Große Fonds stoßen Euro-Anlagen ab

25.05.2012 | 18:40 |   (Die Presse)

Europäische und US-amerikanische Fondsgesellschaften trennen sich von Euro-Anlagen im großen Stil. Grund ist die Angst vor einem griechischen Euro-Exit.

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Wien/Jil. Das Vertrauen in den Euro sinkt weiter. Gegenüber der „Financial Times“ haben Manager einiger der führenden Fondsgesellschaften in Europa und den USA bestätigt, dass sie Euro-Anlagen im großen Stil abstoßen. Der US-Währungsspezialist Merk Investments hat in diesem Monat sogar sämtliche Eurowerte aus seinem größten Fonds entfernt.

Grund für die Nervosität sind die Gerüchte über einen möglichen Exit Griechenlands aus der Eurozone. „Unseren letzten Euro haben wir am 15.Mai verkauft. Wir sind sehr besorgt darüber, wie schlecht es mit Griechenland läuft. Keiner spricht mehr mit den Verantwortlichen dort“, sagte Anlagen-Chef Axel Merk der „Financial Times“. Auch die britische Fondsgesellschaft Threadneedle hat Verkäufe bestätigt, genauso wie Europas zweitgrößte privatwirtschaftliche Fondsgesellschaft, Amundi.

 

„Politiker versagen“

Neil Williams, der Chefökonom von Hermes Fund Managers, wo man das Europa-Risiko schon fast auf null gedrückt hat, sagte: „Die Politiker versagen dabei, die Märkte davon zu überzeugen, dass sie die Probleme in der Eurozone angehen.“ Auch Pensionsfonds haben sich in den vergangenen Tagen verstärkt von Euro-Anlagen getrennt, so die „Financial Times“. Dabei sind die Fondsmanager keineswegs davon überzeugt, dass Griechenland den Euro verlassen wird. Es gehe in erster Linie um die Reduktion von Risiko. So sagte Eric Brard von Amundi: „Wir haben unser Euro-Risiko zwar minimiert, aber ein schwächerer Euro könnte für Europa und seine Exportwirtschaft sogar gut sein. Wir gehen davon aus, dass die Eurozone nicht zerbrechen und Griechenland in der Eurozone bleiben wird. Aber aus pragmatischer Sicht muss man sagen, dass die Märkte in den letzten Wochen ein steigendes Risiko eines Griechenland-Austritts sehen.“

Amundi entstand durch ein Merger von Crédit Agricole Asset Management und Société Générale Asset Management vor drei Jahren. Die Fondsgesellschaft verwaltet insgesamt 659 Mrd. Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2012)

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9 Kommentare
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Ich besitze zum Glück nicht viele Euros

Aktien aus dem Nicht-Euro-Raum, Gold, Dollars und sonstige Sachwerte.

Antworten Gast: 1. Parteiloser
26.05.2012 13:15
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Re: Ich besitze zum Glück nicht viele Euros

Noch besser:
Das eigene Leistungsvermögen betreffend Leistungen, welche die Gesellschaft immer braucht, optimieren / erhalten. Das könnte die Unabhängigkeit von den Planwirtschafter, den Gelddruckern, den Monstern Finanz- und Staatsunwesen, bringen und so die eigene Existenz nicht nur sichern, sondern in Wohlstand garantieren.

Gast: 1. Parteiloser
26.05.2012 09:52
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Dann wird die EZB Bilanzsumme eben auf 10 Billonen anwachsen!

Wenn die eigenverantwortlichen Geldgeber, welche den planwirtschaftlichen Wahnsinn in Europa lange finanziert haben, keine Finanzierungen der abgewirtschafteten Staaten machen wollen, dann wird eben die EZB die Finanzierung sicherstellen.

Nur der offizielle Schuldenstand liegt ja schon bei etwa 10 Billionen Euro, welche refinanziert werden muss, der Bedarf an laufenden Neuverschuldung kommt neu dazu.

Könnte dann etwa so aussehen:

Bilanzsummenentwicklung EZB in Mio. Euro:
28.12.2017: 10.000.000 ?
26.12.2015: 8.000.000 ?
27.12.2012: 5.000.000 ?
11.05.2012: 2.971.512
23.12.2011: 2.733.235
23.12.2010: 1.926.154
23.12.2005: 1.019.749
27.12.2002: 832.558

Ob das für Hollande, Rompuy, Faymann und Konsorten auch reichen wird, das ist keineswegs gesichert. Die Planwirtschafter wollen ja die immer mehr fehlenden nutzbaren volkswirtschaftlichen Leistungen durch Geldschöpfung kompensieren.

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Re: Dann wird die EZB Bilanzsumme eben auf 10 Billonen anwachsen!

Sie müssen nur warten, bis sich die realwirtschaftliche Lage entsprechend verschlechtert, dann dürfen sie wieder planen ;-)


Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
26.05.2012 13:13
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Re: Re: Dann wird die EZB Bilanzsumme eben auf 10 Billonen anwachsen!

Dass die Geldgeber der Staaten die Gelder nicht mehr geben wollen, das hat erst einmal mit der Realwirtschaft kaum was zu tun. Da geht es nur um den Handel mit den Staatsanleihen und den "Verlauf" der neuen Staatsanleihen. Betrifft ausschließlich die Monster Staatsunwesen und Finanzunwesen. Wenn das Monster Finanzunwesen die Monster Staatsunwesen nicht mehr füttern will, dann muss einfach die EZB die Fütterung übernehmen. Das sind erst mal reine Buchungsvorgänge, welche auch noch immer nichts mit der Realwirtschaft zu tun haben. Das bedeutet aber auch, dass dieser Vorgang der Geldschöpfung eine verspätete Wirkung auf die Realwirtschaft haben wird. Die schon erfolgte Geldschöpfung ist ja auch noch nicht vollständig in der Realwirtschaft angekommen.

Die EZB Bilanzsumme, wenn die Käufer der Staatsanleihen nicht mehr wollen, die Entwicklung ist durchaus schon absehbar. Die Auswirkungen auf die Realwirtschaft sind aber kaum greifbar, weil die kommenden Wechselkurse kaum abgeschätzt werden können (Export Euroraum) und auch unklar ist wie weit es wirklich mit den realen Leistungen noch nach unten gehen kann. Ich würde meinen, bei mehr als 20% Reduktion würde es schon Massenelend geben.

Ich selber plane eher ein Wachsen der Realwirtschaft, vor allem bei langfristiger Betrachtung, weil nur die Realwirtschaft die Versorgung der Gesellschaft sicherstellen kann. Deren Wertigkeit kann nur wachsen.

smart money ist schon lange draussen

derzeit zieht sich big money zurueck

game over

Gast: Reflector
25.05.2012 22:04
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Grexodus

Die Sache nimmt damit weiter Fahrt auf. Interessant diese Inszenierung!

Man wird die € Dämmerung evtl. den Griechen anhängen, passt ja zu Tragödien.

Auf jeden Fall dürfte der € unter Druck stehen.

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Re: Grexodus

DER Euro hält sich aber überraschend "gut".

Das hängt vermutlich damit zusammen, dass die Geldmenge in Euros derzeit auch kaum wächst.

Gast: Reflector
25.05.2012 19:47
0 0

Grexodus


Die Sache nimmt damit weiter Fahrt auf. Interessant diese Inszenierung!

Man wird die € Dämmerung evtl. den Griechen anhängen, passt ja zu Tragödien.

Auf jeden Fall dürfte der € unter Druck stehen.

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