Frankfurt/Bloomberg/B.l. Der Kurs zehnjähriger griechischer Staatsanleihen ist unter den Wert jener Bonds gefallen, die vor zwei Monaten bei der größten Umschuldung eines Landes in der Geschichte eingetauscht wurden. Der Verfall deutet an, dass Anleger mit einem Zahlungsausfall rechnen. „Investoren preisen ein, dass es zu einem zweiten Zahlungsausfall kommt, ebenso das Risiko eines Ausscheidens Griechenlands aus dem Euroraum“, sagte Alessandro Giansanti, leitender Zinsstratege bei ING Groep in Amsterdam. „Der gedrückte Preis ist Spiegelbild des Risikos, dass diese Anleihe am Ende in einer anderen Währung denominiert sein wird.“
Griechenland hatte im März dem Tausch von Anleihen über etwa 200 Mrd. Euro in Papiere mit längerer Laufzeit und niedrigeren Zinsen zugestimmt. Private Investoren schulterten Verluste von über 100 Mrd. Euro.
Die Rendite zehnjähriger griechischer Anleihen betrug am Freitagnachmittag 24 Prozent. Das ist die Rendite, die Käufer derzeit verlangen. Für Verkäufer bedeutet das, dass sie einen entsprechend niedrigen Preis in Kauf nehmen müssen, wenn sie sich von den Anleihen trennen wollen. Zum Vergleich: Die Rendite zehnjähriger deutscher Anleihen liegt knapp über 1,5 Prozent, bei österreichischen Bonds sind es knapp unter 2,5.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2012)

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