Leitl zum schwachen Euro: "Wir waren vorher zu teuer"

01.06.2010 | 10:08 |   (DiePresse.com)

Österreich profitiere von einem schwachen Euro, sagt Wirtschaftskammer-Chef Leitl. Auslöser der Wirtschaftskrise seien "nicht ein paar gierige Finanzhaie". Schuld sei die "Unfähigkeit der Politik".

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Der derzeit im Verhältnis zum US-Dollar geschwächte Euro kann Europa nach Ansicht von Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl in seinen Bemühungen um internationale Wettbewerbsfähigkeit und Budgetkonsolidierung helfen. Der derzeitige Euro-Kurs sei "vernünftig und fair", sagte Leitl am Montagabend vor Journalisten in Brüssel. Sorgen um die Schwäche der europäischen Gemeinschaftswährung hat er nicht. "Man kann sich auch selbst herunterschreien", betonte er. "Wir waren vorher zu teuer."

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Leitl erinnerte daran, dass der Euro zu seiner Einführung gegenüber dem US-Dollar einen Kurswert von 1,18 gehabt habe und danach sogar auf 0,83 gefallen sei, bevor er zu seinem Höhenflug in den vergangenen Jahren ansetzte. Nach Schätzungen der Wirtschaftskammer könnte die Euro-Abwertung den Euro-Ländern eine 0,4 bis 0,7 Prozentpunkte höhere Wirtschaftsleistung im ersten Jahr bringen, und um 0,6 bis 1,3 Prozentpunkte mehr im zweiten Jahr. In Südeuropa könnte der schwächere Euro demnach bis zur Hälfte des Wachstums ausgleichen, das durch den Sparkurs verloren gehe. In Spanien könnten die Auswirkungen der Konsolidierung fast völlig aufgehoben werden, schätzt die WKÖ.

Österreich ist Profiteur eines schwachen Euro

Österreich zählt nach Einschätzung der Wirtschaftskammer jedenfalls zu den Profiteuren des schwächeren Euro, da es einen hohen Anteil von Exporten (43 Prozent) von Waren und Dienstleistungen außerhalb der Eurozone habe. Nachdem Deutschland für Österreich größter Handelspartner ist, profitiert Österreich demnach auch indirekt von der Stärkung der deutschen Exportindustrie.

Leitl übte dennoch scharfe Kritik am europäischen Krisenmanagement. Es fehle in Europa an "Leadership", bemängelte er. "Wenn (Frankreichs Präsident Nicolas) Sarkozy mit (Deutschlands Bundeskanzlerin Angela) Merkel ein Dream-Team wäre, stünde Europa besser da." Die EU-Kommission forderte er auf, ihr Initiativrecht wahrzunehmen. Auslöser der gegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzkrise seien "nicht ein paar gierige Finanzhaie" gewesen, sondern die "Unfähigkeit der Politik", gegenüber Einzelnen Grenzen zu setzen. "Jeder Monat, den wir versäumen geht zulasten der nächsten Generation." Leitl kritisierte, dass auch in Österreich über eine Verlängerung der Hacklerregelung diskutiert werde, anstatt eine neue Pensionsreform anzupacken.

Leitl will europäische Ratingagentur

An den Eurozonen-Chef Jean-Claude Juncker richtete Leitl die Aufforderung, in Sachen Finanztransaktionssteuer mit der Eurozone voranzugehen. So könnten in der Eurozone anfangs Derivate und besonders risikobehaftete Geschäfte besteuert werden, andere Länder würden dann wahrscheinlich nachziehen, meint der WKÖ-Chef. Von der von der EU-Kommission vorgeschlagenen Bankenabgabe hält Leitl nichts, diese wäre nur "eine Bankkundenabgabe", sagte er.

Zur besseren Koordinierung der europäischen Wirtschaftspolitik schlägt Leitl vor, dass die EU-Staaten zu gleichen Bedingungen ihre Netzwerke und Zugänge zu ihren wichtigsten Außenhandelsmärkten besser teilen. Leitl wiederholte seine Forderung nach Schaffung einer europäischen Ratingagentur. Da dies aber mindestens zwei bis drei Jahre dauern würde, appellierte er an die Europäische Zentralbank (EZB), diese sollte bereits jetzt die Anleihen der Euro-Länder selbst bewerten. Die Unabhängigkeit der EZB stehe in keinem Widerspruch zu einem objektiven Rating, meinte Leitl.

(APA)

 
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10 Kommentare
kroegner
15.06.2010 18:17
0

Geh Herr Leitl, ruinierens doch nicht ihren Ruf!

Das was Sie da verzapfen ist doch überhaupt nicht stimmig, oder warum haben Sie dann nicht schon jahrelang für eine Abwertung gekämpft. Zuerst waren alle stolz auf den Euro und jetzt richtet sich man wie mans braucht. Sehr dumm!

Antworten montan
16.06.2010 15:57
0

Re: Geh Herr Leitl, ruinierens doch nicht ihren Ruf!

Der Euro war ihm aber schon früher zu hoch.

Vor einigen Jahren hat Leitl dem Finanzminister Grasser via Medien mitgeteilt, er möge sich in Brüssel stark machen dafür, daß der Leitzinssatz gesenkt wird.-Also wollte er schon damals - indirekt - den Euro schwächen.
(Sein Vorgehen war natürlich damals entweder amateurhaft oder aber nur auf Stimmenfang aus, denn wenn es ernst gemeint gewesen wäre, hätte er das nicht in der Öffentlichkeit hinausposaunt. Die EZB vermied damals nämlich den Anschein, auf Zuruf von außen Zinspolitik zu machen)

Ob es bereits damals klüger war als heute?- eher nein. Denn Vertrauen (in eine Währung) ist schneller zerstört als wieder aufgebaut. Es ist nämlich fraglich, ob man den Kursverfall genau dort stoppen kann, wo es einem günstig ist. Im schlimmsten Fall kriegen wir Europäer für den Schrott-Euro keine Rohstoffe mehr.

Die Abwertungs-Masche könnte natürlich auch von anderen Notenbanken durchschaut werden und eine Abwertungs-Spirale in Gang gebracht werden. Im Endeffekt ist dann der Sparer im herkömmlichen Sinn der Gelackmeierte.

Einem machtbewussten Sozialpartner ist ein unabhängiger Mensch aber sowieso ein Dorn im Auge. Und so manchem Wirtschaftstreibenden erscheint ein Sparer als Volksschädling.

Gast: unbeteiligter
01.06.2010 18:35
1

Leitl is genauso ein EU-Anbeter ........

und völlig unglaubwürdig. Der betet nur den Text (europ.Ratingagentur) nach, den er aus Brüssel und Berlin erhält.

Überfordert und fehlbesetzt!

kreuz
01.06.2010 15:06
0

Das wird ein teurer Winter

die Energiepreise schnellen eh schon nach oben (China, Indien & Co boomen), der dann noch niedrigere Eurokurs verschärft das Ganze; Also: schon anfangen zum Sparen ...!

freddy
01.06.2010 14:16
0

scheinheilig, Herr Leitl

als ob wir uns den Zustand gewünscht hätten.
Ich habe nichts von Ihnen gehört, als der Euro "zu hoch" war.

Gast: heidelbeere
01.06.2010 10:57
0

imp

Weiß Leitl auch, daß es auch eine Importseite gibt. Anscheinend nicht, was mich nicht wundert

Antworten schilehrer
01.06.2010 13:16
0

Re: imp

alles was man nicht importiert aber braucht muss amn selber machen. selber machen steigert die wertschöpfung und bringt vielleicht sogarein paar arbeitsplätze.

na klingelts? oder ist das zu wenig hysterisch für dich? ;)

Antworten Gast: Pips
01.06.2010 11:13
0

Re: imp

Merke, Importeure sind immer die Bösen! Denn sie holen die billigen Waren herein, die man hierzulande auch teuer (monopolistisch) erzeugen könnte. So sieht das der Leitl! Er vertritt dabei natürlich, wie könnte es anders sein, die gesamte Wirtschaft. HaHa.

Antworten Antworten newy123@hotmail.com
01.06.2010 16:18
0

Re: Re: imp

Ich denke das hat nichts mit Gut und Böse zu tun. Sondern es geht vielmehr darum einen Ausgleich zu schaffen. Sehr gut kann man meiner Meinung nach das Niveau einer Währung am Preis von nicht arbeitsintesiven Produkten beurteilen. Halb und Fertigwaren.
In diesem Bereich hat Europa in den vergangenen Jahren enorm gegen Fernost verloren, wobei hier anzumerken ist, dass durch den geringen Lohnanteil bei diesen Vorprodukten der Preisunterschied nur durch die Kursdifferenz zu erklären ist. Natürlich spielen auch Vorschriften und Regeln eine Rolle bei den Kosten diese rechtfertigen jedoch keinen Preisunterschied von bis zu 20% bei diesen Produkten. So gesehen erreichen wir bei 1,14 eine patt Stellung mit diesen Ländern.
Abgesehen davon höre ich immer wieder die Jammerei wie teuer alles ist. Die Menschen sollten einmal anfangen zu rechnen. Wieviele Arbeitsstunden waren in den 70iger Jahren notwendig, um sich zu ernähren, und wieviele sind es heute???
Vielleicht wieder einmal ein bisschen im Verzicht üben wäre nicht schlecht. Oder muss man wirklich Klingeltöne kaufen??? Oder alle 6 Monate ein neues Telefon??

Antworten Antworten Antworten Gast: Bärenfalle...
01.06.2010 17:51
1

Re: Re: Re: imp

Keine Sorge. Schon bald werden Sie und ich wieder 60% unseres Einkommens für Lebensmittel ausgeben. Handy-Klingeltöne und Last minute Urlaub sind entbehrlich, die menschlichen Grundbedürfnisse nicht. Man kann also ein Anziehen der Daumenschrauben bei Energie und Lebensmittelkosten erwarten. Da kann keiner aus.

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