25.05.2013 00:44 Merkliste 0

Schuldenkrise: EZB kauft derzeit keine Staatsanleihen

28.02.2012 | 18:11 |   (Die Presse)

Notenbanker Ewald Nowotny erklärte in London das EZB-Programm für vorläufig beendet. Von einem dauerhaften Ende möchte der Österreicher nicht sprechen. Auch zu Österreich äußerte sich Nowotny.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

London/Wien/Lill/Stef. An der London School of Economics (LSE) trug der österreichische Notenbankgouverneur Ewald Nowotny Montagabend über die „Zukunft der Eurozone“ vor. Er äußerte sich unter anderem zur zweiten Runde des Programms zur Refinanzierung europäischer Geldhäuser. Außerdem erklärte das Mitglied des EZB-Rats, dass die Zentralbank bereits seit zwei Wochen keine Staatsanleihen europäischer Krisenländer mehr kauft.

 

Billige Kredite keine Dauerlösung

Zum am Mittwoch in die zweite Runde gehenden Refinanzierungsprogramm kündigte Nowotny an, dass dies keine permanente Praxis sei. Ganz abschaffen werde die EZB das Programm dennoch nicht. Im Zuge des „langfristigen Refinanzierungsgeschäfts“ LTRO lobte Nowotny, dass sich im Dezember 523 Geldhäuser Europas 489 Milliarden Euro ausgeliehen haben. Für dreijährige Kredite wird dabei ein Zins von bloß einem Prozent verlangt. Schätzungen über die Höhe der Inanspruchnahme der zweiten Runde variierten zuletzt zwischen 500 Mrd. Euro und der doppelten Summe. Laut Nowotny gibt „das Programm dem Markt Sicherheit“.

So zeige das LTRO beispielsweise in Bezug auf Italien erfreuliche Effekte, weil die Renditen auf zehnjährige Staatsanleihen seit der Bereitstellung der günstigen Kredite deutlich zurückgegangen seien. Die langfristige Linie der EZB stelle diese Politik allerdings nicht dar. Zwar wolle die Zentralbank das Programm weiterhin „als Reserve“ halten. „Wir beabsichtigen aber nicht, es weiter zu nutzen.“ Dazu gebe es derzeit keinen Anlass.

Und auch mit einer weiteren interessanten Neuigkeit die EZB-Politik betreffend wartete Nowotny auf. Seit zwei Wochen habe die EZB keine Staatsanleihen mehr gekauft. Das war seit August des Vorjahres nicht mehr der Fall. Zwar könne er nicht ausschließen, dass die Zentralbank bei Bedarf wieder Staatsanleihen von Problemländern wie Italien und Spanien am Sekundärmarkt aufkaufe. Derzeit allerdings sei auch dieser Plan bloß in „Reserve“.

Aktuell hält die EZB Staatsanleihen von europäischen Problemstaaten im Wert von mehr als 200 Mrd. Euro. Kritiker merken seit Längerem an, dass die Zentralbank damit indirekt Staaten finanziere, was ihr eigentlich per Statut untersagt sei. Die Notenbank wiederum beruft sich darauf, dies lediglich auf dem Sekundärmarkt zu tun. Es handle sich um keine direkte Finanzierung der Staaten.

Die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen von Italien, Spanien sowie den restlichen Euroländern reagierten am Dienstag auf Nowotnys Ankündigung kaum. Beobachter verweisen darauf, dass die EZB den Banken im Zuge des aktuellen Kreditprogramms viel Geld zur Verfügung stelle. Damit würden viele Institute ohnehin Staatsanleihen kaufen, was die Renditen niedrig halten soll.

 

Keine Sorge um Osteuropa

Auch zu Österreich äußerte sich Nowotny im Rahmen seiner Rede in London. Er wiederholte eine bereits geäußerte Kritik an den Ratingagenturen. „Osteuropa bleibt die Wachstumsregion der Europäischen Union. Daher ist das Engagement der Banken aus Österreich für beide Seiten ein Gewinn.“

Dass Ratingagenturen wie Standard&Poor's oder Moody's das österreichische Bankengeschäft in der Region vor allem als Risiko einschätzen, kann der Nationalbankgouverneur nicht nachvollziehen. Die entsprechenden Länder, allen voran die Tschechische Republik, seien „ökonomisch stabil“, meint Nowotny.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.02.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

5 Kommentare
Gast: 1. Parteiloser
29.02.2012 11:25
0 0

Eine unglaubliche Geldschöpfung!

Es stimmt zwar schon, dass die EZB direkt keine Staatsanleihen mehr gekauft hat. Es ist aber auch so, dass es einen Strategiewechsel der EZB auf eine indirektere Geldschöpfung gegeben hat.

Die EZB gibt den Banken billiges Geld, welches die Banken dann verwenden um die kranken Staaten weiter mit (teuren) Geld zur versorgen. Das wird auch gut in der Bilanzsumme der EZB sichtbar.

Bilanzsummenentwicklung EZB
30.04.2012: 3.100.000 Mio. Euro (wenn der Trend gehalten wird)
24.02.2012: 2.692.598 Mio. Euro
25.11.2011: 2.419.548 Mio. Euro
16.09.2011: 2.134.721 Mio. Euro
22.07.2011: 2.006.061 Mio. Euro
15.04.2011: 1.885.017 Mio. Euro
23.12.2010: 1.926.154
23.12.2005: 1.019.749
27.12.2002: 832.558

Die EZB hat schon zum Jahreswechsel 2011/12 die Fed betreffend der Bilanzsumme überholt!

Diese Gelder werden in der Geldmenge M3 nicht sichtbar, weil die größeren Summen direkt in Staatsanleihen mit einer Laufzeit von mehr als 2 Jahren fließen, also verstecket werden.

Diese Gelder, wahrscheinlich 1.000 Mrd. in nur 1 Jahr, werden den Banken eine Marge von 2-3% bringen, eine Leistung der Banken dafür ist nicht erkennbar. Da geht es um 20-30 Mrd. pro Jahr. Jedes Jahr aufs Neue, immer wieder und immer wieder. Muss dann den Bürger mit Zwangsabgaben abgepresst werden, immer wieder und immer wieder.

Gast: 1. Parteiloser
29.02.2012 09:47
0 0

Unglaubliche Geldschöpfung!

Es stimmt zwar schon, dass die EZB direkt keine Staatsanleihen mehr gekauft hat. Es ist aber auch so, dass es einen Strategiewechsel der EZB auf eine indirektere Geldschöpfung gegeben hat.

Die EZB gibt den Banken billiges Geld, welches die Banken dann verwenden um die kranken Staaten weiter mit (teuren) Geld zur versorgen. Das wird auch gut in der Bilanzsumme der EZB sichtbar.

Bilanzsummenentwicklung EZB
30.04.2012: 3.100.000 Mio. Euro (wenn der Trend gehalten wird)
24.02.2012: 2.692.598 Mio. Euro
25.11.2011: 2.419.548 Mio. Euro
16.09.2011: 2.134.721 Mio. Euro
22.07.2011: 2.006.061 Mio. Euro
15.04.2011: 1.885.017 Mio. Euro
23.12.2010: 1.926.154
23.12.2005: 1.019.749
27.12.2002: 832.558

Die EZB hat schon zum Jahreswechsel 2011/12 die Fed betreffend der Bilanzsumme überholt!

Diese Gelder werden in der Geldmenge M3 nicht sichtbar, weil die größeren Summen direkt in Staatsanleihen mit einer Laufzeit von mehr als 2 Jahren fließen, also verstecket werden.

Diese Gelder, wahrscheinlich 1.000 Mrd. in nur 1 Jahr, werden den Banken eine Marge von 2-3% bringen, eine Leistung der Banken dafür ist nicht erkennbar. Da geht es um 20-30 Mrd. pro Jahr. Jedes Jahr aufs Neue, immer wieder und immer wieder. Muss dann den Bürger mit Zwangsabgaben abgepresst werden, immer wieder und immer wieder.

So ist es ein sehr großes Wirtschaftsverbr.echen der Monster Staatsunwesen und Bankunwesen.

0 0

LTRO

oder wie all diese Gelddruck- Tarngeschäfte auch immer heißen,...

Die EZB muss Stimmung machen, dass sie die Geldflut zurückfährt, denn der Ölpreis explodiert ja förmlich.

0 0

Ohne Ratingagenturen

Hätten wir schon noch mehr Schulden und keine Hoffnung, daß mit dem EU Wahnsinn mal ein Ende ist.
Er wäre gut beraten sich um die heimischen Banken zu kümmern.

Antworten Gast: 1. Parteiloser
29.02.2012 09:54
0 0

Re: Ohne Ratingagenturen

Die EU kennt die Wahrheit zu den Staatsfinanzen schon länger sehr gut, hat die EU doch eine Studie in Auftrag gegeben.

Details unter:
http://www.wiwo.de/bilder/schuldenkrise-staatsverschuldung-in-europa/4725424.html

Für dieses Problem hat die EU keine Lösung und auch die Mitgliedsstaaten haben keine Lösung.

Für Ö bedeuten die 410% vom BIP (an Verbindlichkeiten) ja um die 1.200 Mrd. Euro, also etwa 330.000.- Euro pro Haushalt.

Die Schuldenproblematik ist doch vollkommen außer Kontrolle und kann nur von der EZB irgendwie kurzfristig unter Kontrolle gehalten werden.

Der Nowotny und seine EZB Freunderl, die arbeiten auch daran sich um die Banken zu kümmern. Nach den fast 500 Mrd. an die Banken in den letzten 6 Monaten sollen wieder 500 Mrd. bis zu 1 Billion an die Banken gehen.

Bei dem Totalversagen der Entscheidungsträger n Europa, also den Politkasperln und deren exzessive Selbstbedienung an den öff. Geldern (auch wenn nicht vorhanden!), da bleibt der EZB auch keine andere Chance mehr.