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Spanien richtet Bad Banks ein

11.05.2012 | 18:29 |  Von unserem Korrespondenten RALPH SCHULZE (Die Presse)

Die krisengeschüttelten Geldhäuser Spaniens sollen faule Kredite und Immobilien in Zweckgesellschaften auslagern. Neue Staatshilfen stehen auch bereit.

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Madrid. Nach der Verstaatlichung der Großbank Bankia versucht die konservative Regierung in Spanien, mit einem drastischen Notfallplan weitere Bankenpleiten zu verhindern. Zum Arsenal im Kampf gegen die Krise gehören die Gründung von „Bad Banks“, die Pflicht zu milliardenschweren Sonderrücklagen und neue Staatskredite für notleidende Geldhäuser. Mit dem Programm wolle man „die Zahlungsfähigkeit der Banken garantieren“, erklärte Wirtschaftsminister Luis de Guindos den Ernst der Lage. Am Vortag hatte der Staat über Nacht die Kontrolle bei der Großbank Bankia übernommen.

In der EU wächst derweil die Sorge, dass die Probleme Spaniens Stabilität gefährden. Erst recht, nachdem Brüssel das Vertrauen in Spaniens Haushaltsdisziplin verlor und Madrid am Freitag bescheinigte, dass die Haushaltsplanung unsolide sei. In ihrer Konjunkturprognose schließt die EU-Kommission kategorisch aus, dass das Land die versprochenen Defizitziele erreichen kann: Für 2012 wird jetzt eine Neuverschuldung von 6,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwartet – vereinbart waren 5,3 Prozent. 2013, wenn das Defizit unter die Stabilitätsgrenze von drei Prozent fallen sollte, werde das Minus wohl immer noch 6,3Prozent betragen.

Regierung ist angeschlagen

„Wir sind überzeugt, dass wir die Defizitziele erfüllen werden“, entgegnete Spaniens Wirtschaftsminister lächelnd der düsteren Prognose. Die Glaubwürdigkeit der spanischen Regierung ist freilich angeschlagen, nachdem sich sämtliche frühere Vorhersagen hinsichtlich Haushaltssanierung, Wirtschaftswachstum und Verringerung der Massenarbeitslosigkeit als Seifenblasen entpuppt haben.

Der Krisenplan für die Banken sieht vor, dass die Geldinstitute zusätzliche Rücklagen von insgesamt 30 Milliarden Euro bilden müssen, um Verluste auszugleichen. Bereits im Februar waren sie gezwungen worden, 50 Milliarden Euro beiseitezulegen. Der Branche blühen nach riskanten Immobilienspekulationen Ausfälle in Höhe von über 180 Milliarden Euro. Die Finanzinstitute haben Spaniens Immobilienblase angeheizt, indem sie Kredite ohne Sicherheiten für überteuerte Objekte vergeben haben. Als der Markt zusammenbrach, riss der Crash die Baubranche und die Banken gleichermaßen in den Abgrund.

Alle Banken und Sparkassen werden nun verpflichtet, ihre „faulen“ Immobilienwerte in Bad Banks auszulagern, kündigte Guindos an. Er spricht lieber von „Immobiliengesellschaften“, über die mehr als eine Million Grundstücke, Häuser und Wohnungen abgeschrieben und verscherbelt werden sollen. Ob dies Spaniens Bankenkrise lösen wird, bleibt abzuwarten: Die gerettete Bankia hatte ihre „giftigen“ Werte bereits in ihre Muttergesellschaft abgeschoben, was die Zahlungsprobleme auch nicht abwenden konnte.

Geldhäuser, welche die Riesenverluste, Abschreibungen und Rückstellungen nicht verkraften, sollen mit milliardenschweren Staatskrediten und Zwangsfusionen saniert werden. Doch der Wirtschaftsminister versicherte: „Die Bankenreform wird keine Auswirkungen für die Steuerzahler haben.“ Dies gilt freilich nur so lange, wie Spaniens Banken zahlungsfähig bleiben. Nach Berechnung der Zeitung „El País“ hat der Staat die wankenden spanischen Banken in den letzten Jahren bereits mit Krediten und Bürgschaften von zusammen 115 Milliarden Euro abgesichert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2012)

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7 Kommentare

Die Spanier können die Kommunalkredit haben -

und die Verwantwortlichen dazu.

Gast: EFF EFF
12.05.2012 20:10
0 0

Die wilde, spanische Müllhalde

Sieht so aus, als hat halb Europa seine faulen Kredite während der letzten zwei Jahre in Spanien abgeladen, wo es im kollabierenden Immobilienmarkt nicht besonders auffällt.

Dort steht ja die nächste Bankenrettungsaktion bevor. Immerhin funktioniert der europäische Wirtschaftsraum noch und jeder darf mal.

Ich glaube nicht, dass die spanischen Steuerzahler dieses Freihandelsspiel lange mitmachen.

Gast: Reflector
12.05.2012 18:23
1 0

Immer das Gleiche


Warum rettet man alle Banken?
Sind die sakrosant oder was?

Pleite gehen lassen und damit den 'Investoren' die ohnehin keine richtigen mehr sind, zeigen, dass sie ihre super Investitionen die sie in der 'Finanzindustrie' getätigt haben, ab nun in der Pfeiffe rauchen können.

Statt dessen verschuldet man die Bevölkerung bis unterkante Oberlippe.

Böse Zungen behaupten sogar, dass das gewollt sei, kann nicht stimmen oder?

Vorgangsweise wiederholt sich

Zuerst faule Banken, Staatshilfe, dann Staaten die Hilfe brauchen und die tiefe Löcher in die Budgets der noch einigermaßen haushaltenden Staaten wie Österreich oder Deutschland verursachen.

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/455425_Der-groesste-Betrug-bzw.-Selbstbetrug-in-der-Geschichte-der-2.-Republik.html


Gast: Hans im Glück
11.05.2012 19:20
3 1

Gibt es in Spanien auch andere Banken?

Sind das dort nicht alles BAD BANKS?

Spanien führt "Bad Banks" ein

Das ist ganz ausgezeichnet. Das blöde ist nur, dass die so verschwundenen Verluste plötzlich irgendwo anders wieder auftauchen.
Und noch blöder ist, dass sie das wieder an üblicher Stelle tun: Beim Steuerzahler.

Denn wie immer gilt: Wär´s ein gutes Geschäft, den Banken die Kredite abzukaufen, würd´s jemand tun. Tut´s keiner, bedeutet das, dass es ganz einfach ein Verlust ist.

Gilt übrigens auch für Anleihen bestimmter Länder. Wenn der böse Markt nicht kauft, ist´s vielleicht tatsächlich kein Supergeschäft.