Banker erwarten eine Euroland-Pleite

Auch Japan will Euroanleihen aufkaufen, Portugal wehrt sich weiter verbissen gegen den Euro-Rettungsschirm. In Deutschland sorgt die Eurokrise für eine Verunsicherung in der Bevölkerung

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Frankfurt/Lissabon/Red./Ag. Deutsche Banker sind wenig optimistisch, was den Ausgang der Staatsschuldenkrise betrifft: Laut einer vom Beratungsunternehmen Ernst &Young unter Führungskräften von 120 deutschen Banken durchgeführten Umfrage erwarten 47 Prozent der Bankmanager, dass zumindest ein Euroland zahlungsunfähig wird. Allerdings rechnet nur ein Viertel der Befragten damit, dass das größere Ausfälle für das eigene Institut nach sich ziehen wird. Und zwar deshalb, weil die EZB die Lage mit massiven Aufkäufen von Eurobonds stabilisiert hat. Bisher hat die EZB Euroanleihen im Wert von 74 Mrd. Euro aufgekauft.

 

Enorme Abschreibungen drohen

Bei Ernst&Young selbst glaubt man an einen so reibungslosen Verlauf einer Staatspleite nicht: Sollte tatsächlich ein Euroland zahlungsunfähig werden, würde dies enorme Abschreibungen bei Banken nach sich ziehen – und das würde den gesamten Wertpapiermarkt in Turbulenzen stürzen, hieß es.

Erste Kandidaten für größere Probleme sind jedenfalls Griechenland und Irland, die schon EU-Hilfe in Anspruch nehmen mussten. Als Wackelkandidat gilt aber auch Portugal – das partout nicht unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen will. Während die Vorbereitungen für einen Portugal-Hilfseinsatz – die Rede ist von 60 bis 100 Mrd. Euro – offenbar schon angelaufen sind, stemmt sich die Regierung in Lissabon vehement dagegen. „Portugal wird nicht um Hilfe bitten, weil das nicht notwendig sein wird“, sagte Ministerpräsident José Sócrates.

Das Budgetdefizit 2010 liege jedenfalls deutlich unter den bisher befürchteten 7,3 Prozent, das Land werde seine Schulden ohne Hilfe refinanzieren können.

Die Märkte scheinen pessimistischer zu sein: Die Zinsaufschläge für Anleihen der Problemländer sind in den vergangenen Tagen wieder gestiegen. Spanien wird übrigens noch in dieser Woche einen Bond über sechs Mrd. Euro begeben. Dessen Absatz ist allerdings bereits gesichert: Die spanischen Banken haben sich verpflichtet, die Anleihe abzunehmen.

 

Auch Japan will helfen

Unterdessen hat die japanische Regierung angekündigt, den Euroländern zu Hilfe eilen zu wollen. Man denke darüber nach, verstärkt europäische Anleihen aufzukaufen und damit einen „angemessenen Beitrag“ zur Eindämmung der Schuldenkrise zu leisten, hieß es. In China, das bereits massiv Euro-anleihen gekauft hat, werden bereits warnende Stimmen laut: Der Wissenschaftler Yu Yongding, ein ehemaliger Berater der chinesischen Zentralbank, sagte, China solle den Euro zwar „im Prinzip unterstützen“, aber aufpassen, dass „unsere Investitionen auch sicher sind und Ertrag bringen“.

In Deutschland sorgt die Eurokrise für eine Verunsicherung in der Bevölkerung: Zwei Drittel der berufstätigen Deutschen fürchten laut einer Umfrage um ihre Ersparnisse – aber nur 17 Prozent wollen deshalb ihre Anlagestrategie ändern und etwa auf Gold oder Immobilien umschichten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.01.2011)

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