Wien. Wer jetzt vorhat, sein Geld in einen „Bausparer“ zu stecken, sollte sich von der Werbung nicht blenden lassen. Zwar locken die heimischen Bausparkassen mit hohen Fix-Zinssätzen von 2,75 bis 4,5 Prozent für das erste Jahr. Wenn man aber über die nächsten sechs Jahre (so lange ist die Mindestlaufzeit) weiter rechnet, schaut es nicht so rosig aus.
Nach dem ersten Jahr fallen die Zinsen rapide ab, wie das Produkt „Dynamisches Bausparen“ der Bausparkasse Wüstenrot verdeutlicht. Der jährliche Zinssatz wird nämlich Ende November festgelegt und errechnet sich aus dem Geldmarktzins „Euribor 12 Monate“ (siehe Artikel unten, Anm.) minus 1,3 Prozentpunkte. Laut Prognose der UniCredit wird der Zwölf-Monats-Euribor zu diesem Zeitpunkt bei knapp 1,9 Prozent stehen. Zieht man die 1,3 Prozentpunkte ab, bleiben 0,6 Prozent übrig. Der Sparer erhält somit für den Bausparer für das zweite Jahr lediglich die Mindestverzinsung von einem Prozent.
Zinsen steigen nicht stark genug
Die Hoffnung auf viel höhere Zinsen sollte vorerst nicht sehr groß sein. Dass der Zwölf-Monats-Euribor in den nächsten zwei Jahren wieder auf vier Prozent steigen könnte (damit würde man beim Bausparer 2,7 Prozent bekommen), hält Michael Rottmann, Zins- und Währungsexperte der UniCredit, für unrealistisch. „Da müsste es mit der Konjunktur im Euroraum schon sehr rasant bergauf gehen. Nicht nur in den Kernländern wie Deutschland oder Österreich. Sondern auch in den Peripherieländern“, so Rottmann.
Die Bausparkassen haben jedoch ein Asset, auf das sie gerne verweisen: Nämlich die staatliche Prämie. Wenn man 1200 Euro im Jahr einzahlt, bekommt man derzeit vom Staat drei Prozent, also 36 Euro, geschenkt. Das ist tatsächlich nicht schlecht. Es drängt sich dennoch der Vergleich auf, ob man mit einem Bausparer oder einem Sparbuch besser fährt.
•Bausparer: Man zahlt jeweils zum Jahresbeginn 1200 Euro an Prämie auf einmal ein. Damit zahlt man also in sechs Jahren 7200 Euro ein. Inklusive Verzinsung und staatlicher Prämie sollte man bei der Raiffeisen Bausparkasse nach sechs Jahren 8157 Euro ausbezahlt bekommen. Aber: Diese Raiffeisen-Prognose nimmt an, dass man jährlich 2,75Prozent an Zinsen bekommt. Dass ist zumindest in den nächsten zwei Jahren zu optimistisch angesetzt. Um nämlich tatsächlich auf 2,75Prozent zu kommen, müsste der Zwölf-Monats-Euribor auf über vier Prozent steigen, was zumindest laut der vorhin erwähnten Prognose von UniCredit eher nicht möglich sein wird.
•Sparbuch: Man legt jährlich 1200 Euro auf ein Sparbuch und bindet das Geld fix auf ein Jahr. Derzeit bekommt man bei den besten Anbietern einen jährlichen fixen Zinssatz von zwei Prozent. Man kann aber annehmen, dass man ab dem dritten Jahr moderate 2,5Prozent und ab dem vierten Jahr drei Prozent erhalten wird. Nach sechs Jahren hätte man auf dem Konto einen Betrag von 7887 Euro (Zinseszinseffekt miteinberechnet). Also weniger, als man zuvor beim Bausparer bekommen hätte.
Zu beachten ist, dass sowohl beim Bausparer als auch beim Sparbuch die Kapitalertragsteuer (KESt) dazukommt. Das lässt die Erträge noch einmal ordentlich schmelzen. Bei einer Modellrechnung der sBausparkasse bekommt man bei einer jährlichen Prämie von 1200 Euro nach sechs Jahren 8226 Euro heraus. Zieht man die 25-prozentige KESt ab, bleiben nur noch 8016 Euro übrig. Die Prämie, die der Staat großzügig vergibt, holt er sich über die Steuer also wieder zurück.
Kündigen sollte man nicht
Achtung: Beim Bausparer sollte man das Spargeld während der Laufzeit von sechs Jahren nicht benötigen. Kündigt man den Vertrag vorzeitig, bleibt ein Minus. Denn das Sparguthaben wird „abgezinst“, die staatliche Prämie zurückverlangt und meist auch eine ordentliche Pönale verrechnet.
Tipp 1
Variabler Zinssatz. Bei den gängigsten Bausparverträgen gibt es im ersten Jahr einen hohen Fixzinssatz, danach variable Zinsen. Die Sparer sollten beachten, wie die variablen Zinssätze jedes Jahr berechnet werden. Meistens orientieren sie sich am Zwölf-Monats-Euribor.
Tipp 2
Nachrechnen. Bei Raiffeisen und Wüstenrot wird der jährliche Zins ermittelt, indem vom Zwölf-Monats-Euribor im November davor 1,3 Prozentpunkte abgezogen werden. Da der Euribor im November bei knapp zwei Prozent liegt, werden die Zinsen beim Bausparen mickrig bleiben.
Tipp 3
Steuer. Der Staat schenkt Bausparern aktuell eine Prämie von drei Prozent (maximal 36 Euro) jährlich. Das macht Bausparen etwas attraktiver. Der Fiskus langt mit der Kapitalertragsteuer zum Schluss aber wieder kräftig zu und holt sich die Prämie teilweise zurücks.
Tipp 4
Geld zurück. Der große Nachteil beim Bausparen: Das Spargeld ist für sechs Jahre nicht verfügbar. Kündigt man den Vertrag vorzeitig, wird das Sparguthaben laut AK „abgezinst“, die staatliche Prämie vom Sparer zurückgeholt und eine „Pönale“ verrechnet.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2011)

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