Futter für die Börsenhaie

05.05.2012 | 18:05 |  ju (Die Presse)

Warum man bei Börsegängen am ersten Handelstag die Börse strikt meidet. Wer vermeiden will, als Futter für Börsenhaie zu enden, der sieht sich die Lage nach dem IPO erst einmal in Ruhe von der Seitenlinie aus an.

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Angesichts des bevorstehenden Rummels um den Facebook-Börsegang eine Warnung, die hier schon einmal zu lesen war: Bitte in den ersten Tagen nach dem IPO keine unlimitierten Kaufaufträge stellen. Am besten gar keine. Denn bei so gut wie allen hochgehypten Börsegängen zahlen euphorisierte Kleinanleger in den ersten Tagen drauf. Und Profi-Börsenhaie machen vor allem am ersten Handelstag reiche Beute unter den Schwärmen von „kleinen Fischen“, die versuchen, ein paar Brösel vom IPO-Kuchen zu erhaschen.

Das Muster ist immer das gleiche: Profis decken sich im Vorfeld ein. Für Kleinanleger bleibt bei der „Zuteilung“ nichts oder fast nichts übrig. Die werden an die Börse verwiesen – und stellen in den ersten Handelstagen große Kaufauftragsvolumina, womöglich noch unlimitiert, ins Handelsbuch. Die Folge: Am Ende des ersten Handelstages liegt die Notierung deutlich über dem Ausgabekurs. Die zehn, 20, 30 oder noch mehr Prozent Gewinn am ersten Handelstag streifen aber nicht die „Kleinen“ ein. Die haben ja zu den hohen Kursen gekauft. Sondern die Profis, die ausreichend „zugeteilt“ wurden und mit diesem Material die „kleinen Fische“ zu stark überhöhtem Kurs „füttern“. Die Folge: Die Kurse beginnen bald nach dem IPO wieder zu sinken. Die „Großen“ haben satte Kurzfristgewinne in die Scheune gefahren, die „Kleinen“ starten erst einmal mit einem satten Verlust ins Aktionärsleben.

Wer vermeiden will, als Futter für Börsenhaie zu enden, der sieht sich die Lage nach dem IPO erst einmal in Ruhe von der Seitenlinie aus an. In 99 von hundert Fällen bekommt er das Papier in den Folgetagen und -wochen billiger.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.05.2012)

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