Bitcoin schlimmer als Tulpenzwiebeln

Mit seiner Aussage, Bitcoin sei Betrug, bringt Jamie Dimon, Chef von JP Morgan, die Kryptowährung unter Druck. Er ist nicht der Erste, der an die Tulpenblase 1637 erinnert.

Jamie Dimon, Chef von JP Morgan, lässt kein gutes Haar an Bitcoin.
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Jamie Dimon, Chef von JP Morgan, lässt kein gutes Haar an Bitcoin.
Jamie Dimon, Chef von JP Morgan, lässt kein gutes Haar an Bitcoin. – (c) APA/AFP/ERIC PIERMONT (ERIC PIERMONT)

Wien. Der Höhenflug der Kryptowährung Bitcoin ruft immer mehr Kommentatoren und Kritiker auf den Plan. Am gestrigen Mittwoch schließlich meldete sich kein Geringerer als Jamie Dimon, Chef der US-Großbank JP Morgan Chase, zu Wort – rechnete mit der gehypten Währung ab und setzte sie so unter Druck. „Bitcoin ist Betrug“, hielt der Banker auf einer Investorenkonferenz in New York fest: Die digitale Währung werde nicht funktionieren, da sie praktisch aus dem Nichts entstanden sei. Nur „Mörder, Drogendealer und Menschen in Venezuela und Nordkorea“ hätten wirklich Vorteile von einer Währung, die komplett anonym und unreguliert quer über den Globus geschleust werden könne, so Dimon weiter.

 

Hype und Kursschwankungen

Viele Anleger sehen das derzeit offenbar anders. Der Kurs der digitalen Währung, die von keiner Regierung gestützt wird, hat sich seit Jahresbeginn verfünffacht. Selbst Dimons Tochter hatte zuletzt einige Bitcoins gekauft, verriet der Banker. „Der Kurs ging hoch und jetzt denkt sie, sie ist ein Genie“.

Der Bitcoin entstand vor knapp zehn Jahren. Die maximale Anzahl an Bitcoins, die durch das Lösen von komplexen Aufgaben per Computer generiert werden können, ist auf 21 Millionen Stück limitiert. Doch es sind mittlerweile unzählige Klone der unregulierten digitalen Währung im Umlauf, die zu heftigen Kursschwankungen führen. Seit Jahresbeginn, als der Kurs noch bei 1000 Dollar gestanden war, stieg er bis Anfang September auf das Rekordhoch von knapp 4980 Dollar. Am Dienstag wurde er mit 4118 Dollar gehandelt, nachdem am Freitag die chinesische Zeitung „Caixin“ berichtet hatte, Aufsichtsbehörden des Landes erwögen die Schließung von Handelsplattformen für Devisen wie Bitcoin. Der Kurs rutschte daraufhin auf der Handelsplattform Bitstamp um rund fünf Prozent ab. Nach Dimons gestriger Kritik fiel der Bitcoinpreis zwischenzeitlich um vier Prozent.

 

Fette Tiere für eine Tulpe

Um die Dimension des Hypes zu veranschaulichen, hatte auch Dimon den Vergleich mit der Tulpenblase des Jahres 1637 bemüht. Es sei sogar „schlimmer als bei den Tulpenzwiebeln“, warnte er.

Die Tulpenblase gilt als erste große Spekulationsblase in der Geschichte. Anfang des 17. Jahrhunderts war sie ein beliebter Haarschmuck in der gehobenen Gesellschaft. Das Problem: Die Wachstumsgeschwindigkeit hielt mit der Nachfrage nicht Schritt, wodurch die Preise – vor allem bei holländischen Sorten – explodierten. „Für eine Tulpe der Sorte 'Vizekönig' mussten damals zwei Wagenladungen Roggen, vier fette Ochsen acht fette Schweine, zwölf fette Schafe, zwei Fässer Wein, vier Tonnen Bier, 1000 Pfund Käse, ein Silberpokal, ein Bett und ein Anzug bezahlt werden“, schrieb Peter Thilo Hasler, Gründer von Sphene Capital, neulich in einem Beitrag zum Thema. Alle hätten spekulieren wollen, viele haben Haus und Hof aufs Spiel gesetzt und nach dem Platzen der Blase verloren.

 

Betrugsfälle in Kärnten

Banker Dimon sagte gestern auch Bitcoin-Anlegern große Verluste voraus, räumte aber auch ein, dass sich der Kurs durchaus noch auf 20.000 Dollar verfünffachen könne, „bevor alles in die Luft fliegt“.

Gleich mehrere Fälle von Bitcoin-Betrug hat es in den vergangenen Tagen übrigens in Kärnten gegeben. Drei Mal wurden Mitarbeiterinnen von Trafiken in den Bezirken Spittal und Villach reingelegt, berichtete die Landespolizeidirektion. Der Gesamtschaden beläuft sich auf mehrere tausend Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2017)

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