Wien/Weber. Die Deutsche Bank gerät wegen eines von ihr aufgelegten Fonds unter Beschuss. Vereinfacht gesagt bietet sie mit dem „db Kompass Life 3“ Anlegern die Möglichkeit, vom frühen Ableben ihrer Mitmenschen zu profitieren. Das ging dem deutschen Bankenverband zu weit.
„Dies ist mit unserer Wertordnung, insbesondere der im Mittelpunkt stehenden Unantastbarkeit der menschlichen Würde, kaum in Einklang zu bringen“, schrieb die Ombudsstelle des Verbands laut einem Bericht des „Spiegels“ einem Anleger. Nun liege es an einem Gericht zu klären, ob diese „Wette auf die Lebensdauer eines bestimmten Personenkreises“ nicht gegen „Verhaltensverbote“ verstößt.
Normalerweise kaufen solche Fonds Polizzen auf, um im Todesfall die Versicherungssumme einzustreichen. Beim „Kompass Life 3“ kaufte die Deutsche Bank aber keine echten Polizzen, sondern bot eine reine Wette auf die Lebensdauer von rund 500 „Referenzpersonen im Alter von 72 bis 85 Jahren“ an, wie der „Spiegel“ einen Verkaufsprospekt zitiert.
Anleger des Fonds, mit dem die Deutsche Bank rund 200 Mio. Euro eingesammelt hat, hatten sich jedoch nicht wegen moralischer Bedenken an die Schlichtungsstelle des Bankenverbandes gewandt. Sie warfen der Bank vielmehr vor, bei der Konstruktion des Fonds veraltete Sterbetafeln verwendet und sich so einen Vorteil verschafft zu haben.
Christian Seidl, Vorsitzender eines Zusammenschlusses von Polizzenkäufern, hält die Bedenken für unangemessen: „Sonst könnte man ja auch jeden Rentenversicherer dafür kritisieren, dass er vom frühen Tod profitiert“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2012)
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