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Dubai: Wüstenwunder, auf Treibsand gebaut

02.12.2009 | 18:33 |   (Die Presse)

Lange galt das Emirat als Modell dafür, wie arabische Länder auch ohne Erdöl prächtig wachsen können. Nun droht ihm die Pleite. Die staatliche Holdinggesellschaft Dubai World kann ihren Zahlungen nicht mehr nachkommen.

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Wien (gau).Der Emir war höchst ungehalten: „Wer an Dubai herumnörgelt, sollte besser das Maul halten“, erklärte Scheich Mohammed bin Rashid al-Maktoum Anfang November. Sein Sohn erzählte Investoren vor eineinhalb Wochen noch treuherzig, dass die Wirtschaft des Emirats am Golf „nett vor sich hinbrummt“.

Statt nett zu brummen, kracht sie nun böse. Letzten Donnerstag musste der Emir kleinlaut verkünden, dass die staatliche Holdinggesellschaft Dubai World ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr fristgerecht nachkommen kann. Die Gläubiger mögen sich bis Mai 2010 gedulden. Auf 80Mrd. Dollar belaufen sich die Staatsschulden. Das Märchenland aus Tausendundeiner Nacht steht kurz vor der Pleite.

Wie konnte es so weit kommen? Über ein Jahrzehnt lang wurde das „Modell Dubai“ gepriesen – als Beispiel dafür, wie sich ein Erdölland diversifizieren und auch nach Versiegen der Quellen prächtig wachsen kann. Im Gegensatz zum großen Nachbarn Abu Dhabi verfügte das Zwergemirat – es ist eine Spur kleiner als das Burgenland – nie über bedeutende Ölreserven; die bestehenden werden in wenigen Jahren erschöpft sein.

Noch vor 40 Jahren lebten nur 30.000 genügsame Nomaden in der Wüste. Doch dann kam der Emir mit seinen Visionen. Die traditionelle Rolle als Handelszentrum in der Golfregion genügte ihm nicht mehr. Sein Minireich sollte der Mittelpunkt der arabischen Welt werden – als Wirtschaftszentrum, Finanzplatz und Drehkreuz für den Flugverkehr.

Der Erfolg schien ihm lange recht zu geben. Der anfangs überdimensionierte Hafen füllte sich. Eine Freihandelszone lockte ausländische Firmen an. Vor allem aber wuchsen Wolkenkratzer in den Himmel, ein einzigartiger Bauboom brach los. Touristen staunten und hinterließen ihre Devisen in Einkaufszentren aus Marmor und Gold. Und über eine Million Menschen – Dienstleister und asiatische Bauarbeiter – zogen zu, machten die Einheimischen zur kleinen Minderheit und genossen Freiheiten und Freizügigkeiten, die sonst in arabischen Ländern undenkbar wären.

 

Kommen, um nicht zu bleiben

Doch die meisten kamen nicht unbedingt, um zu bleiben. Denn auf eine Voraussetzung nachhaltigen Erfolgs hat Dubai, im Gegensatz etwa zu Hongkong und Singapur, schlicht vergessen: auf den Aufbau von Universitäten und Forschungseinrichtungen. Das ist zumindest die These des britischen Orientalisten Christopher M. Davidson, der in dem Buch „Die Verwundbarkeit des Erfolgs“ schon im Sommer 2008 auf die Risken hinwies und dafür als Schwarzmaler kritisiert wurde.

Diese fehlende Nachhaltigkeit steckte, so scheint es, auch die Investoren an. Sie sahen nur noch das schnelle Geld und spekulierten mit „Flipping“-Geschäften auf Gebäude, die noch lange nicht gebaut waren, ja für die noch niemand Grund und Boden erworben hatte.

Dadurch entstand eine Immobilienblase auf Pump, die das Emirat in eine neue Abhängigkeit trieb. Mit dem Einbruch der Immobilienpreise um 40 Prozent stehen die Kaiser ohne neue Kleider da. Dass die Finanznot für viele überraschend kam, hat damit zu tun, dass der Emir nie Einblicke in seine Bilanzen gewährt hat.

„Demystifying Dubai Inc.“ lautet nun das Motto, das die Ratingagentur Moody's schon vor einem Jahr ausgab. Der Emir muss sich unangenehme Fragen gefallen lassen: Ist es auf Dauer erfolgversprechend, Touristen in ein Land zu locken, in dem drei Viertel des Jahres ein menschenfeindliches Klima herrscht? Wie lässt sich das Kapital fremder Investoren langfristig binden? Und was muss Dubai Managern bieten, damit ihre Familien sich eine solide Zukunft in der Stadt auf Sand aufbauen können? Das Maul verbieten lassen sich die Kritiker sicher nicht mehr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.12.2009)

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9 Kommentare

tra la la

vom Kametreiber zum Baumogul
tja wenn man nur gewohnt ist Geld abzuheben
und tausende von Prinzen monatlich alimentiert
und die Palmen Grund stücke verschenkt damit
Schumi und co als werber auftreten
Dumm Geldgeil Gewaltätig
Aber kar wenn einer in der Presse rumschreit Dububai ist die Zukunft
lächerlich

Gast: derindubailebt
03.12.2009 11:47
0 0

ENDLICH

Die Welt ist aufgewacht und faengt an zu verstehen, dass DXB ein 3.Welt Staat ist... Menschenausbeuter und keine Rechte.....
I love living there!!! BUT THINGS MUST CHANGE!!!!

Gast: Ösi
03.12.2009 09:02
0 0

arme Scheichs

Die Scheichs sind ja wirklich arm dran. Da setzen sie alles daran, damit mit fremden Kapital der eigene Vorgarten vergoldet wird, und wenn dann ein paar hundert Milliarden verbaut sind und alles schön glänzt, fehlt das EIGENE Geld, um es zu bezahlen.
Wie gut dass die Immobilien und die Infrastruktur nicht nur auf eigenen Grund und Boden stehen, sondern das dieser Grund auch der eigene Staat ist, und man selber der Staatschef!
Da versteht man die alte Lebensweisheit unserer Politiker und Beamten erst so richtig: Luxus ist, wenn ein anderer dafür zahlt.

ichmeine
03.12.2009 06:57
1 0

vielleicht hilft der wirtschaftliche Verlust

wieder Toleranz von Unterwürfigkeit zu unterscheiden; wo nichts zu holen ist, braucht es auch keiner Anbiederung

josephXY
03.12.2009 06:43
0 0

Und immer wieder auch dabei: die Medien

Viele Medien lernen offenbar nie was dazu.
Jedesmal die "hype" , die Begeisterung im
Aufbaustadium einer solchen Krise.
Gelobt wurde u.a. die intelligente Art der
Werbung und der PR von Dubai.
Ein Blog hat einen kleinen feinen Rückblick
dazu deutschsprachiger Medien dazu
aufgestellt.
Jedes Mal wieder ist man dann soooo
überrascht.
http://www.blicklog.com/2009/12/02/dubai-erinnerungen-an-hochzeiten-und-vergessene-prognosen-der-experten/

2 0

Schuldbildung?

Na dafür müssten die Herren Scheichs ja zur Schule gehen. Früh aufstehen, Lernen etc. Das ist doch SOOO anstrengend.. ;D

Gast: mM
02.12.2009 23:34
2 0

Haus auf Sand baut...

Vom Hausbau
Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet. Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.

Antworten Gast: Türkin
03.12.2009 14:19
1 0

Re: Haus auf Sand baut...

Diesen Auszug aus der Bibel sollten Sie nach Mekka senden.. ;)

Antworten Antworten Darabimo
04.12.2009 15:27
0 0

Re: Re: Haus auf Sand baut...

Das wäre toll. Sie hätten es nötig, nur wissen sie es nicht.