22.05.2013 15:10 Merkliste 0

Supercomputer berät Banken: Von "Jeopardy!" zur Wall Street

12.03.2012 | 18:18 |   (Die Presse)

Der Supercomputer "Watson", der in einer amerikanischen Gameshow die menschlichen Kandidaten vorführte, berät in Zukunft auch Banken auf der Wall Street. Der Hersteller IBM wittert ein Milliardengeschäft.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

New york/Bloomberg. Der von IBM entwickelte Supercomputer „Watson“, der vor einem Jahr in der US-Gameshow „Jeopardy!“ die erfolgreichsten Kandidaten der Sendung schlug, hat einen neuen Job: Künftig wird er auf der Wall Street Banken bei der Berechnung von Risken, Portfolios und Kundendaten beraten. Die Citigroup, die Nummer drei unter den US-Banken, ist Watsons erster großer Kunde.

Dem Institut soll er dabei helfen, die Bedürfnisse von Kunden zu analysieren, Daten zu verarbeiten und das Onlinebanking zu verbessern. Aufgaben, die vorher zum Teil von Menschen erledigt wurden. Watsons Qualifikation: Er kann menschliche Sprache verstehen, riesige Datenmengen ohne direkten Zusammenhang aufarbeiten und Fragen mit nahezu menschlicher Intuition beantworten. Dies brachte ihm nicht nur den Gewinn von einer Million Dollar bei „Jeopardy!“, sondern auch schon Einsätze im Gesundheitswesen.

 

IBM forciert Vorstoß in Finanzwelt

Banken sollen mit dem Computer auch Risken und Kundenwünsche aufspüren können, die von Menschen übersehen werden. „Er kann durch Zeitungsartikel, Dokumente und Pflichtmitteilungen der SEC (die US-Börsenaufsicht, Anm.) gehen – und sie miteinander in einen Kontext bringen, an dem Banken interessiert sind“, sagt Stephen Baker, der sich als Buchautor mit Watson beschäftigt hat.

Um den Computer auf seinen neuen Job vorzubereiten, hat IBM bereits mit Firmen aus der Finanzbranche zusammengearbeitet und ihm die Sprache der Wall Street beigebracht. Zudem wurde er mit Daten gefüttert, etwa mit Pflichtmitteilungen, Nachrichten und Informationen aus sozialen Online-Netzwerken. Mit welchen Unternehmen solche Kooperationen bestehen, will IBM noch nicht verraten. Nur so viel: Der Vorstoß ins Finanzwesen soll forciert werden. „Finanzdienstleister sind das nächste große Ding für uns“, sagt Manoj Saxena, der Mann, der dafür verantwortlich ist, Arbeit für Watson zu finden.

Im Jahr 2015 möchte IBM 16 Mrd. Dollar im Bereich „Analytics“ erwirtschaften. Der Teil, den Watson dazu beiträgt, werde „in Milliarden Dollar gemessen“ werden, sagt Saxena. Ganz unrealistisch ist das nicht: Nach Berechnungen des Analysten Ed Maguire vom Finanzdienstleister CLSA könnte Watson dem Unternehmen im Jahr 2015 etwa 2,65 Mrd. Dollar an Umsatz und 52 Cent Gewinn je Aktie bringen. IBM erhält für Watsons Arbeit einen bestimmten Prozentsatz von der Summe, die Banken dank seiner Arbeit entweder einsparen oder zusätzlich generieren konnten.

 

IT-Investitionen trotz Krise

An der Wall Street investieren die Firmen trotz schwieriger Zeiten viel Geld in ihre Informationstechnologie. Laut dem Informationsdienstleister International Data Corp., der für IBM Marktforschung betrieben hat, haben Banken alleine im vergangenen Jahr etwa 400 Mrd. Dollar dafür ausgegeben. Gleichzeitig wurden zahlreiche Jobs abgebaut und Boni gekürzt.

Die zunehmende Computerisierung der Finanzwelt hat aber nicht nur Freunde. Zum Beispiel steht der Hochfrequenzhandel, bei dem zehntausende Papiere innerhalb von Sekunden gehandelt werden, bei vielen unter dem Verdacht, Kursstürze auszulösen oder zu verstärken.

Michael Versace von International Data Corp. ist sich aber sicher, dass die Fähigkeit, Daten effektiv zu analysieren, „in unsicheren und schwierigen Zeiten erfolgreiche von nicht erfolgreichen Banken unterscheiden wird“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

4 Kommentare
Gast: Markus Trullus
13.03.2012 07:09
0 0

nun ja...

Ich schau mir dann an, wenn dieser HPC auch schwerstwiegende Fehler rechnet. Denn das teuflische an komplexen Systemen sind nicht die Rechnungen, sondern die Startparameter. ein bisschen anders... und schwupp di wupp kommt was ganz anderes raus.... viel Spaß dann dabei!
Und ein Masseneffekt kommt dann dazu: dann wird wirklich keiner mehr versuchen wollen, das ganze zu verstehen. Der HPC machts eh. So wie keiner, im Zeitalter der Navis, Karten lesen kann.....

0 0

...

endlich begreifen die kunden, dass ihre daten sicher nicht abzugeben sind ohne entgelt.

Gast: trader1
12.03.2012 21:18
1 0

das ich das noch erleben darf ...

.. die asimovschen gesetze .....

1) ein roboter darf kein menschliches wesen verletzen oder durch untätigket gestatten, das einem menschlichen wesen schaden zugefügt wird
2) ein roboter muss den ihm von einem menschen gegebenen befehlen gehorchen, es sei denn, ein solcher befehl würde mit regel eins kollidieren
3 ein roboter muss seine existenz beschützen, so langer dieser schutz nicht mit regel eins oder zwei konsolidiert ...

die braucht man einfach bei denkende computer/roboter ... auf die erste eu-richtlinie dazu bin ich schon gespannt :-)

Re: das ich das noch erleben darf ...

Kurzgesagt,wir sind nur irgendeine Zahl für die !