Wien/ES. Wenn die Finanzbranche über schlechte Arbeitsbedingungen klagt und mehr Gehalt fordert, ruft das in der Bevölkerung meistens wenig Mitleid hervor. Eine Umfrage der zuständigen Gewerkschaft GPA-djp unter mehr als 9000 österreichischen Angestellten der Finanzbranche zeichnet jedoch das Bild eines nicht gerade optimalen Arbeitsumfeldes.
Die meisten Probleme gebe es bei den „ganz normalen Schalterbeamten“. Diese hätten den meisten Kontakt mit Kunden und bekämen seit der Finanzkrise deren Unmut direkt zu spüren, berichtet Wolfgang Katzian, Vorsitzender der GPA-djp. 86 Prozent der Bankangestellten geben zudem an, täglich mehr als zehn Stunden zu arbeiten. 16 Prozent beanstanden, dass Überstunden nicht abgegolten werden. 43 Prozent weisen auf eine mangelhafte Vergütung von Überstunden bei sogenannten „All-in-Verträgen“ und Überstundenpauschalen hin.
Verkäufer mit Gewissensbissen
Belastend seien auch überzogene Zielvorgaben: Knapp die Hälfte der Befragten gibt an, diese nur „mit großen Anstrengungen“ erfüllen zu können, 12 Prozent halten sie für völlig unrealistisch. Dazu kommt, dass viele Befragte die von ihnen verlangten Verkaufsziele für moralisch fragwürdig halten: „Viele Bankangestellte finden, dass sie, wenn sie gezwungen sind, ihren Kunden hauseigene Finanzprodukte zu empfehlen, ihre Beraterfunktion nicht optimal ausüben können“, sagt Katzian. Der Kunde erhalte oft wider besseren Wissens des Beraters nicht das beste Produkt.
80 Prozent halten eine Erhöhung ihres Ist-Gehalts für wichtig. Der Kollektivvertragsabschluss vom März 2012 sieht eine Anhebung der Mindestgehälter um 3,1 Prozent vor.

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