Wien. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Nicht nur, wenn der Urlaub zur Zufriedenheit aller Beteiligten abgelaufen ist, sondern auch, wenn Unvorhergesehenes eintritt. Um sich für den Ernstfall im Urlaub abzusichern, gibt es Reiseversicherungen. Doch das Angebot ist zahlreich und kaum zu überblicken. Reiseversicherungen werden etwa von der Europäischen Reiseversicherung, von Mondial, Uniqa und der Wiener Städtischen, aber auch von Kreditkartenfirmen, Autofahrerklubs und Reiseveranstaltern angeboten.
Nicht jedes Produkt kann alles, Unterschiede gibt es zwischen den einzelnen Anbietern, nicht nur was die maximale Gültigkeit betrifft. Sondern auch bei den abgedeckten Versicherungsleistungen gibt es Abweichungen. Hier handelt es sich vor allem um jene Summen, für die die Versicherung aufkommt, wenn es ans „Eingemachte“ geht. Die Deckung einer Reiseversicherung gilt entweder für Europa oder weltweit. Doch Europa ist nicht immer gleich Europa. Welche Länder hier eingeschlossen sind, ist unterschiedlich. Ein genauer Blick lohnt sich, empfiehlt Arbeiterkammer-Expertin Manuela Delapina.
Deckungssummen studieren
Weiters wird zwischen Einzel- und Familienversicherungen unterschieden. Beim Produkt „Komplett Schutz Plus“ der Europäischen Reiseversicherung sind in der Familienversicherung etwa bis zu sieben gemeinsam reisende Personen versichert. Aber nur zwei davon dürfen Erwachsene sein, die ihren Wohnsitz wiederum nicht teilen müssen. Manchmal spielt der Verwandtschaftsgrad oder die Dauer des Zusammenlebens schon eine Rolle, wie Delapina in einer im Frühjahr publizierten Erhebung der Arbeiterkammer erläutert.
Delapina rät Konsumenten deshalb, sich bereits im Vorfeld darüber Gedanken zu machen, in welcher Höhe und wogegen man sich versichern will. Macht man eine Bergtour, wird man eher ein Produkt wählen, das auch hohe Bergungskosten abdeckt. Auch bei chronischen Erkrankungen sollte man aufpassen – sofern diese im Urlaub akut werden können. Manche Anbieter versichern bestimmte Krankheiten gar nicht, andere schon oder nur dann, wenn innerhalb der vergangenen Monate keine stationäre Behandlung durchgeführt wurde, wie Andreas Herrmann vom Europäischen Verbraucherzentrum erklärt. Wird man in Folge eines Unfalls invalid, ist jeder Versicherer zu anderen Entschädigungssummen bereit, manche zahlen bei einer dauernden Invalidität ab 50 Prozent gar nicht, wie die AK-Erhebung zeigt. Dazu gehört etwa der Reiseschutz von Gulet oder TUI.
Kreditkarten mit Reiseschutz
Reiseversicherungen bestehen in der Regel aus mehreren Versicherungen, wie einer Haftpflicht-, Unfall, Gepäck- oder Stornoversicherung. Eine Stornoversicherung kann für jeden Urlaub einzeln abgeschlossen werden, das gleiche gilt auch für die klassischen Reiseversicherungen.
Es gibt Produkte, die Reise- und Stornoversicherung vereinen – sie sind in der Regel aber teurer. Die Prämien sind auch davon abhängig, wie viel eine Reise kostet und wie lange man vorhat, im Ausland zu bleiben. Hinzu kommt, dass einige Versicherungsleistungen häufig schon mit bestehenden Produkten abgedeckt sind, die ein Kunde zu einem früheren Zeitpunkt abgeschlossen hat. Etwa dann, wenn man eine Kreditkarte besitzt oder eine Unfallversicherung abgeschlossen hat. Bei der Mondial Reiseversicherung kostet das Stornopaket Classic für eine zweiwöchige Türkei-Reise, die 1000Euro je Urlauber kostet, für zwei Personen 120Euro. Eine klassische Reiseversicherung ohne Stornoschutz kostet 62 Euro und eine Reiseversicherung inklusive Storno 124 Euro.
Bei einer Stornoversicherung muss auf den Zeitpunkt des Abschlusses geachtet werden. Entweder man kauft die Polizze gleichzeitig mit der Reisebuchung. Wartet man zu, gibt es häufig Wartefristen. Verlässt man sich auf die Reiseversicherung seiner Kreditkarte, gilt Folgendes: Der Schutz hängt häufig davon ab, wann man zuletzt mit der Karte bezahlt hat. Bei Card Complete (Visa/Mastercard) besteht der Reiseschutz dann, wenn die Karte in den vergangenen zwei Monaten benutzt wurde.
Verreist man mehrmals pro Jahr, empfiehlt es sich, Jahresreiseversicherungen abzuschließen. Bei der Europäischen Reiseversicherung kostet das Classic-Paket für eine Einzelperson 185 Euro, bei der Mondial sind es beim Produkt Top Jahresschutz 145 Euro. Der Stornoschutz kostet 64 Euro extra.
Tipp 1
Deckung. Wer eine Reiseversicherung abschließt, sollte sich im Vorfeld darüber informieren, ob die Kreditkarte möglicherweise eine Reiseversicherung beinhaltet – und was diese abdeckt. Bei Kreditkarten gilt die Versicherung häufig nur dann, wenn man in den Monaten vor Reiseantritt mit der Karte bezahlt hat. Wer versichert ist, sollte geklärt werden.
Tipp 2
Häufigkeit. Wer mehrmals im Jahr verreist, dem empfehlen Experten den Abschluss einer Jahresreiseversicherung. Diese Produkte – wahlweise mit oder ohne Stornoschutz – sind in der Regel etwas teurer. Von der Höhe der Prämie sollte man sich jedoch nicht abschrecken lassen. Wichtig ist nämlich, welche Leistungen angeboten werden.
Tipp 3
Schutz. Leidet man an einer chronischen Erkrankung, sollte man sich unbedingt darüber informieren, ob die Krankheit zum Leistungsausschluss führen kann. Ist das nicht der Fall, kann die Inanspruchnahme der Versicherung daran gekoppelt sein, ob in den vergangenen Monaten eine stationäre Behandlung durchgeführt wurde.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2011)
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