Frankfurt/Ag./Red. Die Europäische Zentralbank (EZB) will künftig mehr Angaben über die Sicherheiten sammeln, die die Banken bei ihr hinterlegen, und diese auch veröffentlichen. Das schreibt die Zeitung „Financial Times Deutschland“. Denn viele Banken hinterlegen bei der Notenbank als Sicherheit für Kredite forderungsbesicherte Anleihen („Asset Backed Securities“, ABS) als Pfand. Die EZB will verhindern, dass Schrottpapiere als Sicherheiten hinterlegt werden.
Konkret sollten die Geldinstitute ab Sommer Details zu den von ihnen vergebenen Krediten an eine privatwirtschaftlich organisierte Sammelstelle melden. Betroffen sind jene Kredite, die die Banken als Sicherheit für EZB-Gelder hinterlegen. Mit den Daten will die EZB die Qualität der Wertpapiere einschätzen.
Gegen eine Gebühr soll jeder Zugriff auf die Datenbank bekommen. Zunächst sollen nur Kredite für Wohnimmobilien erfasst werden, später sollten Firmen- und Konsumkredite dazukommen.
Banken wenig begeistert
Die Banken sind wenig begeistert. Sie fürchten, dass ihre Kreditmodelle öffentlich werden, und sehen ihr Geschäftsgeheimnis in Gefahr. Die EZB will zwar keine personenbezogenen Angaben speichern. Es kann aber eingegrenzt werden, zu welchen Konditionen etwa eine Bank in einem Großraum Kredite für Einfamilienhäuser vergibt. Da viele Banken sich wegen der Schuldenkrise nur noch schwer oder gar nicht mehr auf dem Markt refinanzieren können, holen sie sich zunehmend Geld bei der EZB.
Diese hat inzwischen verbriefte Forderungen über 500 Mrd. Euro im Depot. Sie fürchtet, dass sie im Fall einer Bankpleite auf den Papieren sitzenbleibt. Nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers im September 2008 blieben EZB und nationale Notenbanken auf Verbriefungen von 8,5 Mrd. Euro sitzen, die die deutsche Lehman-Tochter als Sicherheit eingereicht hatte. Mit Lehman Brothers brach allerdings auch der Markt für Schrottpapiere zusammen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2012)
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