Der Fall des Euro hat sich am Freitag fortgesetzt. Der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung sackte gegen Mittag auf 1,2447 Dollar ab, das war der niedrigste Wert seit November 2008, also seit 18 Monaten.
Viele Investoren befürchteten, dass die rigiden Einsparungen einiger Staaten den wackligen Aufschwung innerhalb der Währungsunion abwürgen könnten, sagten Börsianer. Außerdem drückte die Stimmung, dass Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann öffentlich an der Fähigkeit Griechenlands zweifelte, die Schulden jemals zurückzahlen zu können.
Den aktuellen Eurokurs finden Sie hier.
"Die Zweifel werden wieder stärker"
"Die Zweifel werden wieder stärker", sagte Hideaki Inoue von der japanischen Bank Mitsubishi UFJ Trust. Die anfängliche Wirkung des Rettungspakets - der Kurs des Euro war am Montag auf 1,30 Dollar gestiegen - sei schon wieder "abgestumpft". Es gebe manche, die bereits an eine Kreditkrise glaubten, die das ganze Finanzsystem erschüttern werde.
Der Kurs-Rutsch wurde durch Verkäufe großer Hedge-Fonds ausgelöst, berichtet wiederum "Financial Times Deutschland". "Anscheinend bezweifeln die Anleger, dass die fiskalischen Kürzungen erfolgreich sein werden. Oder sie vertrauen den Regierungen, fürchten aber, dass die Länder wegen des rigiden Sparkurses wieder in die Rezession zurückfallen", sagte Chris Turner, Währungsstratege bei ING.
"EZB schadet dem Euro"
Ein weiterer Belastungsfaktor für die Gemeinschaftswährung ist nach Einschätzung der Commerzbank-Devisenexperten der Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB. Denn damit droht die Gefahr eine Liquiditätsblase - für viele Marktexperten einer der Auslöser der Finanzkrise. Die Notenbank habe zwar versprochen, die durch diese Geschäfte neu geschaffene Liquidität an anderer Stelle wieder abzuschöpfen. "Doch ein schlechter Nachgeschmack bleibt", warnen die Analysten.
Zum einen wirkten die Käufe kursverzerrend. "Zum anderen stellt sich die Frage, wie denn die Exit-Strategie der EZB aussähe, wenn die fiskalische Konsolidierung der Problemländer nicht wie geplant vorankäme." Würde sie deren Anleihen wieder verkaufen oder diese Staaten dauerhaft alimentieren? "Die EZB begibt sich in die Gefahr potenzieller Konflikte und schadet damit dem Euro."
Europäische Konjunktur hinkt hinterher
Nach Einschätzung von UBS-Volkswirt Stephane Deo hinkt die europäische Konjunktur der amerikanischen hinterher. "Die US-Notenbank Fed wird höchstwahrscheinlich schon im Sommer den Weg für erste Zinserhöhungen im weiteren Jahresverlauf freimachen." Ein ähnlicher Schritt der Europäischen Zentralbank (EZB) sei derzeit nicht absehbar.
(Ag.)

Euro-Rettung: Was man um 750 Milliarden Euro kaufen könnte
Griechen-Krise: Wie sie jeden betrifft


Top 10 Die meistgekauften Autos der Welt
Top 10 Das sind die zehn reichsten Familien Österreichs
Airbus Fliegen im Jahr 2050
Unternehmen Die 30 Größten Österreichs
QUIZ Testen Sie ihr Wissen über die Wirtschaft
