Wien/B.l. Seit die Schweizerische Nationalbank einen Mindestkurs für den Euro zum Franken bei 1,20 festgelegt hat, hat sich die eidgenössische Währung, die schon an der Grenze der Parität zum Euro gekratzt hatte, deutlich abgeschwächt. Am Donnerstagnachmittag kostete ein Euro 1,228 Franken.
Deutlich weiter nach unten sollte es für den Franken aber nicht gehen. Der „faire Wert“ liege derzeit bei 1,25 Franken zum Euro, meinte Erste-Analystin Gudrun Egger. In die andere Richtung könnte es aber durchaus gehen: Die Schweizerische Notenbank werde nur so lange intervenieren, wie Deflationsgefahr bestehe. Diese sollte sich ab April nächsten Jahres abmildern.
Das Geldinstitut rät einmal mehr den Frankenkreditnehmern, das „offene Fenster“ zu nutzen und zu überlegen, ob nicht der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel gekommen sei. Fünf Prozent der Erste-Kunden haben bereits konvertiert, 80 Prozent signalisierten, das tun zu wollen, berichtet Erste-Bank-Vorstand Peter Bosek.
„Tilgungsträger“ oft schwach
Wer umsteigt, erhält wahlweise eine Eurofinanzierung mit fixen Zinsen von 3,75 Prozent oder mit variablen Zinsen und einem Zinsdeckel von 4,75 Prozent auf zehn Jahre. Mehrkosten sollen keine anfallen. Dafür hat auch die Bank einen Vorteil: Sie hat weniger Risiko in den Büchern.
Im Schnitt haben Franken-Kreditnehmer 150.000 Euro aufgenommen. Aufgrund der Wechselkursschwankung habe sich dieses Volumen auf 195.000 Euro erhöht. Die meisten Kredite sind endfällig, bei vielen Kreditnehmern ist auch der „Tilgungsträger“ unter Wasser: Das ist eine Veranlagung, in die die Raten laufend einbezahlt werden und mit der dann am Ende der Laufzeit der Kredit getilgt werden soll.
Es gibt jedoch Alternativen für Kreditnehmer: Sie können etwa auch im Franken bleiben und auf eine tilgende Variante umstellen (dabei würden die Raten ab jetzt zur Kreditrückzahlung verwendet werden), oder sie können den Kredit (teilweise) vorzeitig zurückzahlen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.09.2011)

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