DiePresse.com

DiePresse.com | Wirtschaft | Finanzen | Artikel DruckenArtikel drucken


Mittelstandsfonds: "Sitzen auf 80 Millionen Euro"

13.06.2010 | 18:53 |  (Die Presse)

Der zu Jahresanfang gegründete staatliche Mittelstandsfonds ist eine Alternative zu Krediten. Mit 80 Millionen Euro sollen nun Unternehmen unterstützt werden, die bestimmte Kriterien erfüllen.

Wien (jaz). Seit dem Ausbruch der Finanzkrise sind frische Bankkredite für viele Firmen zur Mangelware geworden. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) hadern häufig mit der neuen Strenge der Banken bei der Kreditvergabe – auch wenn sie wirtschaftlich erfolgreich sind. Für diese Firmen bietet der zu Jahresanfang gegründete AWS-Mittelstandsfonds nun eine Alternative. „Die Banken schauen vor allem auf die Sicherheiten. Wir schauen auf künftige Ertragschancen“, sagt Arno Langwieser, Geschäftsführer des Fonds, zur „Presse“.

 

Mindestens zwei Mio. Umsatz

80 Mio. Euro hat die Republik dem Fonds zur Verfügung gestellt. Mit diesem Geld sollen nun Unternehmen unterstützt werden, die die Kriterien des Fonds (mindestens zwei Mio. Euro Umsatz, weniger als 500 Mitarbeiter) erfüllen. Dabei handelt es sich aber nicht um Förderungen, sondern um Kapitalspritzen, für die von den Firmen Anteile an den künftigen Gewinnen abgeliefert werden müssen. „Wir sitzen auf 80 Mio. Euro und warten auf gute Unternehmen, in die wir investieren können“, sagt Langwieser.

„Wir bieten den Unternehmen zwei Möglichkeiten der Beteiligung an: Eigenkapital oder eine stille Beteiligung“, so Langwieser. Wenn der Fonds Eigenkapital einbringt, erwirbt er damit echte Anteile am Unternehmen und wird entsprechend an den Gewinnausschüttungen beteiligt. „Das Problem hierbei ist jedoch oft der Ausstieg nach spätestens zehn Jahren.“ Dann muss nämlich entweder der Unternehmer den Anteil wieder zurückkaufen oder das Unternehmen muss als Ganzes verkauft werden. „Eine Minderheitsbeteiligung an einem Mittelständler allein ist de-facto unverkäuflich“, sagt Langwieser.

Vorteilhafter ist in den meisten Fällen daher die stille Beteiligung– wie sie bei zwei Firmen bereits erfolgt ist. Dabei kann das Geld in der Bilanz ebenfalls als Eigenkapital oder als Fremdkapital dargestellt werden. Bei letzterer Version können die anteiligen Gewinnausschüttungen auch als Zinsen von der Steuer abgesetzt werden. Den „Exit“ nach zehn Jahren muss dann aber nicht der Unternehmer, sondern das Unternehmen finanzieren – vergleichbar mit der Rückzahlung eines Kredites.

 

„Erwarten 13 Prozent Rendite“

Der Hauptvorteil dieser Finanzierung gegenüber einem Kredit ist, dass keine Sicherheiten geleistet werden müssen. „Viele Banken verlangen inzwischen Zugriff auf das Privathaus des Unternehmers. Wir tragen das unternehmerische Risiko mit“, sagt Langwieser. In das operative Geschäft werde dennoch nicht eingegriffen. „Wir bieten unsere Kontakte zu Banken und Förderstellen an. Die Letztentscheidung trägt aber immer der Unternehmer selbst.“

Allerdings ist diese Finanzierung gegenüber einem Kredit teurer. So wird das Unternehmen zu Anfang bewertet, woraus sich der rechnerische Anteil des Fonds ergibt. Diesen Anteil erhält er dann an den erzielten Gewinnen. Beim Ausstieg wird das Unternehmen erneut bewertet. Wurde der Wert inzwischen gesteigert, muss das Unternehmen dem Fonds auch mehr zurückzahlen. „Wir erwarten uns eine Rendite von 13 Prozent aufwärts. Da ist Fremdkapital zwar sicher günstiger. Viele Unternehmer haben sich aber ihren Banken richtiggehend ausgeliefert. Bei uns ist das anders“, so Langwieser.

www.mittelstands-fonds.at


© DiePresse.com