Manche Leute nennen die Semesterferien immer noch Energieferien. Dem Wunsch, Energie zu sparen, hat Österreich diese Ferien auch zu verdanken. Im Jahr 1973 entschied die Regierung, im tiefsten Winter eine Woche freizugeben und so die Energiekosten für öffentliche Gebäude einzusparen. Heute wiegt die Energie, die der Reiseverkehr und der Skitourismus in dieser Woche verbrauchen, die Einsparung an Heizkosten bei Weitem auf. Die Ferien gibt es trotzdem noch. Und Energiesparen ist mehr denn je ein Thema.
Auch beim Strom. Dabei denken die meisten Leute vor allem daran, wie sie ihren Verbrauch drosseln können. Vergessen wird jedoch, dass es seit 2001, seit der Liberalisierung des österreichischen Strommarktes, auch die Möglichkeit gibt, sich seinen Stromlieferanten auszusuchen. Über 130 Stromanbieter gibt es in Österreich, je nach Region sind es lokal etwa zehn Anbieter, aus denen man wählen kann.
Linz ist Spitzenreiter
In den östlichen Bundesländern ist das Einsparpotenzial größer, da die Preisdifferenz zwischen lokalen Standardanbietern und den Konkurrenten höher ist. Spitzenreiter bei den Städten ist dabei Linz mit einer Ersparnis von 97 Euro, wenn man das billigste Angebot mit dem lokalen Platzhirschen, der Linz Strom, vergleicht. Das Land Oberösterreich schießt unter den Ländern mit 107,77 Euro Ersparnispotenzial den Vogel ab.
Am besten kommen noch die Anbieter in Tirol und Vorarlberg weg. Hier ist die Ersparnis beim Wechsel mit 21 Euro (Vorarlberg) und 10,6 Euro (Tirol) wesentlich geringer. Diese Werte sind jeweils für einen Durchschnittsverbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr berechnet. Dennoch haben seit 2001 einer Statistik der E-Control zufolge erst 14Prozent der Österreicher den Anbieter gewechselt.
Dabei ist das Wechseln des Stromlieferanten ein Kinderspiel. Auf der Homepage der E-Control, der staatlichen Kontrollbehörde des liberalisierten Strommarktes, gibt es einen Tarifkalkulator, der die möglichen Anbieter für den eigenen Haushalt nach Preisen gestaffelt auflistet. Die einzigen Informationen, die man hierfür benötigt, sind die eigene Postleitzahl, die Anzahl der Personen im Haushalt und der jährliche Stromverbrauch. Anhand einer Skala wird in dieser Ergebnisliste auch veranschaulicht, aus welchen Quellen der jeweilige Anbieter seinen Strom bezieht. Dabei zeigt sich, dass grüner Strom nicht immer teurer ist als Strom aus konventioneller Erzeugung. Der momentan österreichweit billigste Anbieter für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden, stromdiskont.at, liefert 100 Prozent Ökostrom. Bei einem Verbrauch von unter 2000 Kilowattstunden pro Jahr ist der billigste Lieferant in den östlichen Bundesländern My Electric– trotz Neukundenrabatten anderer Anbieter. 2011 bezog er noch elf Prozent des Stromes aus Kernenergie. Bis 2013 will man aber kernenergiefrei sein. Jeder Stromlieferant ist seit 2006 dazu verpflichtet, seine Stromquellen offenzulegen, seit September 2011 muss er auch angeben, aus welchen Herkunftsländern der Strom bezogen wird.
Zwei Fliegen mit einem Schlag
Sollte man sich für einen neuen Anbieter entscheiden, muss man nur noch das Vertragsformular anfordern, es ausfüllen und dem neuen Anbieter zuschicken. Damit bekommt dieser die Vollmacht, alle weiteren Schritte zum Wechsel einzuleiten, also auch die Kündigung beim bisherigen Anbieter durchzuführen. Üblicherweise dauert das nicht länger als drei Wochen, der Übergang ist nahtlos. Beachten muss man dabei nur, dass der Wechsel prinzipiell erst am folgenden Monatsersten möglich ist. Der Wechsel ist gratis. Und wenn man seinen Stromlieferanten schlau wählt, tut man eventuell sowohl der Geldbörse als auch der Umwelt etwas Gutes.
Tipp1
Unbürokratischer Wechsel. Der Stromanbieter-Wechsel ist gratis. Auf der Homepage der E-Control befindet sich ein Tarifrechner, der den bestehenden Tarif mit allen möglichen Anbietern vergleicht. Dann muss man nur noch den Vertrag des Bestbieters anfordern, unterschreiben und abschicken. Den nahtlosen Übergang erledigt der neue Anbieter.
Tipp2
Grüner Diskontstrom. Es gibt immer mehr grüne Anbieter, die auch günstig sind. Der momentan österreichweit im Schnitt günstigste Anbieter, stromdiskont.at, liefert 100 Prozent Ökostrom. Jeder Stromlieferant ist dazu verpflichtet, die Quellen und Herkunftsländer seines Stroms aufzuschlüsseln und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Tipp2
Häufiges Wechseln lohnt sich. Wer häufig den Anbieter wechselt, profitiert maximal von den Neukundenrabatten. Grundsätzlich darf kein Stromanbieter den Kunden dazu verpflichten, sich vertraglich länger als ein Jahr zu binden. Es gibt österreichweit über 130 Stromlieferanten, für den Einzelkunden stehen im Schnitt zehn zur Wahl.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2012)
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