Euro-Mindestkurs bleibt bei 1,20 Franken

02.10.2011 | 18:16 |   (Die Presse)

Für einen Euro muss man derzeit etwa 1,21 Schweizer Franken hinlegen. Die Schweizerische Nationalbank sieht derzeit keinen Bedarf, den im September festgelegten Euro-Mindestkurs weiter anzuheben.

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Chur/Reuters/B.l. Für einen Euro muss man derzeit etwa 1,21 Schweizer Franken hinlegen. Im August schrammte die eidgenössische Währung knapp an der Parität vorbei. Ursache war die Flucht der Anleger vor der Euro-Schuldenkrise in den sicheren Hafen Franken. Dann zog die um die Schweizer Exportwirtschaft besorgte Schweizerische Nationalbank (SNB) die Notleine und kündigte an, mit unbeschränkten Devisenkäufen dafür zu sorgen, dass der Euro nicht mehr unter die Grenze von 1,20 Franken fällt. Gerüchte, wonach diese Grenze auf 1,25 oder noch höher angehoben werden könnte, hatten den Franken weiter abwerten lassen. Zwischenzeitlich kostete ein Euro bereits wieder 1,23 Franken.

 

Negativzinsen kein Thema

Doch die Schweizer Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf sieht derzeit keinen Bedarf, den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken zu verändern. Die Kursgrenze habe den gewünschten Effekt gehabt und Exporteure gestärkt, sagte Widmer-Schlumpf am Samstag in Chur. Die Regierung betrachte die Grenzziehung als eine sehr gute Maßnahme. Die Nationalbank habe ein angemessenes Niveau gewählt.

Auf die Frage, ob der Schwellenwert auf 1,25 oder 1,30 Franken angehoben werden sollte, sagte Widmer-Schlumpf, die Nationalbank prüfe dies regelmäßig und werde die Frage entscheiden. Aus heutiger Sicht sei es aber nicht nötig. Die Ministerin betonte, die Regierung habe noch weitere Pfeile im Köcher, um die Schweizer Wirtschaft vor einem zu starken Franken zu schützen. Maßnahmen wie Negativzinsen seien derzeit kein Thema, würden aber geprüft. Die Regierung hoffe aber, darauf nicht zurückgreifen zu müssen.

SNB-Präsident Philipp Hildebrand hatte Negativzinsen auf Guthaben von Ausländern in der Schweiz am Donnerstag als ungeeignetes Mittel gegen einen Frankenanstieg bezeichnet.

 

„Fairer Wert“ bei 1,25 Franken

Kürzlich hat die Erste Bank ihren Kunden, die einen Frankenkredit haben, geraten zu überlegen, ob sie nicht auf einen Eurokredit oder zumindest eine tilgende Variante umsteigen wollten. Denn die meisten Fremdwährungskredite sind endfällig; die während der Laufzeit geleisteten Raten fließen in einen Tilgungsträger, mit dem zum Ende der Laufzeit der Kredit zurückbezahlt werden soll.

Dass der Franken weiter stark abwerten könnte, halten die Experten für unwahrscheinlich. Der „faire Wert“ liege bei 1,25 Franken. Aufwerten könnte er aber, sobald die Schweizerische Nationalbank die Interventionen beendet. Das könnte bereits in der zweiten Jahreshälfte 2012 der Fall sein, sollte der Deflationsdruck nachlassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2011)

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7 Kommentare

Gegen den weltweiten Druck

wird die Schweiz diesen Kurs auf Dauer nicht halten können. Zuvor wird sie aber noch rund um die Uhr Banknoten drucken müssen, damit sie noch eine zeitlang intervenieren kann. Die Bürger werden das mit einer erhöhten Inflation zu begleichen haben....

Re: Gegen den weltweiten Druck

Die Inflation kommt erst in einigen Monaten, aber die nationale Emotion wegen der absichtlichen Beschädigung der Nationalheiligtum-Währung wird tiefe Spuren in der schweizer Seele hinterlassen. Das Haus anzuzünden um Einbrecher abzuschrecken ist halt wirklich nur ein Anzeichen dafür, daß Grossverdiener in der SNB bei aller Klugheit nicht rechzeitig die Wirtschaftsentwicklung voraussehen konnten!

der faire wert..

liegt bei 1,4, das wissen die sog. experten genau.
mal auf die q3 zahlen warten, und dann q4- dann wird man sehen, ob in der schweiz alles so super ist, wie widmer- schlumpf meint.

dem Fuchs sind die Trauben eben zu hoch

Freiwillig beschränkt sich die SNB sicher nicht auf die 1,20 sondern weil sie sonst ausblutet. "Angeblich" sei die Intervention schon über 200 Milliarden Franken teuer gewesen.... kann man natürlich glauben oder auch nicht. Echte Zahlen werden sicher nicht verraten.


Re: Re: dem Fuchs sind die Trauben eben zu hoch

Wenns im Euro-Raum so weiter geht schafft es die SNB maximal bis Jahresende die 2,2 zu halten, dann ist es vorbei mit dem Riesen-Bluff!

Re: Re: Re: dem Fuchs sind die Trauben eben zu hoch

1,2 natürlich

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