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Stromanbieter: Wechseln lohnt sich

06.02.2012 | 18:28 |  EVA STEINDORFER (Die Presse)

Bis zu 108 Euro Preisdifferenz pro Jahr gibt es zwischen den Anbietern auf dem österreichischen Strommarkt. Die lokalen Platzhirsche schneiden dabei oft schlecht ab.

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Manche Leute nennen die Semesterferien immer noch Energieferien. Dem Wunsch, Energie zu sparen, hat Österreich diese Ferien auch zu verdanken. Im Jahr 1973 entschied die Regierung, im tiefsten Winter eine Woche freizugeben und so die Energiekosten für öffentliche Gebäude einzusparen. Heute wiegt die Energie, die der Reiseverkehr und der Skitourismus in dieser Woche verbrauchen, die Einsparung an Heizkosten bei Weitem auf. Die Ferien gibt es trotzdem noch. Und Energiesparen ist mehr denn je ein Thema.

Auch beim Strom. Dabei denken die meisten Leute vor allem daran, wie sie ihren Verbrauch drosseln können. Vergessen wird jedoch, dass es seit 2001, seit der Liberalisierung des österreichischen Strommarktes, auch die Möglichkeit gibt, sich seinen Stromlieferanten auszusuchen. Über 130 Stromanbieter gibt es in Österreich, je nach Region sind es lokal etwa zehn Anbieter, aus denen man wählen kann.

 

Linz ist Spitzenreiter

In den östlichen Bundesländern ist das Einsparpotenzial größer, da die Preisdifferenz zwischen lokalen Standardanbietern und den Konkurrenten höher ist. Spitzenreiter bei den Städten ist dabei Linz mit einer Ersparnis von 97 Euro, wenn man das billigste Angebot mit dem lokalen Platzhirschen, der Linz Strom, vergleicht. Das Land Oberösterreich schießt unter den Ländern mit 107,77 Euro Ersparnispotenzial den Vogel ab.

Am besten kommen noch die Anbieter in Tirol und Vorarlberg weg. Hier ist die Ersparnis beim Wechsel mit 21 Euro (Vorarlberg) und 10,6 Euro (Tirol) wesentlich geringer. Diese Werte sind jeweils für einen Durchschnittsverbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr berechnet. Dennoch haben seit 2001 einer Statistik der E-Control zufolge erst 14Prozent der Österreicher den Anbieter gewechselt.

Dabei ist das Wechseln des Stromlieferanten ein Kinderspiel. Auf der Homepage der E-Control, der staatlichen Kontrollbehörde des liberalisierten Strommarktes, gibt es einen Tarifkalkulator, der die möglichen Anbieter für den eigenen Haushalt nach Preisen gestaffelt auflistet. Die einzigen Informationen, die man hierfür benötigt, sind die eigene Postleitzahl, die Anzahl der Personen im Haushalt und der jährliche Stromverbrauch. Anhand einer Skala wird in dieser Ergebnisliste auch veranschaulicht, aus welchen Quellen der jeweilige Anbieter seinen Strom bezieht. Dabei zeigt sich, dass grüner Strom nicht immer teurer ist als Strom aus konventioneller Erzeugung. Der momentan österreichweit billigste Anbieter für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden, stromdiskont.at, liefert 100 Prozent Ökostrom. Bei einem Verbrauch von unter 2000 Kilowattstunden pro Jahr ist der billigste Lieferant in den östlichen Bundesländern My Electric– trotz Neukundenrabatten anderer Anbieter. 2011 bezog er noch elf Prozent des Stromes aus Kernenergie. Bis 2013 will man aber kernenergiefrei sein. Jeder Stromlieferant ist seit 2006 dazu verpflichtet, seine Stromquellen offenzulegen, seit September 2011 muss er auch angeben, aus welchen Herkunftsländern der Strom bezogen wird.

 

Zwei Fliegen mit einem Schlag

Sollte man sich für einen neuen Anbieter entscheiden, muss man nur noch das Vertragsformular anfordern, es ausfüllen und dem neuen Anbieter zuschicken. Damit bekommt dieser die Vollmacht, alle weiteren Schritte zum Wechsel einzuleiten, also auch die Kündigung beim bisherigen Anbieter durchzuführen. Üblicherweise dauert das nicht länger als drei Wochen, der Übergang ist nahtlos. Beachten muss man dabei nur, dass der Wechsel prinzipiell erst am folgenden Monatsersten möglich ist. Der Wechsel ist gratis. Und wenn man seinen Stromlieferanten schlau wählt, tut man eventuell sowohl der Geldbörse als auch der Umwelt etwas Gutes.

Was Sie beachten sollten beim... Wechsel des Stromanbieters

Tipp1

Unbürokratischer Wechsel. Der Stromanbieter-Wechsel ist gratis. Auf der Homepage der E-Control befindet sich ein Tarifrechner, der den bestehenden Tarif mit allen möglichen Anbietern vergleicht. Dann muss man nur noch den Vertrag des Bestbieters anfordern, unterschreiben und abschicken. Den nahtlosen Übergang erledigt der neue Anbieter.

Tipp2

Grüner Diskontstrom. Es gibt immer mehr grüne Anbieter, die auch günstig sind. Der momentan österreichweit im Schnitt günstigste Anbieter, stromdiskont.at, liefert 100 Prozent Ökostrom. Jeder Stromlieferant ist dazu verpflichtet, die Quellen und Herkunftsländer seines Stroms aufzuschlüsseln und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Tipp2

Häufiges Wechseln lohnt sich. Wer häufig den Anbieter wechselt, profitiert maximal von den Neukundenrabatten. Grundsätzlich darf kein Stromanbieter den Kunden dazu verpflichten, sich vertraglich länger als ein Jahr zu binden. Es gibt österreichweit über 130 Stromlieferanten, für den Einzelkunden stehen im Schnitt zehn zur Wahl.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2012)

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6 Kommentare
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Ehrlich sauber gewonnenen Ökostrom

ohne Reinwaschen von Börsenstrom mit Zertifikaten, was durchwegs bei sämtlichen Energieversorgern üblich und leider in Österreich erlaubt ist, gibt es nur bei zertifizierten unabhängigen Ökostromanbietern
(Umweltzeichen Grüner Strom).
Sie HANDELN nicht an Strombörsen, sind nicht "saubere Töchter" einer "schmutzigen Mutter", die im Konzern auch für Großkunden Strom mit Atom - und Fossilenergie anbietet.
Mit Superdiskontpreisen lassen sich keine Ökostromkraftwerke bauen. Durch Einsatz der "Stromwaschmaschine" verhindern wir keinen Atomstrom und schaffen keine zusätzlichen Ökokraftwerke.
Mir liegt die Umwelt am Herzen, bin für einen fairen Preis. Darum vertraue ich auf den Ökostrompionier AAE Naturstrom.

Gast: Gast248
07.02.2012 11:30
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Wechseln lohnt sich (leider) kaum

Häufiges Wechseln lohnt sich nur wenn man viel Zeit hat: Vergleiche für den eignenen Verbauch innerhalb der Bandbreite der vergangenen Jahre ausrechnen, Anrufen, weil was nicht klappt, Zwischenablesungen durchführen, Online Zugang neu einrichten, ...

Viel Spass, aber ich beschäftige mich nicht jedes Jahr damit und verbrate etliche Stunden um mir dann 22,30 EUR zu ersparen...

Offenbar hat die Journalistin nur die Tabellen verglichen und noch nie selbst gewechselt...

Gast: zetto
07.02.2012 09:56
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Sachliche Artikel sind hier nicht gefragt.

Sonst kann man sich nicht mehr aufregen, dass die Stadt Wien/ der Häupl die Stromrechnung ständig erhöht....

fefe
07.02.2012 02:01
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Neukundenrabatt

Also ich habe nachgeschaut für 5000kWh, bester Anbieter ist stromdiskont.at. Das ist um etwa 150 Euro billiger als bei Wien Energie. Wenn man sich die Details anschaut, dann sieht man einen berücksichtigten "Neukundenrabatt" von knapp 30% (!). Ohne den Neukundenrabatt ist der Preisunterschied nur ein paar Euro. Und nirgends steht, wie lange dieser Neukundenrabatt gilt.

Antworten Gast: powidl
07.02.2012 08:31
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Re: Neukundenrabatt

gilt meist im ersten Belieferungsjahr, deshalb lohnt sich ja auch häufigeres Wechseln

Antworten Antworten fefe
07.02.2012 11:04
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Re: Re: Neukundenrabatt

Danke! D.h. die rechnen offenbar damit, dass einem die Wechslerei irgendwann auf die Nerven geht und man darauf vergisst.

Die Vergleichstabelle ist jedenfalls unseriös, weil dieser Neukundenrabatt darf ja dann nicht im Vergleich berücksichtigt sein.