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Bausparen: Werbung und Wirklichkeit

31.01.2011 | 18:32 |  ANDREAS KERSCHBAUMER (Die Presse)

Bausparkassen locken mit hohen Zinssätzen. Doch Bausparen sieht auf den ersten Blick viel besser aus, als es ist. Trotzdem: Man fährt besser als mit einem Sparbuch. Sofern man das Geld sechs Jahre nicht braucht.

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Wien. Wer jetzt vorhat, sein Geld in einen „Bausparer“ zu stecken, sollte sich von der Werbung nicht blenden lassen. Zwar locken die heimischen Bausparkassen mit hohen Fix-Zinssätzen von 2,75 bis 4,5 Prozent für das erste Jahr. Wenn man aber über die nächsten sechs Jahre (so lange ist die Mindestlaufzeit) weiter rechnet, schaut es nicht so rosig aus.

Nach dem ersten Jahr fallen die Zinsen rapide ab, wie das Produkt „Dynamisches Bausparen“ der Bausparkasse Wüstenrot verdeutlicht. Der jährliche Zinssatz wird nämlich Ende November festgelegt und errechnet sich aus dem Geldmarktzins „Euribor 12 Monate“ (siehe Artikel unten, Anm.) minus 1,3 Prozentpunkte. Laut Prognose der UniCredit wird der Zwölf-Monats-Euribor zu diesem Zeitpunkt bei knapp 1,9 Prozent stehen. Zieht man die 1,3 Prozentpunkte ab, bleiben 0,6 Prozent übrig. Der Sparer erhält somit für den Bausparer für das zweite Jahr lediglich die Mindestverzinsung von einem Prozent.

Zinsen steigen nicht stark genug

Die Hoffnung auf viel höhere Zinsen sollte vorerst nicht sehr groß sein. Dass der Zwölf-Monats-Euribor in den nächsten zwei Jahren wieder auf vier Prozent steigen könnte (damit würde man beim Bausparer 2,7 Prozent bekommen), hält Michael Rottmann, Zins- und Währungsexperte der UniCredit, für unrealistisch. „Da müsste es mit der Konjunktur im Euroraum schon sehr rasant bergauf gehen. Nicht nur in den Kernländern wie Deutschland oder Österreich. Sondern auch in den Peripherieländern“, so Rottmann.

Die Bausparkassen haben jedoch ein Asset, auf das sie gerne verweisen: Nämlich die staatliche Prämie. Wenn man 1200 Euro im Jahr einzahlt, bekommt man derzeit vom Staat drei Prozent, also 36 Euro, geschenkt. Das ist tatsächlich nicht schlecht. Es drängt sich dennoch der Vergleich auf, ob man mit einem Bausparer oder einem Sparbuch besser fährt.

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Bausparer: Man zahlt jeweils zum Jahresbeginn 1200 Euro an Prämie auf einmal ein. Damit zahlt man also in sechs Jahren 7200 Euro ein. Inklusive Verzinsung und staatlicher Prämie sollte man bei der Raiffeisen Bausparkasse nach sechs Jahren 8157 Euro ausbezahlt bekommen. Aber: Diese Raiffeisen-Prognose nimmt an, dass man jährlich 2,75Prozent an Zinsen bekommt. Dass ist zumindest in den nächsten zwei Jahren zu optimistisch angesetzt. Um nämlich tatsächlich auf 2,75Prozent zu kommen, müsste der Zwölf-Monats-Euribor auf über vier Prozent steigen, was zumindest laut der vorhin erwähnten Prognose von UniCredit eher nicht möglich sein wird.


Sparbuch: Man legt jährlich 1200 Euro auf ein Sparbuch und bindet das Geld fix auf ein Jahr. Derzeit bekommt man bei den besten Anbietern einen jährlichen fixen Zinssatz von zwei Prozent. Man kann aber annehmen, dass man ab dem dritten Jahr moderate 2,5Prozent und ab dem vierten Jahr drei Prozent erhalten wird. Nach sechs Jahren hätte man auf dem Konto einen Betrag von 7887 Euro (Zinseszinseffekt miteinberechnet). Also weniger, als man zuvor beim Bausparer bekommen hätte.

Zu beachten ist, dass sowohl beim Bausparer als auch beim Sparbuch die Kapitalertragsteuer (KESt) dazukommt. Das lässt die Erträge noch einmal ordentlich schmelzen. Bei einer Modellrechnung der sBausparkasse bekommt man bei einer jährlichen Prämie von 1200 Euro nach sechs Jahren 8226 Euro heraus. Zieht man die 25-prozentige KESt ab, bleiben nur noch 8016 Euro übrig. Die Prämie, die der Staat großzügig vergibt, holt er sich über die Steuer also wieder zurück.

Kündigen sollte man nicht

Achtung: Beim Bausparer sollte man das Spargeld während der Laufzeit von sechs Jahren nicht benötigen. Kündigt man den Vertrag vorzeitig, bleibt ein Minus. Denn das Sparguthaben wird „abgezinst“, die staatliche Prämie zurückverlangt und meist auch eine ordentliche Pönale verrechnet.

Was Sie beachten sollten bei . . . Bausparen
Beim Bausparvertrag sollte man wissen, wie sich die Zinsen zusammensetzen. So kann man abschätzen, ob die Prognosen der Bausparkassen realistisch sind.

Tipp 1

Variabler Zinssatz. Bei den gängigsten Bausparverträgen gibt es im ersten Jahr einen hohen Fixzinssatz, danach variable Zinsen. Die Sparer sollten beachten, wie die variablen Zinssätze jedes Jahr berechnet werden. Meistens orientieren sie sich am Zwölf-Monats-Euribor.

Tipp 2

Nachrechnen. Bei Raiffeisen und Wüstenrot wird der jährliche Zins ermittelt, indem vom Zwölf-Monats-Euribor im November davor 1,3 Prozentpunkte abgezogen werden. Da der Euribor im November bei knapp zwei Prozent liegt, werden die Zinsen beim Bausparen mickrig bleiben.

Tipp 3

Steuer. Der Staat schenkt Bausparern aktuell eine Prämie von drei Prozent (maximal 36 Euro) jährlich. Das macht Bausparen etwas attraktiver. Der Fiskus langt mit der Kapitalertragsteuer zum Schluss aber wieder kräftig zu und holt sich die Prämie teilweise zurücks.

Tipp 4

Geld zurück. Der große Nachteil beim Bausparen: Das Spargeld ist für sechs Jahre nicht verfügbar. Kündigt man den Vertrag vorzeitig, wird das Sparguthaben laut AK „abgezinst“, die staatliche Prämie vom Sparer zurückgeholt und eine „Pönale“ verrechnet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2011)

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10 Kommentare
Gast: Hubertus
01.02.2011 17:01
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Äpfel mit Birnen

Der Unterschied zwischen bausparen und Sparbuch ist gewaltig. Nämlich zum Nachteil des Bausparen. Beim bausparen bin auf 6 jahre gebunden. Bei jährlicher Einzahlung in etwa 3 Jahre für die gesamteinzahlung.Beim Sparbuch gem. Beispiel immer nur ein Jahr und man kann danach neu disponieren je nach Marktlage. Und dieser Riesenvorteil des Sparbuches ist Goldes wert und wird in dieser Kosten/Nutzenrechnung völlig ausgeblendet. Kein Experte dieser Journalist.

Gast: cheffee
01.02.2011 13:01
0 0

..... da kann ich auch unterm Kopfpolster sparen...

.... da wird mein Geld real auch immer weniger.....

.... man nehme Energieaktien/Versorger mit konstanten Dividenden.... da schlägt man jeden Bausparer mit leichtigkeit.....

.... ach ja... ich vergaß.... diese bösen Aktien....

...alle die ihre Ersparnisse auf ein Sparbuch /Bausparer legen sind eh selber schuld....

Gast: Gast
01.02.2011 12:14
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Schade

Schade, Hr. Kerschbaumer, dass Sie nur die Zahlen aus den Werbebroschüren der Bausparkassen abgeschrieben haben, obwohl Sie ein realsitisches Gefühl für die Entwicklung an den Tag legen. Warum haben Sie das Beispiel nicht mir Ihren *eigenen* Annahmen durchgerechnet?

Rechnen Sie mit 4,5% im ersten Jahr und 1% im 2.+3. Jahr, 1,75% im 4., und 2,75% im 5.+6. Jahr, dazu Prämie 36 EUR/Jahr (das ist auch schon optimistisch), inkl. KESt aber noch ohne Bankspesen (Kontoführung) kommen Sie dann auf einen Auszahlungsbetrag von ca. 7.857 EUR.

Das Sparbuch kommt mit Ihren Zahlen aber mit KESt (welchen Sinn soll es haben, die KESt nicht zu berücksichhtigen, die fast alle zahlen müssen?) auf 7.744 EUR.

Insgesamt also ein so geringer Unterschied, dass man schon die Bankspesen mitberücksichtigen muss um zu einer exakten Aussage zu kommen.

Zusammenfassend ist das aber sowieso das Wettrennen von zwei Verlierern, beim Sparbuch aber immerhin die kürzere und flexiblere Bindung von Vorteil. Und ein Bauspardarlehen bekommt man allemal auch ohne einen laufenden Vertrag zu haben.

Gast: Novalis
01.02.2011 09:27
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Unverschämt niedrige Zinsen

Da wurde lange über fehlende Liqudität gejammert - und den Kunden, die der Bank Geld zur Verfügung stellen, werden weniger Zinsen gegeben, als die Inflation ausmacht ???

---

Der einzige Sinn, den ein Bausparvertrag noch machen könnte, ist die damit verbundene Darlehensmöglichkeit zu einem fixen Zinsrahmen.

roger
01.02.2011 08:19
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Kleingedrucktes

Neben der mickrigen Rendite sollte man sich auch die Rückzahlungsbedingungen zu Gemüte führen:

"Die Rückzahlung des Bausparguthabens erfolgt in der Regel innerhalb einer angemessenen Bearbeitungsfrist sofort. Reichen die flüssigen Mittel nicht aus, so werden die gekündigten Beträge in der Reihenfolge der Kündigung nach Maßgabe der verfügbaren Mittel zurückgezahlt."

Nach Maßgabe der verfügbaren Mittel... das sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen!

Martin_01
31.01.2011 22:05
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Pönale


Die Pönale bei vorzeitiger Vertragsauflösung beträgt 1,5 Monatsprämien, also i.d.R. 150 Euro, zusätzlich zu den erwähnten Nachteilen.

Es gibt derzeit nichts Dümmeres, als so einen Bausparvertrag zu unterschreiben. Wenn man die Inflation einrechnet, so ist der Gewinn gleich null.
Man gibt der Bank einen zinsenlosen Kredit ...

Ich kann nur sagen: Nie wieder, nein danke!

Antworten Gast: gast
01.02.2011 01:21
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Re: Pönale

"Es gibt derzeit nichts Dümmeres, als so einen Bausparvertrag zu unterschreiben."

doch, eine lebensversicherung zu unterschreiben.

Gast: ASVG-Sklave
31.01.2011 21:29
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lachhaft

Wer (jetzt noch) einer Bank sein Geld anvertraut, gehört bestraft. Der Bausparer ist eine solche angemessene Bestrafung der Dümmsten unter uns. Da ist ja mit Kartoffeleinlagern noch mehr Geld zu machen.

Antworten JoeJo
01.02.2011 01:21
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Dann erklären Sie doch mal, wo SIE ihr Geld anlegen

wenn nicht auf einer Bank?

Und ich finde es ist immer noch besser nach 6 jahren 8000 Euro zu haben, als gar nix...weil man es sich ganz einfach nicht anspart bzw. es wieder zwischendurch verbraucht, wenn es nicht gebunden ist.

Gast: Gast
31.01.2011 21:26
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Sparen

zahlt sich überhaupt nicht mehr aus. Vom Gewinn der Zinsen kassiert der Staat 25%Kest. Besser man geht auf die wie Schwammerln aus dem Boden schiessenden Glücksspiellokale. So oder so. Es wird einem das Geld aus der Tasche gezogen.