Ackermann: 'Große Anleger brauchen keine Talkshows'

27.05.2010 | 15:13 |   (DiePresse.com)

Es gelte das richtige Maß an Regulierung zu finden, sagt Deutsche Bank-Chef Ackermann. Von einem Krieg zwischen Märkten und Staat zu sprechen, sei nicht zuträglich: "Märkte sind Signalsysteme".

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Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sieht noch immer Risiken für die wirtschaftliche Erholung. "Die wirtschaftlichen Aussichten für das Jahr 2010 sind weiterhin durch ein hohes Maß von Unsicherheit geprägt", sagte Ackermann am Donnerstag bei der Hauptversammlung des Dax-Konzerns.

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Die Nachwehen der Finanzkrise seien nach wie vor zu spüren, zudem seien mit der Schuldenkrise und dem Druck auf den Euro neue Probleme zu bewältigen. Diese machten es nicht leichter, den richtigen Zeitpunkt für einen Ausstieg aus den staatlichen Stützungsprogrammen und für einen Einstieg in neue regulatorische Maßnahmen zu finden.

"Polit-Rhetorik ist Dialog nicht zuträglich"

Weltweit werden verschiedene Maßnahmen diskutiert, um Spekulation einzudämmen und die Finanzbranche an den Folgen der Krise zu beteiligen. "Keine Frage: Wir müssen das Finanzsystem stabiler machen und Schwächen, die sich in der Krise gerade auch bei Banken gezeigt haben, konsequent beseitigen. Davon gibt es eine ganze Reihe: zu wenig Eigenkapital und Liquidität, zu viel Risiko, zu wenig Transparenz, falsche Anreize und einiges mehr", führte Ackermann aus.

Das Überbringen von Nachrichten ist die ureigenste Funktion der Märkte.
Deutsche Bank-Chef Ackermann

Es gelte jedoch, in einem engen Dialog aller Betroffenen "das richtige Maß, die richtige Balance an Regulierung zu finden". Der Banker betonte: "Verbalattacken auf sogenannte Spekulanten und Polit-Rhetorik, die von einem "Krieg" zwischen Märkten und Staat spricht, sind einem solchen Dialog nicht zuträglich und nicht zielführend."

"Märkte sind Signalsysteme"

In Sachen Griechenland und Euro seien Märkte zwar derzeit die Überbringer schlechter Nachrichten. "Das Überbringen von Nachrichten aber ist ihre ureigenste Funktion. Märkte sind Signalsysteme", ergänzte der Bank-Chef. Sie könnten daher nicht für die Aktionen der Aktionäre verantwortlich gemacht werden, die diese Signale auslösten.

Der Deutsche-Bank-Chef versicherte vor den Aktionären, er nehme den "Ansehensverlust der Bankenbranche insgesamt" ernst. "Banken operieren nicht im luftleeren Raum, sie sind Teil der Gesellschaft, in der und für die sie tätig sind. Wir können in einer Parallelwelt nicht gedeihen." Die Reputation der Deutschen Bank habe aber während der Krise "nur vorübergehend und vergleichsweise wenig" gelitten.

"Große Anleger brauchen keine Talkshows"

Mitte Mai hatte Ackermann in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" vor einem Millionenpublikum Zweifel an Athens Zahlungsfähigkeit geäußert ("Ob Griechenland über die Zeit wirklich in der Lage ist, diese Leistungskraft aufzubringen, das wage ich zu bezweifeln."). Daraufhin hatte es Kritik gehagelt.

Die Hauptversammlung nutzte der Schweizer nun für einen Konter: "Die großen Anleger brauchen keine Talkshows, um sich eine Meinung zu bilden, die kleinen sehr wohl."

"Unsere Anstrengungen werden nicht immer honoriert"

"Es ist uns ein echtes Anliegen, zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beizutragen. Wo immer wir tätig sind", sagte Ackermann. Dies habe die Deutsche Bank unter anderem dadurch bewiesen, dass sie sich "zur Bewältigung der Griechenland-Krise besonders engagiert" habe. Ackermann war maßgeblich an der Zusage deutscher Banken und Versicherer beteiligt, weiterhin in Griechenland aktiv zu sein und sich freiwillig beim Milliarden-Rettungspaket zu engagieren.

"Dass diese und andere Anstrengungen nicht immer und überall honoriert, ja manchmal von interessierten Kreisen sogar diskreditiert werden, darf uns nicht beirren", sagte Ackermann. Die deutschen Finanzinstitute hatten sich bereiterklärt, griechische Anleihen nicht abzustoßen und Kreditlinien für den hoch verschuldeten Mittelmeerstaat und seine Banken nicht zu kappen. Dies war etwa von der SPD als "absolute Nullnummer" kritisiert worden.

Eigenkapitalrendite von 25 Prozent bleibt Ziel

An seinem Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern hält der Deutsche-Bank-Chef ebenso fest wie an der Vorgabe, bis 2011 einen Vorsteuergewinn von zehn Milliarden Euro zu erzielen. In der gegenwärtigen Situation habe die Kapitalstärke der Bank oberste Priorität, betonte Ackermann. Das erste Quartal habe aber gezeigt, dass der Konzern gut aufgestellt sei.

Im ersten Quartal steigerte das größte deutsche Institut den Überschuss auf 1,8 (Vorjahresquartal: 1,2) Milliarden Euro. Das Krisenjahr 2009 hatte der deutsche Branchenprimus mit einem Überschuss von 5,0 Milliarden Euro abgeschlossen, vor Steuern standen 5,2 Milliarden Euro in den Büchern.

(Ag.)

 
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6 Kommentare
Gast: NurSoZumNachdenken
27.05.2010 18:27
0

25% EK-Rentabilität...

Ackermann macht einen extrem guten Job. Einen guten Job in dem Sinne, das er perfekt alle legalen Möglichkeiten des Systems nutzt um den Eignern enorme Renditen zu ermöglichen. Das ist im gegenwärtigen Kreditsystem ja auch legitim.

Aber jeder der etwas von BWL/VWL Zusammenhängen versteht wird doch hoffentlich aufschrecken, wenn er von einer Bank hört, dass die erwartete EK-Rendite langfristig etwa 25% betragen soll. Ohne das selbst vom Unternehmen realer Wert geschaffen wird, nur durch Investitionen (Kredite) und Nutzung von Finanzderivaten...

Diese Bank ist dann auch noch groß genug um "systemrelevant" zu sein, was eine Art gratis staatliche Versicherung gegens Verspekulieren ist.

Wieviel die in Bilanzen ausgewiesenen Gewinne der Großbanken mit realen Werten zu tun haben (nämlich sehr wenig bis nichts) ist etwas zu umfangreich um es hier auszuführen, aber davon kann sich jeder selbst ein Bild machen. Die ZDF (!) Sendung wiso berichtet immer wieder ausführlich im Rahmen der Finanzkrise, die Folgen sind auch online abrufbar.

Meiner persönlichen Meinung nach (nach langer Beschäftigung mit diesem Thema) wird das Großbanken- und Kreditsystem nicht auf Dauer zu halten sein. Das Hauptproblem daran ist, dass dieses Problem verdrängt wird und daher (zumindest von der Politik) nicht an alternativen Konzepten gearbeitet wird. Wir werden also eventuell in einige Jahren den Kollaps der Weltfinanz miterleben ohne dann brauchbare Alternativen zum System anbieten zu können.

think°

Antworten Gast: trader
28.05.2010 08:28
0

Re: 25% EK-Rentabilität...

der grund für die 25% ist zu geringes eigenkapital .. die sind mit lächerlichen 5% eigenkapital unterwegs .. und wären daher schon längst im konkurs .. nur man lässt sie nicht in konkurs gehen ..

Im klartext .. die bankvorstände sind mittlerweile hochbezahlte beamte geworden, die noch immer so tun, wie wenn sie selbst geld erwirtschaften, das in wirklichkeiit längst der steuerzahler bezahlt ...
Lösung .. einfach mal ein paar banken als warnung in konkurs schicken, und die vorstände und aufsichtsräte in den häfen gehen lassen .. damit endlich wieder vernunft ins system einkehrt ...

Gast: trader
27.05.2010 15:14
0

guter typ das mit dem signal

der markt ist gerade dabei wieder mal ein
interessantes signal und diesmal halt über die deutsche bank zu überbringen :-):-)

Gast: Galtür
27.05.2010 14:55
0

Verantwortung

Banken haben Verantwortung zu übernehmen. Die Gedanken zu der Sozialen Marktwirtschaft sind zu erneuern. Eigentum verpflichtet.

Gast: unbeteiligter
27.05.2010 12:28
0

Ackermann meint wohl damit ........

FM J. Pröll. Dem fällt nichts besseres ein ( Achtung: Ablenkungsmanöver) als auf die Steuerhinterzieher einzudreschen und zu plakatieren, dass jeder brave Steuerzahler der Dumme ist.

Pröll hat nur insoweit recht, als die dummen Steuerzahler entweder mit ihrem Geld Griechenland oder die Giebelkreuzler retten, jedoch sicher nicht den eigenen Staat oder die eigene Bevölkerung.

Pröll ist die perfekte Fehlbesetzung !

Antworten Gast: LM
27.05.2010 14:21
0

Re: Ackermann meint wohl damit ........

Stimmt!

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