Wien/Eid. Zehn Jahre haben sich Aktionäre der RHI mit dem Prinzip Hoffnung trösten müssen. Die teuren Asbest-Klagen gegen – längst abgestoßene – US-Fabriken haben den Weltmarktführer bei Feuerfestprodukten in tiefrote Zahlen gestürzt und eine Dividende ausgeschlossen. Erstmals gab es für 2010 eine Ausschüttung. Der Anstieg beim Nettogewinn von 15 Prozent auf 121,5 Mio. Euro macht nun eine Anhebung der Dividende für 2011 von 50 auf 75 Cent möglich. „Wir sind zur Normalität zurückgekehrt und wollen das auch den Investoren zeigen“, sagte RHI-Chef Franz Struzl am Dienstag.
Die Börse nahm die Nachricht positiv auf: Die RHI-Aktie legte als eine der wenigen im Leitindex ATX gegen den Abwärtstrend zu.
In der Verwaltung wird gespart
Der Konzern, der feuerfeste Auskleidungen für die Stahlindustrie (Hochöfen) sowie die Zement- und Glasindustrie produziert, hat im vierten Quartal die Abflachung in der Stahlindustrie gespürt, aber in den anderen Bereichen gute Geschäfte gemacht. Das brachte ein Umsatzplus von 15,5 Prozent auf 1,76 Mrd. Euro und ein Nettoergebnis von 121,5 Mio. Euro.
Struzl, der den Konzern seit Oktober 2011 führt, will die Ertragslage noch verbessern: Dazu setzt er in der Verwaltung den Rotstift an: Auf ein Jahr hochgerechnet sollen allein in diesem Bereich 20 Mio. Euro eingespart werden. Weitere Millionen sollen Produktivitätssteigerungen in den Werken sowie eine Neuorganisation des Konzern bringen. Struzl schloss außerdem Werkschließungen nicht aus: „Wenn wir in Brasilien und den USA produzieren, werden in drei bis fünf Jahren ein bis zwei Fabriken in Europa obsolet.“
In Brasilien baut die RHI seit dem Vorjahr eine Fabrik für Feuerfestprodukte für die Stahlindustrie. Wenn diese gut laufe, werde man ein zweite Fabrik bauen, in der Produkte für die Zementindustrie erzeugt werden. Die Rückkehr in die USA – „mit aller Vorsicht“ – ist beschlossen: Dort soll ebenfalls eine Produktion hochgezogen werden, das Investitionsvolumen liegt bei 40 bis 50 Mio. Euro.
Mindestens ebenso viel dürfte eine Fabrik in Russland kosten. Russland sei ebenso wichtig wie Brasilien – die Stahlindustrie und andere Branchen boomen. Da es trotz des WTO-Beitritts hohe Importzölle gebe und die Fracht teuer sei, sind RHI-Produkte um 30 Prozent teurer als die der russischen Konkurrenten. „Wenn wir dort erfolgreich sein wollen, müssen wir dort produzieren“, sagt Struzl. Derzeit liefen Marktuntersuchungen und Gespräche mit Partnern. Noch heuer will er eine Vorentscheidung treffen.
Gorbach verlässt Aufsichtsrat
Wie „Die Presse“ aus dem Unternehmen erfuhr, wird Hubert Gorbach aus dem RHI-Aufsichtsrat ausscheiden. Der ehemalige Infrastrukturminister ist im Zusammenhang mit der Telekom-Schmiergeldaffäre in die Schlagzeilen geraten. Gorbach war von RHI-Großaktionär Martin Schlaff ins Kontrollgremium geholt worden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2012)

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