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Die Rohstoff-Ehe ist (fast) perfekt

07.02.2012 | 18:11 |   (Die Presse)

Zusammenschluss: Durch die Fusion von Glencore und Xstrata entsteht einer der größten Rohstoffkonzerne der Welt. Wenn der Deal nicht am Widerstand einiger Aktionäre scheitert.

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London/Wien/Ag./Weber. Für die meisten ist es eine Fusion unter Unbekannten, die in den vergangenen Tagen in der Schweiz und in London ausgehandelt wurde. Der Minenkonzern Xstrata und der Rohstoffhändler Glencore gaben am Dienstag bekannt, dass sie sich in einer 90 Mrd. Dollar schweren Fusion zusammenschließen werden. Das Ergebnis ist einer der größten Rohstoffkonzerne der Welt, der vom Abbau von Bodenschätzen über den Transport bis zum Verkauf die komplette Wertschöpfungskette kontrolliert.

Die Eckdaten, die bereits am Wochenende durchgesickert waren, wurden am Dienstag bestätigt. Demnach bietet Glencore Xstrata-Aktionären 2,8 neue Glencore-Aktien für jedes ihrer Papiere. Dies betrifft aber nur 66Prozent der Aktien, denn 34Prozent befinden sich bereits im Besitz von Glencore.

Deswegen kommt der Zusammenschluss für Branchenbeobachter auch nicht gerade überraschend. Besonders das Börsendebüt von Glencore vor weniger als einem Jahr – das bisher größte an der Londoner Börse – nährte dahingehende Gerüchte. Mit den rund zehn Mrd. Dollar, die der Konzern damals einnahm, verschaffte er sich ein zusätzliches Finanzpolster für die Übernahme. Das Aktienpaket, mit dem Glencore die Übernahme bezahlt, hat einen Wert von 41 Mrd. Dollar.

Einigen Aktionären von Xstrata reicht dies aber nicht. So haben mit Standard Life Investments und Schroders zwei Großinvestoren angekündigt, gegen die Fusion zu stimmen. Können sie weitere Investoren überzeugen, könnte der Deal noch platzen, zumindest müsste das Angebot nachgebessert werden. Offen ist angesichts der Marktmacht auch, ob die Wettbewerbsbehörden ihr Okay geben.

Der neue Konzern, der den Namen Glencore Xstrata International tragen soll, wird der viertgrößte Minenkonzern hinter BHP Billiton, Vale und Rio Tinto sein. Der mit Abstand größte Rohstoffhändler ist Glencore mit einem Umsatz von 145 Mrd. Dollar (2010) jetzt schon.

 

Fragwürdige Vergangenheit

Damit ist der Rohstoffriese auch der größte Schweizer Konzern, vor Nestlé und Roche. Ebenso wie Xstrata hat Glencore seinen Sitz im Niedrigsteuer-Kanton Zug. Bis zu seinem Börsegang gab sich der Konzern äußerst verschwiegen. Auch heute öffnet er sich nur langsam gegenüber Medien.

Gegründet wurde er vor 40Jahren von einem Südafrikaner namens Marc Rich. Von der neutralen Schweiz aus handelte Rich Rohstoffe vor allem mit Ländern, gegen die die internationale Gemeinschaft Sanktionen verhängt hatte. Jahrelang stand er deswegen auf der Fahndungsliste des FBI. 2001 wurde er vom scheidenden US-Präsidenten Bill Clinton aus nicht bekannten Gründen begnadigt.

Mit dieser Vergangenheit will Glencore nichts mehr zu tun haben. Heute gehören dem Unternehmen Bergwerke auf der ganzen Welt, dazu Schiffsflotten, Güterzüge, Raffinerien und Eisenhütten. Es kontrolliert 60Prozent des weltweit gehandelten Zinks und 50Prozent aller Kupferverkäufe. Mit der Übernahme von Xstrata stärkt Glencore vor allem seine Position beim Abbau von Bodenschätzen. Erklärtes Ziel des Konzerns ist es, die Wertschöpfungskette „nach unten zu erweitern“.

Chef des neuen Konzerns soll der bisherige Xstrata-CEO Mick Davis werden. Er und Glencore-Boss Ivan Glasenberg, der zugunsten von Davis auf den Chefsessel verzichtet, gelten als alte Bekannte. Sie wuchsen in Südafrika im selben Viertel auf und besuchten auch dasselbe College.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2012)

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