Rohstoffe haben in den vergangenen Wochen deutlich an Wert verloren. Wer sich zu Jahresbeginn mit entsprechenden Zertifikaten, Fonds oder Aktien eingedeckt hat, muss oft Verluste verkraften. Lediglich Edelmetalle wie Gold und Silber kosten derzeit etwa gleich viel wie zu Jahresbeginn. Anleger aus der Eurozone können sich dank der Schwäche ihrer Währung sogar über leichte Gewinne freuen.
Die Preise für die meisten Industriemetalle sowie für Öl, Energie und viele Agrarrohstoffe haben seither aber nachgegeben. Der GSCI Spot Index, der die Wertentwicklung von 24 Rohstoffen widerspiegelt, hat allein im Mai fast 15 Prozent verloren. Seit Jahresbeginn liegt er acht Prozent im Minus. Eine echte Trendwende scheint kurzfristig nicht in Sicht: Negative Überraschungen bei der Konjunktur (siehe unten) und die unklare Reaktion der Notenbanken haben den Preisen auch in den vergangenen Tagen zugesetzt.
Zwar hat Chinas Notenbank den Leitzinssatz um einen Viertelprozentpunkt gesenkt, was normalerweise die Konjunktur ankurbelt und für eine höhere Rohstoffnachfrage sorgt. Diesmal war das aber nicht der Fall. „Mittlerweile herrschen unter den Marktteilnehmern Sorgen vor, dass es doch zu einem sogenannten Hard Landing im Reich der Mitte kommen könnte und die Zentralbank die Zinsen möglicherweise deswegen gesenkt hat“, heißt es in einem Commerzbank-Kommentar.
Keine Hilfe aus den USA. Auch eine Rede von US-Notenbankchef Ben Bernanke vergangene Woche sorgte für wenig Freude. Die Anleger hatten gehofft, dass er konkrete konjunkturstützende Maßnahmen ankündigen würde. Das tat er aber nicht. Die meisten Rohstoffpreise gaben nach, auch der Goldpreis konnte sich diesem Trend nicht entziehen. Nachdem er sich kurzzeitig erholt hatte, lag er am Freitag wieder deutlich unter der Grenze von 1600 Dollar je Feinunze. In Euro kostete eine Feinunze des glänzenden Edelmetalls zuletzt etwa 1270 Euro. Die Angst vor starker Inflation, die normalerweise dem Goldpreis hilft, hat angesichts der schwachen Konjunkturdaten nachgelassen. Die Tatsache, dass die Zinsen niedrig sind und damit die Alternativen zum zinslosen Gold gering, hilft derzeit auch wenig: Die Investoren suchen sichere Investments, und der Goldpreis schwankte in den vergangenen zwölf Monaten stark.
Industriemetalle weniger gefragt. Industrierohstoffe haben noch stärker an Attraktivität verloren. Der Kupferpreis hat vor Kurzem ein neues Tief seit Jahresbeginn erreicht (das Industriemetall gilt als wichtiger Konjunkturindikator), der Preis für Nickel ist um fast ein Viertel gefallen. Öl der Nordseesorte Brent hat sich seit Jahresbeginn um neun, jenes der Sorte WTI um 17 Prozent verbilligt. Ursache ist die geringere Nachfrage. Die hohen Lagerbestände lassen ebenfalls nicht auf eine Trendwende in absehbarer Zeit hoffen.
Wer in Rohstoffe investiert, wird sich also weiterhin auf starke Preisschwankungen einstellen müssen. Wer langfristig anlegen will, kann Preisrückgänge aber zum Einstieg nutzen. In Rohstoffe investieren kann man entweder direkt (bei Gold) oder über Fonds und Zertifikate (dabei sollte man darauf achten, dass diese tatsächlich mit dem Rohstoff unterlegt sind). Auch Minenaktien stellen eine Alternative dar: Goldminenaktien konnten zwar lange Zeit nicht mit dem Goldpreis mithalten, seit Mitte Mai haben sie aber deutlich angezogen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.06.2012)

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