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Mildere Kapitalregeln für Versicherer

20.06.2012 | 18:35 |   (Die Presse)

Um die Branche nicht in Schwierigkeiten zu bringen, könnten Versicherungskonzerne bei der Umsetzung neuer Kapitalregeln von der EU eine Schonfrist erhalten.

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Wien/Dpa/Bloomberg. Aufgrund massiven Drucks aus der Branche will die EU die geplanten strengeren Kapitalregeln für Versicherer abmildern. Um die Anbieter nicht in Schwierigkeiten zu bringen, gebe es Überlegungen, alle bestehenden Verträge für sieben Jahre von dem neuen Regelwerk „Solvency II“ auszunehmen, berichtete die „Financial Times Deutschland“ am Mittwoch. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier bestätigte am Mittwoch den Bericht.

Die neuen Kapitalregeln sollen ab dem Jahr 2014 gelten. Für die Altverträge würden zunächst weiter die alten Standards angewandt. Derzeit laufen in Brüssel die Abstimmungen zwischen EU-Kommission, Parlament und Ministerrat. Das Thema der Altverträge werde dabei diskutiert, sagte ein Sprecher von Barnier. Beschlossen sei aber noch nichts.

40 Prozent fallen durch

Mit den neuen Regeln zur Eigenkapitalausstattung will Brüssel die Versicherungsbranche krisenfest machen. Die Anbieter müssen künftig für alle Risken bestimmte Eigenmittel vorweisen. Wer hohe Risken eingeht und zum Beispiel in Aktien investiert, muss mehr Kapital vorhalten als bei Staatsanleihen. Zudem gibt es neue Berichtspflichten und eine strengere Aufsicht. Das Ziel lautet, Pleiten von Versicherern zu verhindern und so die Kunden zu schützen.

Mit der Schonfrist bei Altverträgen reagiert die EU auf Warnungen, dass viele Versicherer mit den neuen Regeln Probleme bekommen könnten. Laut FTD hat ein Test der deutschen Branche gezeigt, dass rund 40 Prozent der Lebensversicherer in Schwierigkeiten geraten würden, rund zehn Prozent sogar in Existenznot. Das Problem sei das niedrige Zinsniveau, das sich unter „Solvency II“ sehr negativ auswirke. Die österreichische Finanzmarktaufsicht veröffentlicht keine Details zu Stresstests der heimischen Assekuranzen.

Marktpreisbewertung als Problem

Ein weiterer Punkt aus dem neuen Regelwerk, der für Turbulenzen sorgen könnte, sind die neuen Bewertungsstandards. Alle Vermögenswerte und Verpflichtungen müssen künftig nach dem aktuellen Marktpreis bewertet werden. Ein Blick nach Dänemark, wo die Bewertung zum Marktpreis seit zehn Jahren verpflichtend ist, zeigt die Probleme: Versicherer und Pensionsfonds würden gezwungen sein, sich wie kurzfristig orientierte Anleger zu verhalten, kritisiert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Dadurch würden sie zur Instabilität des Marktes beitragen, anstatt ihn zu stabilisieren.

In Dänemark sollen die Regeln daher aufgeweicht werden. Die Marktpreisbewertung müsse angepasst werden, um in volatilen Zeiten zu funktionieren, heißt es. Nach Bekanntgabe der Pläne schossen langfristige dänische Staatsanleihen in die Höhe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2012)

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1 Kommentare

Sinnlos!

Was nützt die Schonfrist, wenn das System kaputt ist? Die erbarmungslose Schuldenpolitik, das Auslagern der Probleme in die Zukunft der Staaten und der EU, wie sie von den Linken in Europa seit Jahrzehnten propagiert und praktiziert wurde und wird, hat dazu geführt, daß wir uns auf die einfachsten Dinge nicht mehr verlassen können: Statt Solidargemeinschaft der Bürger soziale Kälte nach dem Motto "Geiz ist geil", statt des Beitrags des Einzelnen zum gesellschaftlichen Wohlstand purer Hedonismus mit verabsolutiertem Anspruchsdenken, statt geregelter Staatsfinanzen kaputte Anleihen mit Spekulationshintergrund.

Damit die Linken nicht alleine sind mit der Schuld an der Misere, haben die Kapitalisten auch Schulden aufgehäuft. Allein in den Derivaten wird der aktuelle Schuldenstand mit 1,6 Billiarden (!) USD beziffert (1,600.000.000.000.000 $). In den in den USA üblichen 100-Dollar-Scheinen ausgedrückt, reicht der Stapel über die Strecke Erde–Mond hinaus. Die Chance, daß das jemals geregelt bezahlt werden kann, gibt es nicht mehr. Werden die Kosten in diesem Bereich zu groß, hat das Weltwährungssystem keine Chance mehr.

Und da soll die "Schonfrist" uns (denn nicht die Versicherungen, WIR VERSICHERTE sind die Betroffenen) in irgendeiner Weise helfen? Das glaube, wer will, ich nicht.