Wien/Red. Müssten die diesjährigen Gastgeber der Fußballeuropameisterschaft in einem Investitionswettbewerb gegeneinander antreten, würde Polen das Match 3:1 gewinnen. Davon sind zumindest die Experten der Erste Sparinvest überzeugt.
Das erste „Tor“ für die Polen falle wegen des kräftigeren Wirtschaftswachstums. Die Ukraine wachse heuer voraussichtlich um 2,5, Polen aber um 2,6 Prozent. Die Ukraine sei dabei noch stärker abhängig von der Entwicklung der Rohstoffpreise. Der zweite Vorteil Polens seien die öffentlichen Finanzen. Zwar falle die Schuldenquote mit 55 Prozent höher aus als in der Ukraine (38,5 Prozent). Dieser Wert sei allerdings in der Verfassung festgeschrieben, und außerdem komme die Ukraine auch ohne hohe Schulden immer wieder in Liquiditätsprobleme.
Noch weiter in Führung gehen die Polen mit ihrem deutlich entwickelteren Aktienmarkt. Die Marktkapitalisierung der Börse Warschau ist mit 250 Mrd. Euro mehr als achtmal so hoch wie die der ukrainischen Börse. Dort fänden sich vorwiegend Titel von Unternehmen aus dem Agrarsektor, und das Risiko sei hoch, so die Sparinvest-Analysten.
Polen mit besserem Rating
Aufgrund der höheren Renditechancen bei zehnjährigen Staatsanleihen gesteht die Sparinvest der Ukraine einen „Anschlusstreffer“ zu. Das Land muss Investoren auch bei Anleihen, die in US-Dollar begeben werden, knapp zehn Prozent bieten. In Polen liegt dieser Wert bei 3,9 Prozent. Polen (Rating A– bei Standard & Poor's) glänzt auch mit einem besseren Rating als das Nachbarland (B+).
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2012)

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