Ghizzoni warnt vor einem „Massaker“

17.06.2011 | 18:19 |   (Die Presse)

Der Chef der Bank-Austria-Mutter UniCredit, Federico Ghizzoni, ist wegen Griechenland alarmiert und verlangt rasche Hilfen für das hoch verschuldete Land. Banken wollen sich daran aber nur freiwillig beteiligen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Wien/Höll/Bloomberg. Die Chef der italienischen UniCredit-Gruppe, Federico Ghizzoni, ist wegen Griechenland alarmiert. Die europäischen Regierungen müssten einen ungeordneten Zahlungsausfall Griechenlands vermeiden, sagte Ghizzoni vor österreichischen Journalisten. Andernfalls würden die Finanzmärkte am Tag darauf Irland, Portugal und andere Länder „massakrieren“. UniCredit gehört zu den führenden Banken in der Eurozone. Sie ist nach der Übernahme der Bank Austria zum größten Finanzdienstleister in Zentral- und Osteuropa aufgestiegen. Ghizzoni verlangt eine rasche Lösung im Streit um die Griechenland-Rettung. „Die Märkte sind nervös.“ Jetzt gelte es, einen Bankrott zu verhindern. Für ganz Europa wäre ein Zahlungsausfall Griechenlands extrem negativ. Gegen eine Einbindung des privaten Sektors bei neuen Griechenland-Hilfen hat Ghizzoni grundsätzlich nichts. Doch diese könne nur freiwillig geschehen. Eine Zwangsumwandlung von griechischen Anleihen lehnt der Banker ab.

Mehr zum Thema:

 

Debatten über Wiener Initiative

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy nannten am Freitag die sogenannte „Wiener Initiative“ als Vorbild für ein neues Hilfspaket. Doch Ghizzoni sieht hier entscheidende Unterschiede. 2009, als die Finanzkrise in Osteuropa ihren Höhepunkt erreichte, verständigten sich sieben europäische Großbanken, die dortigen Kreditlinien nicht zu kündigen und das eingesetzte Kapital nicht abzuziehen. Der damalige Plan sei „freiwillig“ gewesen, so Ghizzoni. Die Politik habe damals nicht mitgespielt. Und außerdem hätten bei der „Wiener Initiative“ nur Institute mitgemacht, die in Osteuropa besonders stark engagiert gewesen seien. Dies sei in Griechenland anders. Die UniCredit-Gruppe hält nach eigenen Angaben griechische Staatsanleihen für rund 800 Mio. Euro. Das Volumen sei zuletzt kaum reduziert worden, so Ghizzoni. Selbst in Spitzenzeiten seien es nie mehr als 900 Mio. Euro gewesen. Mit 560 Mio. Euro ist das Institut in Spanien engagiert. Deutlich kleiner ist das Volumen in Irland und in Portugal.

Die Bank besitzt zudem 35 Mrd. Euro an italienischen Staatsanleihen. Doch von Italien gehe keine Gefahr aus, erklärte der Bankchef. Die Situation dort lasse sich nicht mit Griechenland vergleichen. Die Schulden Italiens seien „im Land“, das Problem sei nicht die Verschuldung, sondern das langsame Wachstum und die Kluft zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden.

 

„Basel III ist keine Tragödie“

Anders als Erste-Bank-Chef Andreas Treichl hält Ghizzoni die neuen Eigenkapitalregeln für Banken für sinnvoll. „Basel III ist keine Tragödie.“ Als Folge der Finanzkrise sei es notwendig, dass die Institute künftig mehr Eigenkapital vorhalten. Als eine der wenigen europäischen Großbanken überstand UniCredit die Finanzkrise ohne Staatshilfe. An der Rolle der Bank Austria werde sich nichts ändern, versicherte Ghizzoni. Die Wiener Tochter werde weiterhin für Osteuropa zuständig sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2011)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

11 Kommentare
Gast: sacmal
19.06.2011 13:54
0

Lieber ein Massaker, als ein unendliches Gemetzel


Gast: Messalina-X
19.06.2011 09:42
2

wurde der Steuerzahler (in der gesamten EU) gefragt

ob er freiwillig zahlen will?

Früher hätte man mit den Jungs nicht lange Gefackelt.

Scheiterhaufen, Marktplatz, Volksfest und das Schuldenproblem war erledigt.

Antworten Gast: Naibinger
19.06.2011 16:04
0

Re: Früher hätte man mit den Jungs nicht lange Gefackelt.

und nicht vergessen---die , die zuviel zusammengerafft hatten, landeten unter dem Fallbeil.


Gast: So viel Dummheit
18.06.2011 11:32
2

Keine Sorge!

Ghizzoni und die anderen Banker sollten sich keine Sorgen machen. Die "neue" PASOK-Regierung hat ihr Eid an die "heiligen Banken" geleistet. Das kleine Volk wird für alles inklusive den Zinsen bezahlen. Und die Schulden Griechenlands werden 2015 € 401 Mrd. betragen. Aber Griechenland wird "gerettet". Hahahahahahahahahaha!!!!

"Freiwillige Beteiligung"

ist Neusprech.
Eigentlich bedeutet es: Entsprechend hohe Zinsen als Anreiz plus Garantien bei Zahlungsausfall.
Ich wiederhole mich eh immer: Wer sich in Abhängigkeit von anderen (hier: den Banken) begibt, darf sich nicht wundern, wenn die das ausnutzen.

Gast: ChM
18.06.2011 07:42
2

Was der Mann nicht erzählt:

"Als eine der wenigen europäischen Großbanken überstand UniCredit die Finanzkrise ohne Staatshilfe."

Die UniCredit hat damals sogar direkt Hilfe von der Fed bekommen und verkauft diese tragische Tatsache seither als Krise-ohne-Staatshilfe-überstanden.

Gast: Jupp
17.06.2011 23:21
3

Das Haus brennt

Vorstände erhalten 300-500mal höheres Gehalt
als Beschäftigte. Dies ist begründet mit ihrer
enormen Bildung und Intelligenz.
Wenn diese Leute Fehlentscheidungen getroffen
haben, sollte man das zuviel bezahlte Gehalt
(vor allem Boni)zur Schadensbegrenzung heranziehen, da die Birne dieser Leute von
Gier, aber keinesfalls von Intelligenz geleitet ist.
Überbezahlte, dumpfsinnige Bankmanager
(Siehe HRE, CBK,Lehmann, deutsche Landesbanken usw.) haben sich selbst den
Stempel der Doofheit aufgedrückt.
Doofheit erhält in unserer Gesellschaft Sozialhilfe oder Hartz4 (wo ist der Prostituiertengeniesser), deshalb sollten die
Gehälter zurückgefordert und die
betrieblichen Altersversorgungen auf Hartz
reduziert werden.
Neue Vorstände, die dies nicht gerichtlich
durchsetzen, sind genau so schäbig wie die vorgehenden, doofen, gierigen, schäbigen
Vorstände.
Ehre und Niveau sind bei unseren Eliten auf
Erbsengrösse verkommen.
Deswegen sind Diese keines falls Eliten.

Re: Das Haus brennt

kennt eigentlich jemand den Dokofilm "Cityboys" ?
Darin wird manchen so einiges klar, was nirgendwo erwähnt wird !

Warum erweitert man den Rettungsschirm

denn nicht auch auf europäische Firmen?

Bilanzfälschung kein Hindernis, Konkurs der Firma und strafrechtliche Verfolgung der Geschäftsführer sind ausgeschlossen. Es dürfen auch Bedingungen für die Rettungszahlungen an die Firma gestellt werden. Deren Einhaltung (oder nicht) obliegt jedoch der insolventen Firma. Sollte wirklich irgendwann wieder einmal Geld verdient werden, wird selbstverständlich zurück gezahlt.

Wirtschaftspolitik der EU-Staatenlenker! Habe das nur einmal von Staaten auf Firmen übertragen.

Aber vielleicht kommt's tatsächlich einmal so? Wirklich erstaunen würde es mich langsam nicht mehr.

Gast: grau
17.06.2011 20:07
0

na, dann wird man sehen, daß ein



gesundschrumpfen des bankensektors um die spekulationsathleten DURCHAUS eine alternative ist.

und griechenland soll man zum teufel schicken, man hat schon andere verträge gebrochen, ohne daß vorher geschwindelt wurde !

AnmeldenAnmelden