Griechenland droht eine Bankenkrise

10.06.2011 | 18:57 |   (Die Presse)

Griechen plündern weiterhin ihre Sparguthaben. Die Kapitalflucht wird seit einiger Zeit mit Sorge beobachtet. Wird die Flucht aus den Bankguthaben nicht gestoppt, droht den Banken 2012 eine 22-Mrd.-Euro-Finanzlücke.

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Wien/Athen/Bloomberg. Auf einem Nebenschauplatz der griechischen Schuldenkrise spitzt sich die Lage dramatisch zu: Weil die Bankkunden den Instituten nicht mehr vertrauen und weiter massiv Spareinlagen abziehen, droht den Geldinstituten eine riesige Finanzierungslücke. Sollten die Griechen weiter so massiv Geld beheben, dann entsteht den Banken im kommenden Jahr eine Finanzierungslücke von 22 Mrd. Euro, schätzt das Investmenthaus Henderson Global Investments. Dieses Geld müsste zusätzlich zu den Hilfspaketen für den Staat aufgebracht werden.

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Die Kapitalflucht aus dem Land wird seit einiger Zeit mit Sorge beobachtet. Sie hat sich in den vergangenen Wochen freilich nicht, wie erwartet, beruhigt, sondern noch verstärkt.

 

Einlagen drastisch gesunken

Der Kapitalabfluss hatte schon 2009 begonnen. Im September 2009 hatte der Einlagenstand mit 238 Mrd. Euro seinen Höchstwert erreicht. Im Dezember begann dann die Massenflucht: Seither sind die Einlagen von privaten Haushalten und Unternehmen bei den Geldinstituten des Landes um mehr als 17 Prozent geschrumpft. Gegen Ende 2010 hatte sich die Lage zwischenzeitlich ein wenig beruhigt, seither geht es aber wieder steil bergab.

Die letzten, in dieser Woche veröffentlichten Daten der griechischen Nationalbank stammen vom April. Damals lagen die Einlagen noch bei 196,8 Mrd. Euro – ein Rückgang um fast drei Mrd. Euro innerhalb eines einzigen Monats.

Bisher haben die griechischen Banken diesen dramatischen Abfluss ausgleichen können, indem sie gegen Sicherheiten Darlehen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) aufgenommen oder Kredite an ausländische Banken zurückgefordert haben. Das werde jetzt aber immer schwieriger, meint der Chefvolkswirt von Henderson, Simon Ward.

„Ich kann nicht erkennen, womit diese Lücke künftig geschlossen werden könnte“, sagte Ward in London. „Alles neue Geld von der Europäischen Union und vom Internationalen Währungsfonds wird für den Staatshaushalt benötigt werden, für das Bankensystem wird so zusätzlicher Geldbedarf entstehen.“

Ward meint deshalb, der fortgesetzte Kapitalabfluss werde im Land „eine ausgewachsene Bankenkrise“ auslösen: „Irgendwann werden die Konteninhaber daran gehindert werden, ihre Einlagen abzuziehen.“

Die Notenbank beruhigt: Spareinlagen seien gesichert. Freilich, wie in Österreich, nur bis zu einer Höhe von 100.000 Euro pro Kontoinhaber und Institut.

Die griechischen Sparer beruhigt das offenbar wenig: Sie plündern weiter ihre Konten – und bringen das Geld in großem Stil ins Ausland in Sicherheit. Auf den internationalen Flughäfen in Saloniki und Athen sind in jüngster Zeit bei Stichproben mehrmals größere Bargeldbeträge bei ausreisenden Griechen gefunden worden.

 

Starke Einkommensverluste

Das griechische Finanzministerium schätzt freilich, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der abgehobenen Gelder zu Hause als Barreserve gehortet wird. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Abhebungen dürfte auch zur Aufrechterhaltung des Lebensstandards getätigt werden: Durch drastische Einschnitte etwa bei Pensionen und Gehältern haben die Griechen seit Ausbruch der Krise im Schnitt 20 Prozent ihrer laufenden Einkommen eingebüßt. Das werde jetzt mit Sparguthaben kompensiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.06.2011)

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10 Kommentare

Das Geldabheben ist nur durch Griechenlands Euroaustritt zu stoppen!

Der Austritt Griechenlands aus dem Euro ist sowieso unvemeidlich, es ist völlig ausgeschlossen, dass Griechenland ohne Abwertung der Währung mit seinen Schulden fertig wird. Die EU-Politiker wehren sich aber mit Händen und Füßen gegen die Einsicht, dass der Euro, so wie er jetzt ist, nicht zu halten ist. Deshalb werden immer noch mehr Milliarden, die verloren sind, hineingebuttert. Die Ausrede ist, dass die EZB und auch andere Banken, die Griechenland Geld geborgt haben, dann pleite wären und vom Steuerzahler gerettet werden müssten.
Allerdings käme das dem Steuerzahler immer noch billiger, als wenn er jetzt ganz Griechenland retten soll - was niemals gelingen kann - und dann zuletzt die Banken doch noch retten muss!

Antworten Gast: Febobo
13.06.2011 14:00
0 0

Re: Das Geldabheben ist nur durch Griechenlands Euroaustritt zu stoppen!

Das ist Blödsinn. Wenn die Griechen aus dem Euro austreten, verstärkt das den Bank-Run noch ungemein.

Warum?

Nun, nehmen Sie an, auf Ihrem Konto haben Sie Euro und Sie nehmen an, dass in einem halben Jahr der Schilling mit einer 40%-igen Abwertung eingeführt wird. Aus rein logischer Sicht müssten Sie bis dahin alle Konten räumen und die Euro-Scheine erst nach der Währungsreform wieder auf die Bank bringen.

Blöd nur, dass die Banken in unserem System das Geld, das auf den Konten der Sparer sind, gar nicht mehr haben....

Re: Re: Das Geldabheben ist nur durch Griechenlands Euroaustritt zu stoppen!

Eine Währungsreform muss immer überraschend und über Nacht erfolgen, damit niemand vorher seine Konten plündern kann.
Das lange Zaudern der EU-Politiker ist unverantwortlich, weil die griechischen Banken - wie Sie richtig sagen - das Geld, um alle Sparer zu befriedigen, gar nicht haben und dadurch in die Zahlungsunfähigkeit getrieben werden!

Gast: Onkel Hans
12.06.2011 09:30
0 0

Keine Angst!


Solche Szeniarien werden sich unsere Politclowns ja wohl überlegt und durchgerechnet haben, bevor sie uns (gegen den Willen der Bevölkerung) nach langer Nachdenkphase und reiflicher Prüfung in den Euro reinmanövriert haben.

LOL

"Griechen plündern weiterhin ihre Sparguthaben."

...und damit tun sie sogar das Beste, um die wahren Ursachen der Problematik sichtbar(er) zu machen.

http://www.banken-volksbegehren.at

Gast: Rettungspakete
11.06.2011 19:39
0 0

Und was meint unsere Finanzministerin dazu?


Antworten Gast: Febobo
13.06.2011 14:01
0 0

Re: Und was meint unsere Finanzministerin dazu?

1.) Privatisieren, damit das Werkl rennt!

2.) Wenn 1 nicht funktioniert, dann die Schulden einfach in ein sicheres Drittland abschieben

Gast: DI
11.06.2011 13:52
2 0

... Teil der Abhebungen dürfte auch zur Aufrechterhaltung des Lebensstandards getätigt...

Schon bezeichnend, wie die Verantwortlichen nach Ausreden suchen und die Realität verweigern. Müssen sie auch, sonst müssten sie sich für den Wirtschafts-Gau den sie ausgelöst haben entschuldigen, zurücktreten und ihr Privatvermögen zur Schadens Gutmachung zur Verfügung stellen. Gleich wie die Politiker (Verräter???) in Brüssel und Wien. Die Dauer der Krise zeigt sehr deutlich, die haben keine Ahnung wie sie den Gau in den Griff bekommen, die spielen mit dem Geld der Steuerzahler auf Zeit.

Gast: unbeteiliger
10.06.2011 21:40
1 0

Geldabheben.............

das kann ich uns auch nur empfehlen.

Schon mal geschaut wie der CHF heute steht

1,20=Rekord!!!

der Euro ist am Ende-Tod der EU


Antworten Gast: maastrichteule
12.06.2011 12:17
0 0

Re: Geldabheben.............

und wetten, in spätestens 2-3 monaten ist der euro mausetot.

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