Dublin/Bloomberg. Was die Spanier gerade durchmachen, dürfte den Iren bekannt vorkommen: Gefolgt von einem lauten Platzen der Immobilienblase kommen die größten Finanzinstitute des Landes ins Wanken und müssen aufgefangen werden. Im Moment wird in Spanien auf die Ergebnisse externer Stresstests gewartet, die das wahre Ausmaß des Lochs im Bankensystem offenbaren sollen.
Irische Bankanalysten und Finanzexperten haben schon jetzt einige Ratschläge für ihre spanischen Leidensgenossen parat: „Stellen Sie sich das schlimmste Ausmaß an Verlusten vor. Und dann verdoppeln Sie die Zahl“, so der Rat von Eoin Fahy, Ökonom bei Kleinwort Benson Investors in Dublin. Und weiter: „Gehen Sie von den konservativsten Annahmen aus.“
Lektion gelernt, Berater engagiert
Drei Lektionen hätten die Iren aus ihren eigenen Erfahrungen gezogen. Erstens: Versuchen Sie, das Ausmaß der faulen Kredite möglichst schnell zu erfassen. Zweitens: Zwingen Sie die Banken, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Zur Not müssten sogenannte Bad Banks kreiert werden. Und drittens: Wälzen Sie so viele Verluste wie möglich auf die Inhaber von Bankanleihen ab. „Die Spanier müssen die wirtschaftliche Realität akzeptieren, auch wenn sie Immobilienkredite zu 40, 60 oder sogar 80 Prozent abschreiben müssen“, sagt Alan Ahearne, früherer Berater des irischen Finanzministers Brian Lenihan, der die Bankenhilfen damals einleitete. „Wen versuchen sie hinters Licht zu führen, wenn sie das wahre Ausmaß der Verluste nicht verraten?“
Die spanische Regierung hat die Banken bereits dazu veranlasst, 45 Prozent des aushaftenden Kreditvolumens als Risikovorsorge beiseitezulegen. 100 Mrd. Euro sind von den EU-Partnern bereits als Hilfe für das Finanzsystem zugesagt worden. Dass Spanien schon jetzt externe Berater damit beauftragt hat, die Bücher der Banken zu durchkämmen, deutet darauf hin, dass sie aus dem Fall Irland etwas gelernt haben. Die Ergebnisse der Beratungsfirmen Roland Berger und Oliver Wyman werden gerade erwartet.
Irland schaffte es hingegen erst zweieinhalb Jahre, nachdem es den Banken umfangreiche Garantien gegeben hatte, externe Experten zu engagieren. Im Oktober 2008 gab sich der damalige Finanzminister Lenihan noch zuversichtlich und nannte das irische „Bail-out“ das „günstigste in der Geschichte“, weil noch kein Cent tatsächlich geflossen war. Zwei Monate später benötigten die Banken plötzlich zehn Mrd. Euro. 2010 brauchten die Institute dann nochmal über 30 Mrd. Euro.
Zentrale Bad Bank für Kredite
Als die Kosten für die Bankenrettung begannen, aus dem Ruder zu laufen, musste das Land unter den Rettungsschirm (EFSF) schlüpfen. Als Teil des Deals engagierte man den Finanzdienstleister Blackrock, der den Kapitalbedarf der notleidenden Institute ermitteln sollte. „Spanien hat eine wichtige Lektion gelernt: Unabhängige Leute müssen die Löcher beziffern“, so Fahy.
Wie man mit den Verlusten umgeht, ist eine andere Frage. Noch fährt Spanien die Strategie, einzelne Institute zu stützen und zu restrukturieren, obwohl von einigen Seiten radikalere Schritte gefordert werden. Irland reagierte auf die Bankenkrise, indem eine zentrale Bad Bank für faule Immobilienkredite eingerichtet wurde. Dort konnten die Institute den „Giftmüll“ aus ihren Bilanzen abladen. Eine Lösung, die, vielleicht in abgewandelter Form, auch in Spanien Realität werden könnte.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2012)

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