Bausparen: (Werbe-)Versprechen und Wirklichkeit

23.02.2011 | 18:20 |  ANDREAS KERSCHBAUMER (Die Presse)

Die Bausparzinsen hängen in vielen Fällen von den Geldmarktzinsen ab. Daran kann man erkennen, dass die Bausparkassen ihren Kunden derzeit viel höhere Erträge versprechen, als sie tatsächlich auszahlen können.

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Wien. Die Verzinsung beim „Bausparer“ hängt in vielen Fällen vom europäischen Referenzzinssatz Euribor ab. Das ist jener Zins, zu dem die Banken einander kurzfristig und unbesichert Geld leihen (der Markt dafür wird Geldmarkt genannt, Anm.).

Während der Finanzkrise Ende 2008 fiel der Zwölf-Monats-Euribor auf ein historisches Tief von 1,3 Prozent. Deswegen, weil die Europäische Zentralbank (EZB) den Geschäftsbanken unbegrenzt Geld zur Verfügung stellte. Die Geldhäuser mussten sich daher nicht auf dem Geldmarkt umschauen, die Nachfrage sank, die Zinsen fielen. Zuletzt stieg der Euribor wieder auf über 1,7 Prozent an, weil die EZB schön langsam ihre „Geldspenden“ beendet.

Eine wichtige Frage ist auch, wann die EZB den Leitzins, der aktuell bei einem Prozent steht, anhebt. Im Vorfeld einer Zinserhöhung ziehen die Geldmarktzinsen weiter an. Es ist zu erwarten, dass der Euribor daher nach dem ersten Halbjahr 2011 einen weiteren Schub nach oben erleben wird.

 

Prognosen zu hoch angesetzt

Nichtsdestotrotz notiert der Euribor noch immer auf einem historisch niedrigen Niveau.

Einige Bausparkassen legen aber die jährlichen Zinssätze für den Bausparer fest, indem sie den Zwölf-Monats-Euribor im November um 1,3 Prozentpunkte reduzieren. Geht man nach den Prognosen der meisten Analysten, dürfte der Euribor bis November auf etwa zwei Prozent steigen.

Zieht man davon die 1,3 Prozentpunkte ab, ergibt sich eine Bausparverzinsung für das nächste Jahr von 0,7 Prozent. Das ist deutlich weniger, als die Bausparkassen den Kunden versprechen. In den Werbeprospekten werden Zinssätze von 2,5 bis drei Prozent beteuert. Damit ist klar, dass die (Werbe-)Prognosen zumindest für die nächsten zwei Jahre zu hoch gegriffen sein dürften. Ansonsten müsste der Geldmarktzins schon auf über vier Prozent hochschnellen. Das halten Geldmarktexperten für sehr unwahrscheinlich und als nicht einträglich für viele Banken.

 

Zinsen nach oben begrenzt

Damit die Versprechen der Bausparkassen einigermaßen aufgehen, muss der Geldmarktzins in den darauffolgenden Jahren schon sehr stark ansteigen. Aber Achtung: Die Bausparkassen haben dafür vorgesorgt. Es gibt eine Zinsobergrenze. Sie zahlen nicht mehr als vier bis 4,5 Prozent jährlich an die Sparer aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.02.2011)

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