Wien/Eid. Börsenlegende André Kostolany hat mit seiner Strategie „Buy and Hold“ (Kaufen und Behalten) doch recht gehabt. Zumindest beim Anlagenbauer Andritz trifft seine Empfehlung ins Schwarze: Wer beim Börsegang im Juni 2001 Aktien gekauft und die Nerven auch in der Finanzkrise nicht weggeworfen hat, kann sich über einen Wertzuwachs von 1240 Prozent freuen. Zum Vergleich: Der ATX ist im selben Zeitraum um 135 Prozent gestiegen.
Gestern, Dienstag, ging es weiter nach oben: Die weit über den Analysten-Erwartungen liegenden Geschäftszahlen 2010 gaben der Aktie Schub, sie verteuerte sich um 4,7 Prozent. Bei einem um elf Prozent auf 3,553 Mrd. Euro gestiegenen Umsatz legte das Nettoergebnis um 70 Prozent auf 177 Mio. Euro zu. Weshalb auch die Dividende von einem auf 1,70 Euro steigt.
Wasserkraftwerke boomen
Die vollen Auftragsbücher – der Orderstand erreichte mit 5,3 Mrd. Euro einen Rekordwert – stimmen Andritz-Chef Wolfgang Leitner auch für das laufende Jahr positiv. Die Nachfrage nach Turbinen und Generatoren für Wasserkraftwerke sowie nach Anlagen für die Papierindustrie, die Tierfuttererzeugung und die Biomasse-Holzpelletierung sei weiter hoch. Der für seine Vorsicht bekannte Leitner sprach zwar auch diesmal nur von einem deutlichen Umsatz- und Ergebniswachstum. Er dementierte aber auch nicht, dass der Umsatz die Vier-Mrd.-Euro-Marke erreichen könnte. 2014 soll der Umsatz bei 4,5 Mrd. Euro liegen.
Erreichen will das Leitner durch inneres Wachstum und Zukäufe. Druck gebe es keinen, denn jetzt müsse man die sieben im Vorjahr gekauften Unternehmen integrieren. „Wir fühlen uns auch mit vollen Taschen wohl“, meinte Leitner im Hinblick auf die 1,2 Mrd. Euro in der Kriegskasse.
Zu den Akquisitionen, die dem Konzern ein Umsatzvolumen von 300 Mio. Euro und 1100 Beschäftigte bringen, zählt auch die AE&E Austria. Der Spezialist für Wirbelschicht- und Rauchgasreinigungstechnologie wurde aus der insolventen A-Tec übernommen. Weitere Teile der vor der Zerschlagung stehenden A-Tec seien jedoch nicht interessant, sagte Leitner. Umso zukunftsträchtiger scheint der Einstieg bei der norwegischen Hammefest Strøm, einem der weltweit führenden Unternehmen für Energieerzeugung aus Meeresströmungen durch die Gezeiten.
Strenge Auflagen für Belo Monte
Bei den Aufträgen sind das umstrittene Kraftwerk Belo Monte in Brasilien mit rund 350 Mio. Euro und ein Zellstoffwerk in Uruguay um 700 Mio. Euro noch nicht dabei. Den starken Gegenwind von Umweltschützern, die Andritz vorwerfen, zur Zerstörung einzigartiger Natur- und Kulturlandschaften beizutragen, sieht Leitner pragmatisch. Großprojekte wie Belo Monte oder Ilisu in der Türkei würden immer bekämpft. Andritz habe sich selbst Regeln auferlegt: Man beteilige sich nur an genehmigten Projekten mit hohen Umweltstandards, bei denen Toptechnologie zum Einsatz komme. „Wir sind aber keine NGO und kein Weltpolizist.“
Der Anlagenbauer Andritz profitiert vom weltweiten Wasserkraft-Boom: 2010 stieg der Konzerngewinn um 72 Prozent auf 177 Mio. Euro. Die Dividende wird von einem auf 1,70 Euro angehoben. Für 2011 rechnet Konzernchef Wolfgang Leitner wieder mit einem Umsatz- und Ergebnisplus.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.03.2011)
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