den Sieg des Pro-Europäers Emmanuel Macron bei der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl hat die Finanzmärkte am Montag weltweit beflügelt. Der Dax markierte ebenso wie der Index für die weltweit größten Börsenwerte einen neuen Bestwert. Der Pariser Auswahlindex CAC40 erreichte zeitweise ein Neun-Jahres-Hoch. Der Euro war mit 1,0935 Dollar so teuer wie zuletzt vor fünfeinhalb Monaten.

Im ersten Wahlgang verwies der ehemalige Wirtschaftsminister Macron mit 23,8 Prozent der Stimmen die Euro-Kritikerin Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National auf den zweiten Platz. "Nun deutet vieles darauf, dass nach der Stichwahl am 7. Mai ein französischer Präsident namens Emmanuel Macron die europäische Idee nicht nur unterstützt, sondern mit wirtschaftlichem Sachverstand zu reformieren in der Lage ist", sagte Thomas Böckelmann, Chef-Portfoliomanager des Vermögensverwalters EuroSwitch. Darauf setzte auch Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. "Möglicherweise kann Macron tatsächlich der streikfreudigen französischen Bevölkerung einen neuen wirtschaftspolitischen Kurs schmackhaft machen."

Die Experten der BayernLB verwiesen auf einen weiteren Aspekt: "Dass die Umfragen zur ersten Runde am Ende recht genau waren, stützt das Vertrauen der Anleger in die Stichwahl-Umfragen, die einen etwa 20 Prozentpunkte-Vorsprung von Macron sehen."

Vor diesem Hintergrund stieg der Pariser Auswahlindex CAC40 auf bis zu 5295,47 Punkte und ging 4,1 Prozent fester bei 5268,85 Zählern aus dem Handel. Das ist der größte Tagesgewinn seit knapp fünf Jahren. Bei französischen Staatsanleihen griffen Investoren ebenfalls zu. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel zeitweise auf ein Drei-Monats-Tief von 0,756 Prozent.

Der Dax stieg in der Spitze auf 12.456,18 Punkte und schloss 3,4 Prozent im Plus bei 12.454,98 Zählern. Der EuroStoxx50 verabschiedete sich 3,9 Prozent höher bei 3574,46 Stellen in den Feierabend. An der Wall Street legten Dow Jones, und S&P 500 jeweils ein Prozent zu. Der Nasdaq stieg um bis zu 1,2 Prozent auf ein Rekordhoch 5983,43 Punkten. Der MSCI-Weltindex erreichte zeitweise 453,38 Zähler.

Die als sicher geltenden Bundesanleihen warfen Anleger dagegen aus ihren Depots. Der Bund-Future, der auf diesen Papieren basiert, büßte 129 Ticks auf 161,45 Punkte ein. Die "Antikrisen-Währung" Gold verbilligte sich um 0,8 Prozent auf 1273,86 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Finanzwerte im Aufwind

Angeführt wurde die Rally an den europäischen Aktienmärkten von den Finanzwerten. Mit der Wahl gebe es kein Risiko eines massiven Kapitalabflusses aus Europa mehr, sagte Analyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital. "Die Anleger sorgen sich nicht länger um die Zukunft des Euro." Kandidatin Le Pen wollte über einen Austritt ihres Landes aus der EU und der Euro-Zone abstimmen lassen.

Vor diesem Hintergrund stieg der Index für die Banken der Euro-Zone um 7,2 Prozent - so stark wie zuletzt vor viereinhalb Jahren. Neben französischen Geldhäusern wie Societe Generale (SocGen) oder Credit Agricole waren vor allem die krisengeplagten italienischen Institute gefragt, allen voran die HVB-Mutter Unicredit. Banken aus diesen beiden Ländern verbuchten zeitweise zweistellige prozentuale Kursgewinne. Commerzbank und Deutsche Bank lagen jeweils mehr als neun Prozent nur knapp dahinter.

Die positive Branchenstimmung schwappte auch über den Ärmelkanal und den Atlantik: In London gehörten Barclays Bank und Standard Chartered mit einem Kursplus von bis zu 5,4 Prozent zu den Favoriten. An der New Yorker Börse legten Goldman Sachs und JPMorgan jeweils gut drei Prozent zu.

Ein Sieg des Börsenlieblings Macron über Le Pen sei aber noch nicht in trockenen Tüchern, warnte Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Geschäftskunden bei der Deutschen Bank. "In zwei Wochen Wahlkampf kann noch viel passieren. Die große Frage ist, wie sich die traditionellen Wähler der großen klassischen Parteien verhalten und wer sie überzeugen kann." Sollte Le Pen das Rennen machen, rechnen Experten mit einem Absturz des Euro und Kurseinbrüchen an den Aktienmärkten.

Macron beflügelt auch die Wall Street

US-Anleger haben mit Erleichterung auf den Erfolg von Emmanuel Macron in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich reagiert und beherzt bei Aktien zugegriffen. Der Index der Technologiebörse Nasdaq kletterte am Montag wie schon zuvor der Dax auf ein Rekordhoch. "Das Ergebnis der ersten Runde der Frankreichwahl gefällt sehr", sagte Chef-Marktstratege Peter Cardillo von First Standard Financial.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte eröffnete ein Prozent im Plus bei 20.760 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 1,1 Prozent auf 2374 Zähler. Die Nasdaq kletterte 1,2 Prozent auf 5980 Stellen.

Macron hatte sich am Sonntag gegen die Chefin des rechtsextremen Front National Marine Le Pen durchgesetzt und tritt nun am 7. Mai gegen sie in der Stichwahl an. Umfragen zufolge dürfte er als Sieger daraus hervorgehen und französischer Präsident werden.

Von der positiven Stimmung profitierten am stärksten die Bankwerte. Sie hatten unter der Vorsicht der Anleger wegen geopolitischer Risiken wie in Nordkorea in der vergangenen Woche am meisten gelitten. Der US-Bankenindex legte über zwei Prozent zu.

Zu den größten Gewinnern gehörten die Anteilsscheine des Herstellers von medizinischen Geräten, C R Bard. Sie sprangen knapp 20 Prozent auf 302 Dollar in die Höhe nachdem Konkurrent Becton Dickinson ein Übernahmeangebot für 24 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt hat. Becton bietet je Bard-Aktie 317 Dollar.

Meilensteine des Dax

Im folgenden einige Meilensteine des Börsengeschehens seit der Einführung des deutschen Leitindex im Juli 1988.

1. Juli 1988: Der Dax feiert seinen Einstand. Rechnerisch startet er allerdings am 30. Dezember 1987 bei einem Stand von 1.000 Punkten.

16. Oktober 1989: Der erste schwarze Tag für den Dax: Er bricht im Sog der Wall Street um rund 13 Prozent ein.

18. November 1996: Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt stark zu.

28. Oktober 1997: Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger

28. November 1997: Mit dem neuen elektronischen Handelssystem Xetra - kurz für "Exchange Electronic Trading" - bricht für die Börse ein neues Zeitalter an.

7. März 2000: Befeuert von der Euphorie über die Entstehung des Internets erreicht der Dax ein Hoch von 8136,16 Punkten, das sieben Jahre lang hält.

11. September 2001: Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent

12. März 2003: Der Dax rutscht unter 2200 Punkte und notiert damit so niedrig wie im November 1995. Doch mit der Erholung der Weltwirtschaft wächst das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder. 13. Juli 2007: Mit 8151,57 Zählern setzt der Dax einen neuen Meilenstein - trotz erster Bankenpleiten und Not-Eingriffen der Europäische Zentralbank (EZB) am Geldmarkt.

15. September 2008: Mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers kehrt Ernüchterung ein. Im Oktober 2008 folgt ein schwarzer Tag auf den anderen. Zum September-Schluss verliert der Dax in der Spitze zeitweise 30 Prozent.

9. März 2009: 56 Prozent hat der Dax seit dem Hoch vom 13. Juli 2007 eingebüßt. Mit 3588 Punkten erreicht er zeitweise den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Doch kurz darauf wirft die US-Notenbank Fed die Notenpresse an. Jetzt geht es bergauf.

5. Juni 2014: Die Entscheidung der EZB, die Zinsen weiter zu senken, treibt den Dax erstmals über die 10.000-Punkte-Marke.

22. Januar 2015: Nach dem Vorbild der Fed wirft die EZB die Notenpresse an und schickt den Dax damit auf Rekordkurs. Am 16. März überspringt der Index erstmals die 12.000-Punkte-Marke und setzt am 10. April mit 12.390,75 Zähler eine neue Bestmarke.

11. Februar 2016: Der Preisverfall an den Ölmärkten schürt Ängste vor geplatzten Krediten im Finanzsektor. Der Dax fällt auf 8699 Punkte und liegt damit auf dem Niveau vom Oktober 2014.

31. März 2016: Das Minus im ersten Quartal 2016 beläuft sich auf gut sieben Prozent. Schon im März dreht aber die Stimmung zum Besseren, denn die US-Notenbank Fed verschiebt auch aus Rücksicht auf nahende Brexit-Abstimmung ihre Zinserhöhungen.

24. Juni 2016: Die Briten haben sich für den Austritt aus der EU entschieden und lösen an den Märkten einen allerdings kurzen Ausverkauf aus. Der Dax fällt um fast sieben Prozent, holt in den Folgewochen aber rasch wieder auf.

9. November 2016: Die Amerikaner haben Donald Trump zum Präsidenten gewählt. An der Wall Street schieben die Anleger vorher geäußerte Bedenken beiseite und setzen auf sinkende Steuern für Unternehmen und massive Infrastrukturmaßnahmen. Der Dow-Jones geht auf Rekordkurs. Nach und nach zieht auch der Dax an und etabliert sich wieder in der Fünfstelligkeit.

24. April 2017: Nach dem Erfolg des europafreundlichen Politikers Emmanuel Macron bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich knackt der Dax eine neue Rekordmarke. Der deutsche Leitindex erreicht erstmals mehr als 12.400 Punkte.

 >>>Duell um die Zukunft Europas

 

(Hakan Ersen und Patricia Uhlig/Reuters)

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