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USA: Goldman Sachs wegen Betrugs angeklagt

16.04.2010 | 20:37 |  Von Stefan Riecher (Die Presse)

Die US-Bank soll Anleger im Zug der Immobilienkrise getäuscht haben, indem sie bewusst "faule" Hypotheken in komplexe Finanzprodukte aufnahm. "Wir haben nie bewusst gegen unsere Kunden gewettet“, beteuert die Bank.

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New York. Eine überraschende Nachricht löste am Freitagnachmittag eine kleine Schockwelle auf den Aktienmärkten aus: Die US-Börsenaufsicht SEC ermittelt gegen Goldman Sachs. Das Institut habe Kunden bewusst getäuscht und ein Finanzprodukt verkauft, das von Beginn an darauf ausgerichtet war, einen Verlust zu erzielen. Der Kurs von Goldman brach binnen weniger Minuten um vierzehn Prozent ein. Der New Yorker Börsenindex Dow Jones verlor mehr als ein Prozent.

Die Vorwürfe gegen die ehemalige Investmentbank haben es tatsächlich in sich. Goldman legte 2007 ein Finanzprodukt auf, das den Käufern fixe Einnahmen in Form von Hypothekenrückzahlungen bringen sollte („Collateral Debt Obligation“). Die Investoren verloren einen Großteil des eingesetzten Kapitals, weil die Schuldner ihre Hypotheken nicht mehr bedienen konnten. Offiziell führte Goldman die Verluste stets auf die sich verschlechternden Bedingungen auf dem Immobilienmarkt zurück.

Nun behauptet die amerikanische Börsenaufsicht allerdings, dass Goldman bewusst „faule“ Hypotheken in das komplexe Finanzprodukt aufgenommen habe. Für die Zusammensetzung war nämlich ein Hedgefonds-Manager verantwortlich, der millionenschwere Wetten auf den Wertverlust derselben Produkte laufen hatte. „Wirtschaftliche Interessen, die mit jenen der Investoren nicht zu vereinbaren waren, spielten eine entscheidende Rolle“, ist in der Anklage der SEC zu lesen.

Weitere Klagen könnten folgen

Die US-Börsenaufsicht prüft aktuell verschiedenste Konstruktionen, die das Ausmaß der Wirtschaftskrise verschärft haben könnten. So handelten Banken auf der ganzen Welt mit „Collateral Debt Obligations“ oder ähnlichen Finanzinstrumenten. Sollte sich herausstellen, dass manche Institute diese Produkte bewusst geschaffen haben, um mit Wetten auf fallende Häuserpreise Geld zu verdienen, könnten weitere Klagen wegen Betrugs folgen. „Diese Produkte sind sehr kompliziert. Aber die Interessenkonflikte der Beteiligten sind die gleichen wie eh und je“, sagte SEC-Ermittler Robert Khuzami.

Goldman Sachs bestreitet die Vorwürfe. „Wir konnten die Zukunft des Häusermarktes Anfang 2007 ebenso wenig exakt vorhersagen, wie wir das heute können. Wir haben nie bewusst gegen unsere Kunden gewettet“, schrieb das Institut vergangene Woche in einem Brief an seine Investoren.

Das Finanzinstrument Abacus 2007-AC1, das zur SEC-Anklage wegen Betrugs führte, war vor drei Jahren 10,9 Mrd. Dollar (acht Mrd. Euro) wert. Nun haben die Anleger den Großteil des Investments verloren. Für die Auswahl der Hypotheken war der Hedgefonds-Manager John Paulson hauptverantwortlich. Er hat mit Wetten auf fallende Häuserpreise zumindest 3,7 Mrd. Dollar verdient, behauptet die Börsenaufsicht SEC.

(("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2010))

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12 Kommentare
Thonet H.
17.04.2010 16:18
3 0

Der ganze Finanzmarkt

ist ideal für Gauner und Betrüger. Allein das Trading bringt Millionengewinne, weil die Händler über die Verkaufe und Käufe informiert sind und entscheiden wer zuerst verkauft wird und noch den höheren Kurs bekommt. Otto Normalverbraucher bekommt bei einer Verkauforder sicher den schlechtesten Kurs des ganzen Tages. Es wird getrickst, getäuscht und manipuliert, was der Mammongeist hergibt bis zum bitteren Ende.
Die Banken haben die ganze Welt bis ins tiefste Afrika mit ihren vergifteten Wetten nahe an den Ruin gebracht. Den Rest besorgt die Unvernunft und Dummheit der Welt.

jgrabner
17.04.2010 12:04
1 2

"faul" war zum Zeitpunkt des Verkaufs gar nichts

zuerst mal waren die 2 Kunden Institutionelle, die deutsche IKB und die niederländische ABN Amro, also Profis, die wissen sollten, was sie tun. Und das war bisher klar: Geld ertragreich veranlagen. Und jahrelang waren amerikanische Hausfinanzierungen auch ertragreich, die Ausfallrate von Hypotheken ging 2006 gegen null, die Hauspreise stiegen um 2-stellige Prozentwerte jedes Jahr und so haben sich viele Institute an dem Spiel beteiligt. Irgendwann musste die Blase platzen und das tat sie beginnend mit dem ABACUS-Deal. Aber es hätte auch noch Jahre so weitergehen können.

Zum Zeitpunkt des Verkaufs (Anfang 2007, 1,5 Jahre vor dem Lehman-Zusammenbruch) war aber alles noch in Ordnung. Einige wenige, darunter auch ein Handelspartner von Goldman, haben geglaubt, dass der Immo-Markt bald zusammenbricht, andere, wie Lehman, aber auch zB die IKB, haben geglaubt, das geht noch was. Lehman hat verloren, die IKB hat verloren, usw., aber ist daran Goldman "schuld"? Ich habe auch schon oft Papiere an der Börse verkauft, weil ich mir sicher war, dass sie fallen werden. Der Käufer war aber vom Gegenteil überzeugt. Ich bin nicht verpflichtet, den Käufer darauf hinzuweisen und auch eine Bank ist nicht verpflichtet ihre eigene Meinung über das kund zu tun, was sie einer anderen Bank verkauft. Die Fakten hat Goldman hier jedenfalls nicht veschwiegen, die Käufer wurden über alle Hypotheken 1:1 informiert, und es hätte auch gut gehen können. Der Deal war riskant, aber kein Betrug.

Antworten realize
17.04.2010 13:51
2 0

Re:

sie gehören wohl auch zu der clique um die herren goldman, sachs und lehman. es sind eindeutig betrügerische absichten hinter diesen "deal" gesteckt. leider werden die vorwürfe keine auswirkung haben und die herren werden weiter betrügen. man sollte sich einmal genauer informieren wer hinter diesen machenschafften steht.

Antworten Antworten Gast: trader
19.04.2010 23:30
0 1

Re: Re:


Das ist eben ein boxring, nur die leute halten es immer für ein pfadfinderlager, wo die pfadfinder zum spaß boxhandschuhe tragen ..

bis sie halt die erste gerade reinkriegen und es sie aushebt .. die meisten verlassen dann den ring ..
einige aber stehen auf, und versuchen boxen zu lernen und kämpfen weiter .. und die haben dann da sie kampfgeist haben eine chance :-)


Gast: Löser
17.04.2010 11:25
1 0

es wurde Zeit

dass diese Gaunerbagage die die Krise erst verursacht und Bruder Lehmann geopfert hat endlich überhaupt einmal in die Nähe der Wahrheit gerückt wird

Antworten jgrabner
17.04.2010 12:10
0 0

Dick Fuld als "Opfer" zu bezeichnen,

hat sich bisher nicht mal Blankfein getraut zu sagen. Fuld wollte ausnützen, daß sich andere ab 2007 aus dem Immo-Markt zurückzuziehen begannen und hat gerade am Höhepunkt der Preise Immobilien auf Kredit gekauft. Damit wollte er der größte an der Wall Street werden. Und er hat dadurch nicht nur fast sein ganzes Vermögen verloren, sondern auch das der Bank, die er geleitet hat. Am Ende war Lehman mehr Immobilieneigentümer als Investmentbank. Bei der IKB kann man vielleicht noch ein wenig von Dummheit sprechen, aber Fuld war einfach nur größenwahnsinnig.

Gast: Eurrora
17.04.2010 10:38
1 0

Das gibt es doch nicht,

dass die Banker,welche Gotteswerk erbringen, wegen Betruges angeklagt werden?

Antworten Gast: Gast
17.04.2010 11:58
0 0

Re: Das gibt es doch nicht,

... das ist ganz einfach: die Sache und daraus entstehende Folgen sind Teil des Plans bzw. Gotteswerks

Gast: Justitia
17.04.2010 10:10
1 0

Was ist daran neu?

bereits am Jahreswechsel 2008/2009, als so ziemlich alle grossen US Banken in Schieflage gerieten, konnte Goldman Gewinne ausweisen - die NY Times berichtete bereits damals, dass Goldmann gegen die eigenen Produkte short gegangen ist. Was ist also daran so neu?
Der Absturz des Dow war vorhersehbar, da er absolut überkauft war. Es wurde nur noch nach dem richtigen "Zünder" für die notwendige Korrektur gesucht - dieser ist ja nun gefunden. 20% Korrektur werden allgemein am Markt erwartet - schauen wir einmal

Gast: Gast
17.04.2010 09:24
0 0

nun denn

... ab nächster Woche geht`s rund, oder?

Gast: hbm
17.04.2010 00:54
1 0

die EU macht genau so einen betrug

mit der griechenlandrettung.
das risiko wird verschleiert und die anleger werden dadurch vorsätzlich in betrügerischer absicht um ihr geld gebracht.

0 0

faszinierende USA, trotz allem

oder glaubt irgendjemand, dass so etwa in Österreich möglich wäre? Nicht die vermeintliche Betrugsabsicht, die Untersuchungen gegen eines der weltgrößten Finanzinstitute.