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Wertpapiere: Zwischen Steuern und Gebühren

07.02.2012 | 18:11 |  BEATE LAMMER (Die Presse)

Bei Aktien frisst die neue Kursgewinnsteuer viel von der Rendite auf - vor allem bei Vielhändlern. Fonds sind steuerlich günstiger, dafür sind die Kosten höher.

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Wien. Soll man sein Aktiendepot selbst verwalten oder diese Aufgabe einem Fondsmanager übertragen? An der Frage scheiden sich die Geister. Gegen Fonds sprechen die höheren Kosten und die Tatsache, dass viele Fonds auch nicht besser abschneiden als der Gesamtmarkt. Gegen das Selbsthandeln spricht, dass viele Anleger zu wenig Zeit haben, um sich ständig mit der Geldanlage zu befassen, und dass sie häufig emotional statt mit Kalkül handeln (etwa an verlustreichen Investments zu lange festhalten).

Fiskus nascht am Zinseszins mit

Doch es gibt auch steuerliche Aspekte zu beachten. Ab April wird beim Verkauf von Wertpapieren (die man seit Beginn des Vorjahres erworben hat) eine Kursgewinnsteuer von 25Prozent abgezogen. Das hat folgende Auswirkungen:

Aktien: Steuerlich am besten fährt man dann, wenn man die immer gleichen Aktien so lange im Depot liegen lässt, bis man das Geld braucht. Dann schlägt der Fiskus nur einmal zu und holt sich 25Prozent vom Gesamtgewinn. Diese Strategie ist aber nicht empfehlenswert, da sie dazu verleitet, an schlechten Aktien lange festzuhalten.Verkauft man jedoch Aktien, um neue zu kaufen, bleiben einem stets nur 75Prozent des Gewinns zum Reinvestieren. Das schmälert die Rendite mit der Zeit beträchtlich. Weiterer Nachteil: Zwar kann man realisierte Kursverluste mit Gewinnen ausgleichen, jedoch nur, wenn diese im gleichen Jahr anfallen. Einen Verlustvortrag gibt es nicht.

• Fonds:
Auch Fonds müssen Kursgewinne versteuern. Allerdings nicht mit 25Prozent, sondern mit einem geringeren Satz, der derzeit bei zehn Prozent liegt und bis 2014 auf 15Prozent angehoben wird. Der Rest kann reinvestiert werden. Erst wenn der Anleger die Fondsanteile verkauft, muss er 25Prozent Kursgewinnsteuer zahlen– abzüglich dessen, was der Fonds bereits an Steuern bezahlt hat.

Damit fährt er wegen des Zinseszinseffekts steuerlich zwar schlechter als ein Direktinvestor, der nie handelt, aber besser als einer, der die gleichen Aktien wie der Fonds handelt. „Ein weiterer Vorteil gegenüber Direktinvestments ist der Verlustvortrag“, sagt Daniela Weigert, Steuerexpertin bei der Erste Sparinvest. Anders als eine Privatperson kann der Fonds Verluste in einem Jahr mit Gewinnen in einem anderen Jahr ausgleichen.

Nachteil von Fonds sind die Gebühren: Beim Erwerb zahlt man einen Ausgabeaufschlag (dieser ist oft Verhandlungssache, bei Direktbanken fällt er geringer aus). Dazu kommen laufende Verwaltungsgebühren.

Altbestände sind von den neuen Regeln nur teilweise betroffen. Wer noch Fondsanteile hat, die er vor dem 1.Jänner 2011 erworben hat, muss beim Verkauf keine Steuern mehr bezahlen, da die einjährige Spekulationsfrist inzwischen vorbei ist. Wer hingegen später erworbene Anteile noch vor dem 1.April verkauft, müsste etwaige Gewinne in der Steuererklärung angeben.

Für Altbestände gilt jedoch ebenfalls, dass der Fonds künftig 15Prozent Steuer für Kursgewinne zahlen muss, wie aus einem Informationsblatt der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG) hervorgeht. Früher waren es nur fünf Prozent.

Bank macht Verlustausgleich

Wer noch alte Aktien hat, kann diese ebenfalls steuerfrei veräußern. Für neue Aktionäre kommt nicht alles ganz so schlimm wie befürchtet: Gewinne kann man zwar nur mit Verlusten aus dem gleichen Jahr ausgleichen, doch muss man das nicht in der Einkommensteuererklärung tun (und dem Fiskus sein Vermögen offenlegen). Die Depotbank nimmt den Verlustausgleich vor.

Hat man schon Kursgewinnsteuer bezahlt und erzielt erst später im Jahr Verluste, wird die zu viel bezahlte Steuer gutgeschrieben. Für 2012 wird die Verlustverrechnung laut Direktanlage.at bis 30.April des kommenden Jahres durchgeführt. Wer Aktien bei mehreren Banken hat, muss sich allerdings selbst um den Verlustausgleich kümmern. [I-stockphoto]

Was Sie beachten sollten bei... der Kursgewinnsteuer

Tipp 1

Aktien oder Aktienfonds? Fonds bieten eine breitere Streuung als ein Aktiendepot, das man nur mit wenigen Titeln bestückt hat. Auch gibt es einen Fondsmanager, der regelmäßig Aktien, die er für schlecht hält, durch gute austauscht. Wer sich diese Aufgabe selber zutraut, spart Gebühren, muss sich aber auf höhere Steuern einstellen.

Tipp 2

Gebühren oder Steuern? Bei Investmentfonds fallen ein Ausgabeaufschlag und eine regelmäßige Verwaltungsgebühr an. Dafür kann der Fonds zunächst einen höheren Anteil des Gewinns reinvestieren als der Direktanleger. Erst am Schluss wird der Rest versteuert, was die Rendite erhöht. Auch kann der Fonds Verluste über Jahre ausgleichen.

Tipp 3

Viel oder wenig handeln? Wer häufig handelt und Aktien gegen andere tauscht, erfreut den Fiskus. Denn dieser holt sich regelmäßig 25Prozent vom Gewinn, zum Reinvestieren bleiben nur 75 Prozent. Deswegen möglichst wenig zu handeln, ist aber keine gute Strategie. Dann läuft man Gefahr, an schlechten Papieren zu lange festzuhalten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2012)

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3 Kommentare
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auch bei den dividenden langt vater staat kraeftig zu - 25%

was dabei von der politik uebersehen wird ist die tatsache, woher das geld fuer unternehmen kommt, die arbeitsplaetze schaffen - aber das interessiert diese irren nicht, fuer die ein ideal-staat so aussieht, dass jeder beamter ist und fuer die "partei" arbeitet - sozialismus ist das ziel.

eine prosperierende gesellschaft sieht anders aus. wenn unternehmen an geld kommen wollen, auch heute noch, begeben diese anleihen mit attraktiver rendite (zins von 5-8% keine seltenheit) - diese unternehmen haben auch kein problem, beliebig viel geld von investoren aufzutreiben

es koennen auch neue aktien emittiert werden die dann investoren zeichnen

wenn jedoch in beiden faellen die investoren staendig bestraft werden (beim verkauf genauso wie jaehrlich bei den zinsen der anleihen oder bei den dividenden) dann sinkt natuerlich die bereitschaft, in diesem land zu investieren.

also bleiben nur noch die banken uebrig, als einziger geldgeber - und wenn es ein kreditgeber-monopol gibt, dann fuehrt das zu chaos

warum ist es im interesse der republik, investoren zu bestrafen? warum ist es im interesse des volks, weniger arbeitsplaetze zu haben, mehr abhaengig zu sein von den transferzahlungen des staats (finanziert mit neuen schulden und durch besteuerung derjeniger die "noch" einen arbeitsplatz haben)? warum ist es gewollt, dass der standort oesterreich wirtschaftlich unattraktiv ist, das sparer & investoren bestraft werden?

die hoffnung auf eine glorreiche zukunft schwindet ...

Antworten Gast: Wirt
08.02.2012 22:57
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Re: auch bei den dividenden langt vater staat kraeftig zu - 25%

Auf einen weiteren, klassisch österreichischen Geldgeber sollte nicht vergessen werden:
Die Subventionen aus dem Steuertopf, verschenkt an Firmen mit den passenden Parteifreunden.

Gast: Hubertus
08.02.2012 11:28
0 1

Fonds sind immer schlechter

Aus dem einfachen Grund, weil sie sogen. Benchmarks haben. Kein Fondsmanager wird von diesen Benchmarks zu stark abweichen, weil sein"relatives " Risiko zur Benchmarkperformance zu hoch wird, sofern ihn nicht sowieso die VeranlagungsGuidelines beschneiden. Außerdem gibt es Untersuchungen, daß nur eine ganz geringe Zahl von Fondsmanagern über einen zeitraum von ca. 5 Jahren konstant die Märkte zu schlagen. Daher ist es gleich besser einen Indexfonds zu kaufen. Das ist billiger und man verliert wenigstens nicht durch die Dummheit der Manager. Die sogen. Alpha Fonds (alpha ist der Mehrwert gegenüber den definierten Märkten)sind ein beredtes Beispiel dafür.Und wenn man selbst managt? Dann verliert man wenigstens durch die eigene Dummheit und zahlt keinem anderen eine "management fee".