Ackermann: 'Große Anleger brauchen keine Talkshows'

Es gelte das richtige Maß an Regulierung zu finden, sagt Deutsche Bank-Chef Ackermann. Von einem Krieg zwischen Märkten und Staat zu sprechen, sei nicht zuträglich: "Märkte sind Signalsysteme".

FILE GERMANY USA BANK INVESTIGATION
Schließen
FILE GERMANY USA BANK INVESTIGATION
(c) EPA (Boris Roessler)

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sieht noch immer Risiken für die wirtschaftliche Erholung. "Die wirtschaftlichen Aussichten für das Jahr 2010 sind weiterhin durch ein hohes Maß von Unsicherheit geprägt", sagte Ackermann am Donnerstag bei der Hauptversammlung des Dax-Konzerns.

Die Nachwehen der Finanzkrise seien nach wie vor zu spüren, zudem seien mit der Schuldenkrise und dem Druck auf den Euro neue Probleme zu bewältigen. Diese machten es nicht leichter, den richtigen Zeitpunkt für einen Ausstieg aus den staatlichen Stützungsprogrammen und für einen Einstieg in neue regulatorische Maßnahmen zu finden.

"Polit-Rhetorik ist Dialog nicht zuträglich"

Weltweit werden verschiedene Maßnahmen diskutiert, um Spekulation einzudämmen und die Finanzbranche an den Folgen der Krise zu beteiligen. "Keine Frage: Wir müssen das Finanzsystem stabiler machen und Schwächen, die sich in der Krise gerade auch bei Banken gezeigt haben, konsequent beseitigen. Davon gibt es eine ganze Reihe: zu wenig Eigenkapital und Liquidität, zu viel Risiko, zu wenig Transparenz, falsche Anreize und einiges mehr", führte Ackermann aus.

Das Überbringen von Nachrichten ist die ureigenste Funktion der Märkte.

Deutsche Bank-Chef Ackermann

Es gelte jedoch, in einem engen Dialog aller Betroffenen "das richtige Maß, die richtige Balance an Regulierung zu finden". Der Banker betonte: "Verbalattacken auf sogenannte Spekulanten und Polit-Rhetorik, die von einem "Krieg" zwischen Märkten und Staat spricht, sind einem solchen Dialog nicht zuträglich und nicht zielführend."

"Märkte sind Signalsysteme"

In Sachen Griechenland und Euro seien Märkte zwar derzeit die Überbringer schlechter Nachrichten. "Das Überbringen von Nachrichten aber ist ihre ureigenste Funktion. Märkte sind Signalsysteme", ergänzte der Bank-Chef. Sie könnten daher nicht für die Aktionen der Aktionäre verantwortlich gemacht werden, die diese Signale auslösten.

Der Deutsche-Bank-Chef versicherte vor den Aktionären, er nehme den "Ansehensverlust der Bankenbranche insgesamt" ernst. "Banken operieren nicht im luftleeren Raum, sie sind Teil der Gesellschaft, in der und für die sie tätig sind. Wir können in einer Parallelwelt nicht gedeihen." Die Reputation der Deutschen Bank habe aber während der Krise "nur vorübergehend und vergleichsweise wenig" gelitten.

"Große Anleger brauchen keine Talkshows"

Mitte Mai hatte Ackermann in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" vor einem Millionenpublikum Zweifel an Athens Zahlungsfähigkeit geäußert ("Ob Griechenland über die Zeit wirklich in der Lage ist, diese Leistungskraft aufzubringen, das wage ich zu bezweifeln."). Daraufhin hatte es Kritik gehagelt.

Die Hauptversammlung nutzte der Schweizer nun für einen Konter: "Die großen Anleger brauchen keine Talkshows, um sich eine Meinung zu bilden, die kleinen sehr wohl."

"Unsere Anstrengungen werden nicht immer honoriert"

"Es ist uns ein echtes Anliegen, zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beizutragen. Wo immer wir tätig sind", sagte Ackermann. Dies habe die Deutsche Bank unter anderem dadurch bewiesen, dass sie sich "zur Bewältigung der Griechenland-Krise besonders engagiert" habe. Ackermann war maßgeblich an der Zusage deutscher Banken und Versicherer beteiligt, weiterhin in Griechenland aktiv zu sein und sich freiwillig beim Milliarden-Rettungspaket zu engagieren.

"Dass diese und andere Anstrengungen nicht immer und überall honoriert, ja manchmal von interessierten Kreisen sogar diskreditiert werden, darf uns nicht beirren", sagte Ackermann. Die deutschen Finanzinstitute hatten sich bereiterklärt, griechische Anleihen nicht abzustoßen und Kreditlinien für den hoch verschuldeten Mittelmeerstaat und seine Banken nicht zu kappen. Dies war etwa von der SPD als "absolute Nullnummer" kritisiert worden.

Eigenkapitalrendite von 25 Prozent bleibt Ziel

An seinem Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern hält der Deutsche-Bank-Chef ebenso fest wie an der Vorgabe, bis 2011 einen Vorsteuergewinn von zehn Milliarden Euro zu erzielen. In der gegenwärtigen Situation habe die Kapitalstärke der Bank oberste Priorität, betonte Ackermann. Das erste Quartal habe aber gezeigt, dass der Konzern gut aufgestellt sei.

Im ersten Quartal steigerte das größte deutsche Institut den Überschuss auf 1,8 (Vorjahresquartal: 1,2) Milliarden Euro. Das Krisenjahr 2009 hatte der deutsche Branchenprimus mit einem Überschuss von 5,0 Milliarden Euro abgeschlossen, vor Steuern standen 5,2 Milliarden Euro in den Büchern.

(Ag.)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Lesen Sie mehr zum Thema
Kommentar zu Artikel:

Ackermann: 'Große Anleger brauchen keine Talkshows'

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen