Frankfurt/Wien/Ag./Weber. Zehn Mrd. Euro wollte Josef Ackermann in seinem letzten Jahr als Chef der Deutschen Bank verdienen. Es sollte ein Rekordergebnis für das Geldhaus werden. Dieses Ziel hatte er zwar schon im Herbst kassiert. Dass es am Ende gerade einmal für die Hälfte reichen sollte, hatte jedoch keiner erwartet. 5,4 Mrd. Euro verdiente das Bankhaus vor Steuern im Jahr 2011.
Insbesondere das Ergebnis des Schlussquartals verschreckte die Anleger: Hier gab es vor Steuern einen Verlust von 351 Mio. Euro. Nur ein Steuereffekt sorgte dafür, dass es am Ende für ein Plus von 186 Mio. Euro reichte. Analysten hatten für das Gesamtjahr mit einem um 1,4 Mrd. Euro höheren Gewinn gerechnet. Die Aktie gab um mehr als zwei Prozent nach.
Teure Rechtsstreitigkeiten
Besonders schlecht entwickelte sich mit dem Investmentbanking ausgerechnet jene Sparte, für die der designierte Kovorstand der Bank, der gebürtige Inder Anshu Jain, verantwortlich zeichnet. Sie verbuchte vor Steuern 2,9 Mrd. Euro Gewinn, nach fünf Mrd. Euro im Jahr zuvor. Als Grund wurde die Schuldenkrise genannt, die den lukrativen Handel mit Aktien, Anleihen und Rohstoffen quasi zum Stillstand brachte. Auf griechische Staatsanleihen mussten im vierten Quartal nochmals 135 Mio. Euro abgeschrieben werden.
Daneben verhagelten aber auch hohe Kosten für Rechtsstreitigkeiten die Bilanz. Im vierten Quartal wurden 380 Mio. Euro dafür fällig. Im Gesamtjahr schlugen diese „Sonderbelastungen“ mit 655 Mio. Euro zu Buche.
Vor allem in den USA droht der Deutschen Bank wegen ihrer Rolle vor der Finanzkrise ein juristisches Nachspiel. Derzeit läuft etwa ein Prozess, bei dem das amerikanische Justizministerium eine Mrd. Dollar Schadenersatz von dem Frankfurter Geldhaus fordert. Dessen US-Tochtergesellschaft, MortgageIT, soll die Bonität von Hausbesitzern geschönt haben, um für diese Darlehen über ein spezielles Subventionsprogramm Garantien der amerikanischen Regierung zu bekommen.
Auch eine Tochtergesellschaft der deutschen IKB prozessiert gegen die Deutsche Bank. Die Frankfurter sollen ein Paket aus faulen Krediten geschnürt und an die IKB verkauft haben, während sie selbst auf den Ausfall der Kredite spekulierten. Die Vorwürfe lauten „Betrug“, „Beihilfe zum Betrug“ und „unrechtmäßige Bereicherung“.
Daneben verzichtet die Deutsche Bank schon seit dem dritten Quartal auf Umsatzsteueransprüche im Ausmaß von 300 Mio. Euro. Diese Summe wurde im Rahmen von dubiosen Geschäften mit CO2-Zertifikaten möglicherweise zu Unrecht einbehalten. Auch einige Unternehmensbeteiligungen, wie der Arzneimittelhersteller Actavis und ein Spielcasino in Las Vegas, mussten im Wert nach unten berichtigt werden.
Privatkundengeschäft als Stütze
Bessere Nachrichten kamen derweil aus dem klassischen Bankgeschäft und der Vermögensverwaltung. Diese Sparte erzielte einen Rekordgewinn von 2,5 Mrd. Euro vor Steuern, nach einer knappen Milliarde ein Jahr zuvor. Ackermann hatte nach der Finanzkrise versucht, die Bank durch den Zukauf von Postbank und Sal. Oppenheim unabhängiger vom Investmentbanking zu machen.
Für Jain und seinen Kovorstand Jürgen Fitschen, die im Mai offiziell das Ruder übernehmen, dürfte es trotz allem keine einfache Zeit werden: „Die Rentabilität der Deutschen Bank wird erst mal gedämpft bleiben“, sagte Merck-Finck-Analyst Konrad Becker.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2012)
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