Schwedens Banken verdienen trotz harter Regulierung prächtig

10.05.2012 | 17:46 |   (Die Presse)

Die Kapitalanforderungen sind strenger als im Rest Europas. Bis Jänner mussten die vier größten Banken eine Eigenkapitalquote von zehn Prozent erreichen. Dennoch haben alle vier mit ihren Gewinnen überrascht.

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Stockholm/Bloomberg. Die schwedischen Banken müssen härtere Kapitalanforderungen erfüllen als viele andere europäische Kreditinstitute. Bis Jänner hatten die vier größten Kreditinstitute des Landes Zeit, eine Eigenkapitalquote von zehn Prozent zu erreichen. Und dennoch haben alle vier mit ihren Gewinnen für das erste Quartal die Erwartungen der Analysten übertroffen und ihre Kreditvergabe ausgeweitet.

„Die Banken haben viel Eigenkapital geschaffen, und die Kapitalquoten steigen, während viele Banken in der Eurozone herumlavieren und versuchen, neun Prozent zu erreichen“, sagt UBS-Analyst Nick Davey. Die Europäische Bankenaufsicht hat den systemrelevanten Banken in Europa eine Quote von neun Prozent vorgeschrieben. Damit sollen sie weniger anfällig für neue Krisen werden.

Erfolg auch an der Börse

Auch an der Börse konnten die Institute zuletzt reüssieren. Gegenüber einem Vergleichsindex aus 500 europäischen Banken und Versicherungen haben sie sich deutlich besser entwickelt. Letzterer büßte seit Jahresbeginn 1,4 Prozent ein, während die Schweden-Banken zwischen sieben und 21 Prozent zulegten. Zudem zeigen Kreditausfallsversicherungen, dass sie von den Investoren als äußerst sicher betrachtet werden.
Die gute Stimmung im Norden deutet darauf hin, dass strengere Kapitalvorschriften allein nicht die Wettbewerbsfähigkeit von Banken abwürgen. Mit dieser Argumentation waren Bankmanager wie der frühere UBS-Chef Oswald Grübel oder der scheidende Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, der Politik begegnet. „Es ist eine positive Entwicklung, mit einer verantwortungsvollen, tragbaren Kreditvergabe, die zu nachhaltigen Gewinnen und höherer Qualität für die Aktionäre führt. Außerdem werden die Volkswirtschaften dadurch stärker, und sie können Konjunkturabschwüngen besser standhalten“, sagt Statish Pulle, Fondsmanager bei European Credit Management in London.

Handelsbanken, Nordea, SEB und Swedbank müssen künftig noch höhere Kapitalanforderungen erfüllen. Bis 2015 müssen sie eine Quote von zwölf Prozent erreichen, obwohl die Institute bislang nicht in den Sog der Euro-Schuldenkrise geraten sind. Auch hat sich keine von ihnen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld geliehen, als diese den Banken dreijährige Kredite zu äußerst günstigen Konditionen zur Verfügung stellte. Nordea-Chef Christian Clausen sagte im März, die Aktionäre hätten sich gewünscht, dass sich die Bank auf dem Markt refinanziert, anstatt auf subventionierte Kredite der EZB zurückzugreifen.

Neben strengeren Kapitalregeln müssen Schwedens Banken aus heutiger Sicht aber keine härtere Regulierung fürchten. Finanzminister Anders Borg hat sich gegen eine Finanztransaktionssteuer ausgesprochen. Auch sehe er keinen Sinn darin, das klassische Einlagengeschäft vom Investmentbanking abzuspalten.

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1 Kommentare

Schöne Erfolgsgeschichte

aber bei der Trennung der Banksparten liegen die Schweden falsch.

Man sieht es am Beispiel Österreichs, wo Großbanken die Staatsbürger mit ihren Spekulationen im Osten und Süden in Geiselhaft genommen haben.

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