Erste Group: ATX legt bis Jahresende zehn Prozent zu

Die gute Konjunktur in Osteuropa sollte dem Leitindex helfen. Noch herrscht jedoch Sommerflaute. Die Firmengewinne sollen heuer und nächstes Jahr zweistellig wachsen.

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(c) REUTERS (LISI NIESNER)

Wien/B.l. Zu Jahresbeginn waren die Analysten der Erste Group noch optimistischer. Damals glaubten sie, dass der Leitindex der Wiener Börse zu Jahresende 3100 Punkte erreichen würde. Jetzt, nach der arabischen Revolution, der Japan-Katastrophe und der Zuspitzung der Schuldenkrise, gehen sie von 2900 Zählern aus. Das wäre zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein Plus von zehn Prozent: Am gestrigen Mittwoch notierte der ATX bei 2620 Punkten.

Das erste Halbjahr sah nicht gut aus: Der Index rutschte um zehn Prozent ab, wohingegen der deutsche DAX und der US-amerikanische Dow Jones zulegen konnten. Das erkläre sich zum Teil mit der Zusammensetzung, meint Erste-Analyst Friedrich Mostböck: Der ATX besteht zu 30Prozent aus Finanzwerten, für die das Umfeld schlecht ist, der DAX nur zu 16Prozent. Dafür sind sogenannte „zyklische“ Werte (also stark konjunkturabhängige, etwa Industrietitel) im DAX mit 50 Prozent stärker vertreten als im ATX mit 42 Prozent.

Im zweiten Halbjahr sollte die Wiener Börse aber von der Osteuropa-Lastigkeit ihrer Unternehmen profitieren. Denn die Staatsverschuldung der osteuropäischen Länder sei vergleichsweise niedrig, und der Markt wisse das bereits zu schätzen: So zahle die Slowakei, deren Bonität von den Ratingagenturen mit „A+“ bewertet ist, geringere Risikoaufschläge für ihre Anleihen als die besser eingestuften Länder Spanien (AA) und Italien (AA-).

 

Aktien ertragreicher als Anleihen

Auch sonst spreche vieles für eine Trendwende im ATX: Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist mit 9,5 niedrig. Ein niedriges KGV bedeutet, dass die Aktien günstig sind. Die Firmengewinne sollen heuer und nächstes Jahr zweistellig wachsen. Die Risikoprämie der Aktien (Differenz zwischen Gewinnrendite von Aktien und Rendite von zehnjährigen Staatsanleihen) liegt weit über dem historischen Schnitt.

Auf der Empfehlungsliste der Erste Group finden sich die OMV (das KGV ist mit 5,7 sehr niedrig), die Immofinanz, die RHI und die Voestalpine. Auch kleinere Firmen seien günstig zu haben, etwa Amag, Kapsch TrafficCom, Polytec und AT&S.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2011)

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