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Finanzkrise: Schritt für Schritt zum Abgrund

02.07.2010 | 18:29 |  Von Stephan Schulmeister (Die Presse)

Warum die Industrieländer die schwierigste Phase der Krise erst vor sich haben. Wir befinden uns erst am Anfang der Talsohle des „langen Zyklus“. Neoliberale Ökonomen wollen den Staat weiter schwächen.

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Die Industrieländer haben die schwierigste Phase der Krisenicht hinter sich, sie liegt voruns. Denn wir befinden uns erst am Anfang der Talsohle des „langen Zyklus“. Sein Aufschwung wurde – nach der Talsohle der Weltwirtschaftskrise – in der „realkapitalistischen“ Prosperitätsphase der Nachkriegszeit realisiert, der Abschwung in der „finanzkapitalistischen“ Phase der vergangenen 35 Jahre. Der Gesamtprozess lässt sich aus der Wechselwirkung zwischen wirtschaftswissenschaftlicher Weltanschauung (Paradigma) und ökonomischer Realität begreifen.

Von den 1950er- bis in die 1970er-Jahre dominierte in den Wirtschaftswissenschaften das keynesianische Weltbild: Der Staat spielte eine sehr aktive Rolle in der Konjunktur-, Wachstums-, Beschäftigungs- und Sozialpolitik, man strebte nach einem Mix aus Markt und Staat („Soziale Marktwirtschaft“): Unternehmervertreter und Gewerkschaften arbeiten eng zusammen („Rheinischer Kapitalismus“), die Gütermärkte werden schrittweise liberalisiert, die Finanzmärkte bleiben reguliert, der Zinssatz wird von den Notenbanken unter der Wachstumsrate gehalten, die Wechselkurse und Rohstoffpreise sind stabil, die Aktienmärkte dämmern vor sich hin.

Das Gewinnstreben – die „Kernenergie“ im Kapitalismus – wurde so systematisch auf die Realwirtschaft gelenkt, auf den Finanzmärkten ist nichts zu holen. Gleichzeitig wollten die Menschen permanent über ihre Verhältnisse leben, also jedes Jahr mehr kaufen als im letzten. Der stete Anstieg der Nachfrage machte wiederum das Produzieren für die Unternehmer (höchst) profitabel.

Makroökonomisch bedeutete dies: Der Unternehmenssektor übernahm das Sparen der Haushalte (Überschüsse) in Form von Investitionskrediten (Defizit) und verwandelte es in Realkapital und Arbeitsplätze. So konnte der Staat leicht einenausgeglichenen Haushalt aufweisen. Bei einem weit unter der Wachstumsrate liegenden Zinsniveau ging die Staatsschuldenquote 20 Jahre lang zurück, obwohl (weil?) der Sozialstaatstetig ausgebaut wurde. – Mit bewundernswerter Energie und Ausdauer bereiten in dieser Phase die (damaligen) „Außenseiter“ Friedman und Hayek die neoliberale Gegenoffensive vor. Hauptangriffspunkte:

▷Die Regulierung der Finanzmärkte, insbesondere im Zusammenhang mit der Debatte um flexible versus feste Wechselkurse.

▷Die (langfristige) Ineffizienz respektive Schädlichkeit von Vollbeschäftigungspolitik („Philipskurven-Debatte“).

Ende der 1960er-Jahre setzt die Gegenoffensive ein, paradoxerweise gefördert durch den Erfolg des „Realkapitalismus“ – dieser unterminierte das Bündnis Arbeit–Realkapital: Bei Vollbeschäftigung nehmen die Streiks zu, die Lohnquote steigt massiv, immer mehr Mitbestimmung wird verlangt, „links“ wird schick unter Intellektuellen (1968), die Sozialdemokratie bekommt Aufwind, 1970 beginnt die Umweltbewegung, den Kapitalismus aus ökologischer Sicht in Frage zu stellen („Club of Rome“). All dies verstört die Unternehmer.

Die neoliberalen „Masterminds“ holen die Vermögenden in ihrer Irritation gewissermaßen ab, indem sie die „übermächtigen Gewerkschaften“ und den „ausufernden Sozialstaat“ zu Hauptübeln erklären. In der Folge entwickeln sie eine geniale Doppelstrategie:

▷Schritt A: Aufgrund ihrer eigenen „wissenschaftlichen“ Empfehlungen werden Probleme geschaffen.

▷Schritt B: Diese werden so gedeutet, dass die Schlussfolgerung in den Dienst ei- nes neuen Schritts neoliberaler Propaganda gestellt werden kann.

Lassen wir die vergangenen vier Jahrzehnte Revue passieren als Abfolge neoliberaler Wechselschritte und zugleich als Tanz zum Abgrund.

Schritt 1A: Jahrelang hatten Friedman und Hayek für die Aufgabe des Systems fester Wechselkurse gekämpft, 1971 war es so weit. In der Folge verliert der Dollar 25 Prozent an Wert. Im Herbst 1973 reagieren die Erdölexporteure darauf mit dem ersten „Ölpreisschock“, die Inflation steigt, die Weltwirtschaft schlittert in eine Rezession, die Arbeitslosigkeit nimmt zu.

Schritt 1B: Diese Konstellation interpretieren die neoliberalen „Masterminds“ als Widerlegung der Philipskurve und damit des Keynesianismus. Eine geniale Fehlinterpretation, weil die „Theorie“ der Philipskurve nur für eine geschlossene Wirtschaft entwickelt wurde.

Schritt 2A: Zwischen 1976 und 1978 verliert der Dollar wieder 25 Prozent an Wert, 1979 kommt es zum zweiten „Ölpreisschock“ und damit neuerlich zu einer Rezession samt massiver Inflationsbeschleunigung.

Schritt 2B: Dies veranlasst die Notenbanken zu einer massiven Hochzinspolitik, seither liegt der Zinssatz nahezu permanent über der Wachstumsrate (in den USA wurde dies allerdings vor 20 Jahren „korrigiert“).

Schritt 3A: Die neoliberale Deregulierung der Finanzmärkte bringt in den 1980er-Jahren unzählige Finanzinnovationen (Derivate aller Art) hervor, sie erleichtern die Spekulation mit Aktien, Rohstoffpreisen, Zinssätzen und Wechselkursen, die Instabilität dieser Preise steigt.

Schritt 3B: Dies sowie das positive Zins-Wachstums-Differenzial veranlassen immer mehr Konzerne, sich in Finanzkapital zu veranlagen, statt in Realkapital zu investieren. Dies dämpft das Wirtschaftswachstum nachhaltig, Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung steigen.

Schritt 4A: Davon werden die Eliten in Europa Anfang der 1990er-Jahre wachgerüttelt: So kann es nicht weitergehen, der Staat musssparen (Maastricht-Kriterien). Zwei Jahrzehnte nach Beginn der neoliberalen Gegenoffensive können die Eliten den systemischen Charakter des Problems Budgetdefizit nicht mehr begreifen – dieses ist ja das Resultat der Interaktion aller Sektoren: Wenn die Unternehmen ihr Defizit senken, weniger investieren und das Wachstum dämpfen, die Haushalte aber weiterhin sparen, dann „erleidet“ der Staat ein Defizit (durch höhere Arbeitslosigkeit und geringere Steuereinnahmen).

Die neoliberalen Geistesgrößen aber dachten und denken schlicht: Der Schuldner ist schuld. Der Symptomdiagnose folgte die Symptomkur der 1990er-Jahre: Der Staat muss sparen.

Schritt 4B: Die Sparpolitik dämpft den Konsum nachhaltig und
damit auch das Wirtschaftswachstum – ammeisten in jenen Ländern, wo die Staatsquote am stärksten gesenkt wird, insbesondere inDeutschland. In der Folge steigt die Arbeitslosigkeit bis 1997 massiv an.

Schritt 5A: Hohe Arbeitslosigkeit, dieSchwächung des Sozialstaats und boomende Finanzmärkte machen die Verteilung von Einkommen und Vermögen immer ungleicher – sowohl zwischen Arbeit, Realkapital und Finanzkapital (funktionelle Verteilung), als auch zwischen „unten“ und „oben“ (personelle Verteilung).

Schritt 5B: Die Zunahme der Ungleichheit in der Verteilung dämpft die Konsumnachfrage, die hohen Renditen auf Finanzveranlagung und -spekulation dämpfen die Realinvestitionen der Unternehmen, beides verstärkt die Stagnationstendenz. Statt normaler Arbeitsplätze werden immer mehr atypische Jobs geschaffen.

Schritt 6A: Die hohe Arbeitslosigkeit und der massive Anstieg atypischer Beschäftigung aller Art lassen die Armut steigen und belasten die Sozialbudgets. Weitere Kürzungen sind die Folge, insbesondere im Bereich der sozialstaatlichen Altersversorgung und der Arbeitslosenversicherung.

Schritt 6B: Der von ihnen selbst „abgebaute“ Sozialstaat wird von den neoliberalen Ökonomen (nunmehr die große Mehrheit) als Beweis angeführt, dass man individuell vorsorgen muss, insbesondere für die Pension.

Schritt 7A: Die Expansion der Pensionsfonds nährt den Aktienboom der 1990er-Jahre und verstärkt nach der Korrektur 2001/2003 einen weiteren Boom, der Ende 2007 kollabiert.

Schritt 7B: Strukturelle Gewinner dieser Versuche, Geld „arbeiten“ zu lassen, sind die Profis im Finanzsektor. Ihre Aktivitäten sind es, die von den neoliberalen „Masterminds“ wissenschaftlich legitimiert worden waren. Da auch die Unternehmervertreter den Neoliberalismus als ihre Ideologie adoptiert hatten, nahm seine Popularität unter den Eliten weiter zu.

Schritt 8A: Nach der Korrektur 2001/2003 brachte die Hochblüte der Finanz-Alchemie immer mehr und immer komplexere Produkte auf den Markt, mit denen man – bei geschicktem Einsatz – aus Geld (viel) mehr Geld machen konnte. Die „collateral debt obligations“ (CDOs) und die „credit default swaps“ (CDSs) boomten besonders stark.

Schritt 8B: Die CDOs in Gestalt der „mortgage backed securities“ (MBSs) trugen wesentlich zum Ausmaß des Preis- und Investitionsbooms am US-Immobilienmarkt bei, dessen Zusammenbruch die große Krise auslöste. Die CDSs verschärften die Finanzkrise und erleichterten den Finanz-Alchemisten in der Folge die Spekulation auf den Bankrott einzelner Staaten.

Schritt 9A: Durch die Expansion des Finanzsektors sind seine wichtigsten Akteure sogroß geworden, dass sie bei Insolvenzgefahr gerettet werden müssen („too big to fail“).

Schritt 9B: Darauf vertrauend, intensivieren die Finanz-Alchemisten die „selbstreferenzielle“ Geldvermehrung. Sie können dafür nicht nur Teile jener Mittel verwenden, die zu ihrer Rettung aufgebracht wurden, sondern profitieren auch von den extrem niedrigen Leitzinsen, mit denen die Notenbanken eigentlich die Kredite für die Realwirtschaft verbilligen wollten.

Nun stehen wir vor dem Finale furioso in der Abfolge neoliberaler Wechselschritte:

Schritt 10A: Über drei Jahrzehnte hat die Umsetzung der neoliberalen Empfehlungen die bedrückendsten Probleme anwachsen lassen, insbesondere Arbeitslosigkeit, Staatsverschuldung, soziale Ungleichheit, aber auch die Verschlechterung der Umweltbedingungen. Gleichzeitig hat das „Lassen Sie Ihr Geld arbeiten“ das Potenzial für die große Krise aufgebaut.

Schritt 10B: Die Mainstream-Ökonomen fordern nun zur Bewältigung der Krise jene Therapien ein, die Teil der Krankheit sind, wie die Senkung der Staatsausgaben, umfassende Privatisierung, Schonung der Finanzvermögen.

Diese Maßnahmen werden nun in Europa umgesetzt. Ein letztes Mal nützen die neoliberalen Ökonomen jene Probleme aus, die in hohem Maß durch ihre Empfehlungen verursacht wurden, um ihre politischen Intentionen durchzusetzen:

▷Schwächung des Staats.

▷Weitere Privatisierung.

▷Auseinanderdividieren von Unternehmerverbänden und Gewerkschaften.

Im Fall einer primär ausgabenseitigenBudgetkonsolidierung werden nunmehr alle Sektoren versuchen, ihre Lage durch eine Verringerung der Nachfrage, also durch Sparen, abzusichern:

▷Ein weiterer Rückzug des Staates wird die Haushalte veranlassen, individuell vorzusorgen, also mehr zu sparen. Zusätzlich wird der Konsum durch die hohe Arbeitslosigkeit gedämpft.

▷Die Unternehmen werden angesichts schwacher Nachfrage der öffentlichen und privaten Haushalte, mäßiger Exportentwicklung und relativ hoher Kreditkosten ihre Investitionskredite eher weiter reduzieren als ausweiten.

▷Auch das jeweilige Ausland versucht, seine Leistungsbilanz zu verbessern, innerhalb Europas vor allem die Mittelmeerländer, auf globaler Ebene vor allem die USA.

Wie Anfang der 1930er-Jahre – am Beginn der letzten Talsohle im „langen Zyklus“ – geht die Wirtschaftspolitik in den USA und Europa unterschiedliche Wege. 1930 begann der deutsche Reichskanzler Brüning mit dem „Gürtel-enger-Schnallen“, um die Staatsfinanzen zu konsolidieren, bis 1933 war die Wirtschaft in den Ruin gespart. Präsident Roosevelt hingegen setzte – gegen den Rat der Ökonomen – massive Steuererhöhungen für die „Reichen“ durch und finanzierte damit einen expansiven Kurs. Sein „New Deal“ ließ das Bruttoinlandsprodukt innerhalb von drei Jahren um fast 40 Prozent steigen, und dies kam allen zugute (auch den „Reichen“).

Unter deutscher Führung verordnen nun die europäischen Eliten – allen voran die ökonomischen Geistesgrößen – ein radikales Sparprogramm. Ganz in der Tradition ihres Vorgängers fordert Angela Merkel: „Deutschland muss bis 2015 den Gürtel enger schnallen.“ Dies gilt natürlich für jedes EU-Land: Das Brüning-Programm mal 27 wird den Handel zwischen den EU-Ländern schrumpfen lassen. Ganz anders der Kurs derUSA: Dort sind Budgetdefizit und Staatsverschuldung viel höher als im EU-Durchschnitt, an einen Sparkurs wird aber nicht gedacht. Vielmehr sollen die Steuern für Personen mit mehr als 250.000 Dollar Jahreseinkommen im Ausmaß von sechs Prozent des BIP erhöht und damit expansive Maßnahmen finanziert werden (Arbeitsmarkt, Umwelt, Bildung, Gesundheit). Das wird auch jenen Unternehmern guttun, welche „privat“ mehr Steuern zahlen müssen.

Fazit: Uns steht in Europa eine lange Krise bevor. Sie wird zu einer Umschuldung der Staatsschuld aller EU-Länder führen. Dadurch werden die „Reichen“ einen erheblichen Teil ihres Finanzvermögens verlieren, gerade weil sie nicht bereit waren, rechtzeitig auf einen kleinen Teil ihrer Einkommen und Vermögen zu verzichten. ■

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2010)

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55 Kommentare
 
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Iason
09.07.2010 23:35
1 0

Tja,

so kann man Ursache und Wirkung vertauschen.

Während wir im Westen in Richtung totaler Sozialismus streben, gehen die ehemals sozialistischen Staaten genau den umgekehrten Weg - verrückte Welt.

Interessant ist auch, dass der größte Wohlstandsgewinn in USA im 19. Jahrhundert unter einem Goldstandard passierte. Die Preise sanken beträchtlich, während die Gehälter stark anstiegen.
In den damals auch vorkommenden Rezessionen verloren nur die Reichen, die Mittelschicht profitierte in der Regel sogar davon - Umverteilung von oben nach unten. Im heutigen Finanzsystem der Keynesianer ist es genau umgekehrt.

Nicht die Nachfrage erzeugt Wohlstand sondern natürlich ist es das Angebot. Wenn es keine Innovationen und neue Produkte gibt, nutzt auch eine künstliche Nachfrage (auf Schulden basierend) nichts.

Westend
08.07.2010 23:43
0 0

Nette Fleißaufgabe von Schulmeister

..das alles so zusammenzustellen. Dazu noch die unterschwellige Drohung, irgendwie anders und besser könnte man die Probleme auch lösen. Die "Reichen", die Schulmeister gerne geschröpft sehen will, werden meiner Meinung nach aus ganz anderen Gründen als aus politischen oder ökonomischen Gründen etwas verlieren. Aus Ölmangel nämlich. Ohne Öl oder billige Energie gibt es einfach keinen Reichtum im bisherigen Verständnis mehr.

Merlin
07.07.2010 09:45
0 0

Sehr gescheit

Keynesianische Philosophie ist unter dem Schlagwort "Das Geld anderer Leute (Schulden)" prägnant zusammengefasst. Nur wenn man keinen Dummen mehr findet, der Geld vorstreckt ist diese (vermeintlich gescheite) Philosophie schnell am Ende.

Antworten Gast: LeoLinks
07.07.2010 20:21
0 0

Re: Sehr gescheit

Der Merlin, muß man wissen, hat seine Schule selbst bezahlt. Er fährt nur auf Straßen, die er mit eigenen Geld gebaut hat, und leistet sich eine private Security.

Oder aber, er lebt ganz allein auf einem Baum und ernährt sich von Wurzeln und Beeren - angesichts seiner Fremdgeldphobie die wahrscheinlichere Variante.

Antworten Antworten Merlin
08.07.2010 09:33
0 0

Re: Re: Sehr gescheit

Wollen Sie auf linke Art die nicht mehr gebewilligen Geldgeber zwangspsychiatrieren bzw. gehirnwaschen lassen? Um sie von ihrer Schuldenkrisephobie zu heilen? Mit Psychotherapeuten gegen die Schuldenkrise - ein innovativer Ansatz, fürwahr!

Antworten Antworten Antworten Gast: LeoLinks
08.07.2010 18:19
0 0

Re: Re: Re: Sehr gescheit

naja, ziemlich daneben getroffen.
Und da hab ich mich so schön lustig gemacht über dich.. Da hatt ich wohl auch daneben getroffen.


periskop
06.07.2010 16:41
1 0

An die Keynesianer!

Viele Jahre keynesianischer Schuldenpolitik haben bewiesen, dass man auf Pump besser leben kann, als wenn man nur selbst verdientes Geld ausgeben würde.
Jetzt haben die Europäer schon so hohe Schulden angehäuft, dass die Geldgeber zweifeln, ob diese Staaten ihre Schulden auch bedienen können. Deshalb geben sie nur mehr Geld gegen hohe Zinsen, die sich diese Staaten nicht leisten können (und ihre Geldgeber deshalb plötzlich als "Spekulanten" beschimpfen).
Die Frage, ob man weiterhin keynesianische Politik machen soll oder nicht, stellt sich daher gar nicht, wenn einem niemand mehr günstigen Kredit gibt, hört das sowieso auf.
Dass dann alle den Gürtel enger schnallen müssen, ist auch klar, da hilft alles Jammern, dass es einem bei keynesianischer Politik besser gehen würde, überhaupt nichts!

Keynesianer müssten auch Slogans wie: "Wir zahlen nicht für Eure Schulden" heftig entgegentreten, denn sie sind es doch, die behaupten, dass jede Geldausgabe durch "Multiplikatoreffekte" alle besser stellt
Die Schulden wurden übrigens hauptsächlich für Wahlgeschenke gemacht (vgl. das Narrentreiben im Nationalrat am 24. September 2009), sodass es nicht "Eure", sondern die Schulden aller darauf hereingefallenen Wähler sind!

Antworten Gast: LeoLinks
06.07.2010 17:39
0 1

Re: An die Keynesianer!

Wahlkampfausgaben, "Bonzen" - Gehälter usw. kann man schon einsparen, die sind aber nicht das Problem, und auch nicht der Teil, der das Kraut fett machen tät.

Problem ist es dagegen, bei Bildung, Arbeitslosen, allen Ausgaben die den unteren Einkommen zugute kommen zu sparen. Aus "ideologischen" Gründen, wegen der wachsenden Ungleichheit, aber auch aus volkswirtschaftlichen Gründen, weil diese Gruppe auch am meisten ausgeben tät.

Was also die Neoliberalen gern übersehen: Der Keynsianer kann (soll, tats nur bislang kaum) auch Schluden abbauen, aber auf der Einnahmeseite, über Vermögenssteuern, Börsen-, Banken-, Finanztransaktions-, Erbschafts- steuern und Co.

Gast: LeoLinks
05.07.2010 18:40
0 0

Ideologie versus Wissenschaft

Schulmeister "Ideologie" vorzuhalten, wie das viele Poster hier tun, ist natürlich eine beliebte Strategie, die andeuten soll, der Neoliberalismus sei dagegen Wissenschaft.
Als Linker seh ichs umgekehrt: Neoliberalismus ist Ideologie, ja beinahe Religion, Schellhorn, Fleischhacker, Ortner und wie sie alle heißen sind deren Prediger. Wissenschaftlich dagegen arbeiten J.Stigltiz, Felber, Schulmeister, Matterbauer u.Co.

Wies das gibt? Natürlich haben viele beobachtete Effekte mehrere Ursachen, je nachdem, welche Ursache man sehen will, kann man unterschiedliche Schlüsse ziehen. "Wissenschafltich" würd heißen, möglichst viele Ursachen überlegen, möglichst viele Schlüsse durchdenken (+rechnen). Das machen Keynsianer meiner Ansicht deutlich mehr. Für Meinereins, der "nur" Naturwissenschaft studiert hat, ist das zuviel, zu komplex. Da nutzt es den Blickwinkel zu betrachten. Blickwinkel der neoliberalen: Gewinn; Blickwinkel der Keynsianer: der Mensch, seine Bedürfnisse, die funktionierende Gesellschaft, die Demokratie, die Volkswirtschaft, usw.

Antworten Iason
09.07.2010 23:44
0 0

Re: Ideologie versus Wissenschaft

Aber Keynes hat uns doch dahin gebracht, wo wir jetzt stehen. Oder sehen sie diese Pyramidenspiel nicht als Verdienst Keynes' an?
Immer mehr Schulden anzuhäufen, um den Konsum anzuregen, koste es was es wolle...

Keynes predigt auch ein System, das immer unfreiere Bürger erzeugt. So ein System kann keinen Wohlstand auf Dauer generieren. Wohlstand muss man sich hart erarbeiten!

Antworten Merlin
06.07.2010 15:57
1 0

Re: Ideologie versus Wissenschaft

Blickwinkel der Keynesianer: das Bonzentum, die Paddei.

Merlin
05.07.2010 11:14
2 0

Kühn

Den Zusammenbruch des Systems der festen Wechselkurse den Monetaristen unterzujubeln ist schon kühn. Aber der ganze Artikel trieft ja geradezu von links-ideologischer Bemühtheit.

Solon
04.07.2010 18:55
0 0

wozu soviel Logik wenn wir empirisch schon viel

weiter sind?
Wir wissen seit der Antike, daß über Inflation noch jedes Schuldenproblem gelöst worden ist: wirkt verlässlich und - meistens - sanft, trifft alle, begünstigt den Staat und damit auch den - EZB hin oder her - der für die entprechenden Regeln sorgen kann.

Gast: E: Dorfner
04.07.2010 11:43
2 0

Ein Keynesianer?

n seinem Essay über einen New Deal schreibt Sch.: „In der Prosperitätsphase der Nachkriegszeit lenkten die Rahmenbedingungen. …. das Gewinnstreben auf realwirtschaftliche Aktivitäten. Wer sein Geld arbeiten lassen wollte, konnte dies nur über den Umweg der Re¬alwirtschaft tun. insbesondere durch die Finanzierung von Investitionen. Jemand legt sein Geld auf einem Sparbuch an, die Bank verleiht es an einen Unternehmer, der den Kredit für den Erwerb eines Investitionsguts verwendet. Aus dem Mehrertrag durch die Investition bezahlt der Unternehmer den Zins, ..
Dominiert diese Arbeitsform von Geld, so entwickelt sich ein Positiv-Summenspiel: Indem sich das Profitstreben auf die Realkapitalbildung konzentriert, wächst die Gesamtproduktion stetig. Die typische Tauschsequenz ist Geld - Ware - Geld - Ware etc.“

Schon hier tritt der Keynesianer Schulmeister zu kurz. Eine der Kernaussagen von Keynes lautet doch: „Die Investitionen bestimmen Volkseinkommen und Ersparnis, nicht umgekehrt.“ Im Weiteren fällt er aber auch noch hinter Marx zurück, der die bedeutungsvolle Frage stellte: „Die Frage ist nicht: Wo kommt der Mehrwert her; sondern: wo kommt das Geld her, um den Mehrwert zu versilbern.“ Schon im 2. Kapitel von „Das Kapital I“ bemüht sich Marx um die Frage, dass Geld nicht gegen Geld getauscht wird, sondern dass Geld ausgegeben wird, um damit mehr Geld zu lukrieren. Wo das nun aber herkommt, liest sich bei Sch. so, als ob es von einer unschtbaren Hand hervorgezaubert würde.

2 0

Hayek

würd sich beim Lesen im Grab umdrehen, aber es kommt so oder so wie es im "Fazit" beschrieben ist. Schuld an dem ganzen Debakel ist mitunter die pseudoneoliberale Politik der letzten Jahrzehnte.
Pseudoneo- deshalb, da sie einerseits das Bankenwesen bis ins Untragbare liberalisierten und dann, wie das ganze Werkl den Bach runter ging , es mit unseren Geldern rettete. To big to fail....
Wir können uns nun entscheiden für eine kurze und heftige Korrektur oder ein lang anhaltendes Dahinsiechen.

Antworten periskop
04.07.2010 17:53
2 0

Re: Hayek

"Schuld an dem Debakel" ist keineswegs die "pseudoliberale Politik", sondern die Politik Bill Clintons, der in einer "sozialistischen" Anwandlung jedem Amerikaner sein Haus verschaffen wollte und die Banken bedrängt hat, Hauskredite auch an völlig zahlungsunfähige Schuldner zu vergeben, weil man sich darauf verlassen könne, dass die Hauspreise in den USA weiter steigen werden, sodass die Kredite besichert sind. Von der Sicherheit der Immobilienkredite waren auch die Käufer der späteren "subprime"- Papiere überzeugt. So "undurchsichtig", wie jetzt getan wird, waren diese Papiere gar nicht, von der Kreditvergabepraxis der US-Banken habe sogar ich als Außenstehender in der Zeitung gelesen! Niemand hätte den späteren Verfall der US-Immobilienpreise vorausgesehen, eine staatliche Aufsicht, nach der jetzt alle rufen, schon gar nicht!
Stephan Schulmeister meint, diese Immobilienkrise wäre nur der Auslöser, schuld an der Krise wären die überhöhten Wertpapierkurse, die es schon seit einiger Zeit gab. Er nennt aber nicht die Ursache dafür: Das von der volkswirtschaftlichen Theorie geforderte Gleichgewicht zwischen Sparen und Investieren war schon längere Zeit gestört. Es gab einen Überhang an Spargeldern, die unbedingt angelegt werden mussten, was die Kurse in die Höhe trieb und die Banken dazu brachte, eine Flut von Finanzinvestitionen zu "erfinden", um die Spargelder überhaupt veranlagen zu können! Das hat das System geschwächt, aber Auslöser und Ursache sind trotzdem dasselbe!

Antworten Antworten Iason
09.07.2010 23:49
0 0

Re: Re: Hayek

Praktisch jede Asset- Blase der letzten 100 Jahre wurde durch massives Gelddrucken der Zentralbanken verursacht. Die Basis dazu ist Keynes.

Gast: trader1
04.07.2010 07:54
2 0

kurioser kerl

der tut so, wie wenn es die elektronische revolution, den fall des kommunismus, die transformation von hightechfertigung zu den ungelernten arbeitern chinas und indien einfach nicht gegeben hätte .. ..
das nennt man wirklich ausblenden aller fakten, die zu einer theorie nicht passen ..
aber in einem hat er recht ..
in abwandlung des alten lenin zitats:
die kapitalisten produzieren immer den strick selbst, an dem sie sich in ihrer dummheit selbst aufhängen werden :-)

Antworten Westend
08.07.2010 23:24
0 0

Re: kurioser kerl

Und auch Energie- und Rohstoffmangel, Müll, Lärm, Umweltverschmutzung, Übersättigung, altern der Gesellschaft, Korruption, Verbrechen ...fließt alles nicht ein.

7 1

Bekommt Schulmeister für dieses wirre Geschwätz einen dicken Scheck vom Onkel Werner?

gottseidank geben die Kommentarschreiber noch Anlass zur Hoffnung...

Gast: ein ab und zu Gast
03.07.2010 18:03
2 1

net schlecht...

noch mehr Spass als der Artikel machen nur mehr die Kommentare... vielen Dank an die Autoren!

periskop
03.07.2010 17:31
6 1

Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode (Hamlet)

Da passt ja alles in sich sehr gut zusammen, aber keiner der Einzelschritte passt zum eigenen Wissensstand! Das ist viel zu viel, um es hier argumentieren zu können, aber herausgreifen möchte ich:
Die angesehenen Ökonomen Milton Friedmann und Friedrich v. Hayek zu Bösewichten zu stilisieren, die die Welt absichtlich in den Abgrund führen, ist allzu absurd!
Stephan Schulmeister schwört auf die Phillipskurve (beim 2. "Hauptangriffspunkt" und Schritt 1B. Sie hat aber nichts mit dem holländischen Elektronikkonzern zu tun, sondern stammt von einem Mann, der sich mit zwei l schreibt). Keynesianer behaupten, dass diese "Kurve" eine horizonzale Gerade ist und ziehen daraus eine Menge interessanter Schlüsse. Andere Ökonomen sagen, es ist eine senkrechte Gerade und ziehen daraus die genau entgegengesetzten Schlüsse. Dann gibt es noch eine dritte Gruppe, die sagt, es ist eine unter 45° geneigte Gerade. In der Realität gibt es diese Kurve offensichtlich überhaupt nicht, sonst hätte man schon längst feststellen können, wie sie wirklich verläuft!
Sich dieser Phillipskurve zur Argumentation zu bedienen, ist völlig realitätsfremd und sinnlos!


Antworten Iason
09.07.2010 23:56
0 0

Re: Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode (Hamlet)

Wenn ein Ökonom sich auf simple Gleichungen oder Kurven verlässt, kann man mit guter Sicherheit behaupten, dass er nicht recht haben kann.
Die reale Wirtschaft ist viel komplexer als sich das so mancher Möchtegern- Ökonom vorstellen kann.

Trotzdem kann man gewisse Grundsätze logisch herleiten. Eine auf Schulden basierende Wirtschaft muss einmal scheitern und kann keinen realen Wohlstand schaffen.

Antworten Gast: LeoLinks
04.07.2010 12:42
0 0

Re: Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode (Hamlet)

Bei der Phillipskurve wird hier nur auf die Depatte verwiesen, die es ja gegeben hat (http://de.wikipedia.org/wiki/Phillips-Kurve)

Das Hayek kein guter war, steht für mich Linken natürlich außer Frage - allerdings würd ich nicht sagen daß er absichtlich den (sozial-) Staat zerstören wollte, damit einige wenige Unsummen gewinnen können. Er glaubte wohl selbst, aus seinem Blickwinkel, daß seine Theorie eine gute sei.

Sowie die meisten Poster hier: wer über 30Jahre lang der falschen Therorie angehangen hat wird sich heute mit Händen und Füßen gegen andere Lehrmeinungen wehren.

Fischler, Ex-EU Kommisar und tiefschwarz, dürfte da eine Ausnahme sein: im Letzten Spectrum hat er Schulmeisters aktuelles Buch in hohen Tönen gelobt.

Antworten Antworten periskop
04.07.2010 17:00
3 0

Re: Re: Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode (Hamlet)

Als "Linker" mögen Sie sicher Keynes viel lieber als Hayek. Keynes hat aber gepredigt, dass der Staat die Wirtschaft problemlos ankurbeln kann, weil es dann mehr Steuereinnahmen gibt, die die Staatsausgaben wieder kompensieren. Das ist aber niemals eingetreten und hat in Wirklichkeit nur zu immer größerer Verschuldung der Staaten mit schließlich untragbaren Zinszahlungen geführt. Heute sind die EU-Staaten an dieser Grenze, Griechenland sogar schon darüber. In dieser Situation noch keynesianische Politik zu empfehlen, wie es Stephan Schulmeister tut, ist grob fahrlässig. Dort gibt es die reale Gefahr für einen Schritt zum Abgrund und in diesen hinein, nicht bei Freeman und Hayek!
Anmerkung: "Depatte" gefällt mir sehr gut, das findet sicher dann statt, wenn die Depatten ihre Meinungen ausstauschen!

Antworten Antworten Antworten Gast: LeoLinks
04.07.2010 22:51
0 0

Re: Re: Re: Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode (Hamlet)

die Depatte wurde ja zwischen K. und H. geführt, also zählst du immerhin auch die neoliberalen zu den Depatten :-)

In Griechenland Hayek zu empfehlen ist grob fahrläßig, es verstärkt die Ungleichheit, die sozialen Spannungen, das kann zum Krieg führen. K. fragt hingegen, was der Mensch braucht, und richtet danach die wirtschaflichen Maßnahmen.

 
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