New York. Eine überraschende Nachricht löste am Freitagnachmittag eine kleine Schockwelle auf den Aktienmärkten aus: Die US-Börsenaufsicht SEC ermittelt gegen Goldman Sachs. Das Institut habe Kunden bewusst getäuscht und ein Finanzprodukt verkauft, das von Beginn an darauf ausgerichtet war, einen Verlust zu erzielen. Der Kurs von Goldman brach binnen weniger Minuten um vierzehn Prozent ein. Der New Yorker Börsenindex Dow Jones verlor mehr als ein Prozent.
Die Vorwürfe gegen die ehemalige Investmentbank haben es tatsächlich in sich. Goldman legte 2007 ein Finanzprodukt auf, das den Käufern fixe Einnahmen in Form von Hypothekenrückzahlungen bringen sollte („Collateral Debt Obligation“). Die Investoren verloren einen Großteil des eingesetzten Kapitals, weil die Schuldner ihre Hypotheken nicht mehr bedienen konnten. Offiziell führte Goldman die Verluste stets auf die sich verschlechternden Bedingungen auf dem Immobilienmarkt zurück.
Nun behauptet die amerikanische Börsenaufsicht allerdings, dass Goldman bewusst „faule“ Hypotheken in das komplexe Finanzprodukt aufgenommen habe. Für die Zusammensetzung war nämlich ein Hedgefonds-Manager verantwortlich, der millionenschwere Wetten auf den Wertverlust derselben Produkte laufen hatte. „Wirtschaftliche Interessen, die mit jenen der Investoren nicht zu vereinbaren waren, spielten eine entscheidende Rolle“, ist in der Anklage der SEC zu lesen.
Weitere Klagen könnten folgen
Die US-Börsenaufsicht prüft aktuell verschiedenste Konstruktionen, die das Ausmaß der Wirtschaftskrise verschärft haben könnten. So handelten Banken auf der ganzen Welt mit „Collateral Debt Obligations“ oder ähnlichen Finanzinstrumenten. Sollte sich herausstellen, dass manche Institute diese Produkte bewusst geschaffen haben, um mit Wetten auf fallende Häuserpreise Geld zu verdienen, könnten weitere Klagen wegen Betrugs folgen. „Diese Produkte sind sehr kompliziert. Aber die Interessenkonflikte der Beteiligten sind die gleichen wie eh und je“, sagte SEC-Ermittler Robert Khuzami.
Goldman Sachs bestreitet die Vorwürfe. „Wir konnten die Zukunft des Häusermarktes Anfang 2007 ebenso wenig exakt vorhersagen, wie wir das heute können. Wir haben nie bewusst gegen unsere Kunden gewettet“, schrieb das Institut vergangene Woche in einem Brief an seine Investoren.
Das Finanzinstrument Abacus 2007-AC1, das zur SEC-Anklage wegen Betrugs führte, war vor drei Jahren 10,9 Mrd. Dollar (acht Mrd. Euro) wert. Nun haben die Anleger den Großteil des Investments verloren. Für die Auswahl der Hypotheken war der Hedgefonds-Manager John Paulson hauptverantwortlich. Er hat mit Wetten auf fallende Häuserpreise zumindest 3,7 Mrd. Dollar verdient, behauptet die Börsenaufsicht SEC.
(("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2010))
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