Energiekonzern RWE fasst wieder Tritt

Nach einen Rekordverlust von 5,7 Milliarden Euro im Vorjahr will der deutsche Energiekonzern RWE heuer wieder schwarze Zahlen schreiben.

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APA/dpa/Daniel Reinhardt

Der Energiekonzern RWE kommt nach dem Rekordverlust im vergangenen Jahr langsam wieder in die Spur. "Wir sind gut ins Jahr gestartet", sagte Finanzchef Markus Krebber am Montag bei der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal. Zwar musste der Versorger wegen der gefallenen Strom-Großhandelspreise operativ (bereinigtes Ebitda) mit 2,13 Milliarden Euro einen Rückgang von über sechs Prozent verbuchen. Das war aber besser als von Analysten erwartet. Unter dem Strich steigerte der Konzern wegen eines besseren Finanzergebnisses seinen Gewinn im Auftaktquartal um zehn Prozent auf 946 Millionen Euro. Auch im Gesamtjahr will der Konzern schwarze Zahlen schreiben, bekräftigte Krebber. 2016 hatte RWE einen Rekordverlust von 5,7 Milliarden Euro eingefahren.

"Wir konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft Versorgungssicherheit", sagte Krebber. In der Stromerzeugung mit den Braunkohle- und Kernkraftwerken musste RWE wegen der gefallenen Preise im ersten Quartal kräftige Einbußen hinnehmen. Das operative Ergebnis schmolz hier um knapp die Hälfte auf 213 Millionen Euro zusammen. In der übrigen europäischen Erzeugung Steinkohle-, Gas- und Biomassekraftwerken konnte RWE unter anderem dank Kostensenkungen um 13 Prozent auf 167 Millionen Euro zulegen. Zugute kam dem Versorger dabei auch der flexible Einsatz von Kraftwerken zu Zeiten einer besonders hohen Nachfrage. "Im Grunde genommen sind einige Wochen lang alle verfügbaren Kraftwerke gelaufen."

Die RWE-Aktie war mit einem Plus von zeitweise mehr als vier Prozent größter Gewinner im Dax. Die Ergebnisse in zwei von drei Sparten seien deutlich besser als erwartet, urteilten die Analysten der Investmentbank Jefferies.

 

Ökostrom-Tochter legt zu

Während im Energiehandel das Ergebnis um gut zwölf Prozent auf 146 Millionen Euro fiel, profitierte RWE von den gestiegenen Gewinnen seiner Ökostromtochter Innogy, an der der Versorger noch 76,8 Prozent hält. Innogy steigerte den operativen Gewinn um vier Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Ohne diesen Beitrag wäre bei der Mutter im operativen Geschäft nur noch ein Gewinn von 514 Millionen Euro geblieben.

Die gefallenen Strom-Großhandelspreise setzen der Branche seit Jahren zu. Die Preise am Großhandelsmarkt für Strom sind unter Druck des Ökostromausbaus zwischen 2011 und 2016 fast ohne Unterbrechung gesunken. Zwar hatten sie sich zuletzt etwas erholte, sie liegen aber immer noch auf dem Niveau von 2003. Dies bekam neben RWE auch der Karlsruher Versorger EnBW zu spüren. Der Konzern legte am Montag ebenfalls seine Quartalszahlen vor. Danach schrumpfte das bereinigte Ebitda um gut 17 Prozent auf 513 Millionen Euro.

RWE setzt darauf, dass nach der Bundestagswahl die neue Regierung einen so genannten Kapazitätsmarkt auf den Weg bringt, wie es ihn unter anderem in Großbritannien gibt. Dort wird schon die Bereitstellung von Kraftwerken vergütet, die im Fall einer Flaute beim Ökostrom einspringen können. RWE bezifferte die jährlichen Kosten in Deutschland hierfür auf zwei Milliarden Euro. Diese Summe müssten die Stromkunden zahlen. Trotz aller Kritik von Umweltschützern hält RWE auch an seinen klimaschädlichen Braunkohlekraftwerken fest. "Die Braunkohle ist für die Versorgungssicherheit in Deutschland elementar. Und deshalb ist das eines unserer Kerngeschäftsfelder", sagte Krebber. Den Anteil von 50,9 Prozent an dem ungarischen Braunkohlekraftwerk Matrai Erömü wolle RWE hingegen verkaufen. "Da laufen jetzt die Gespräche mit potenzielle Interessenten."

(Reuters)

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