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Fonds: Die Auswahl des Alleskönners

09.02.2012 | 18:25 |  ALEXANDER WEBER (Die Presse)

Mischfonds sind zumindest auf dem Papier die richtige Wahl für turbulente Zeiten. Bei der Wahl des richtigen Fonds gilt aber Vorsicht, denn es gibt große Unterschiede.

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Wien. Man könnte meinen, Mischfonds seien ein klassisches Investment für Unentschlossene. Wer nicht weiß, ob er Aktien oder Anleihen und dazu vielleicht noch Rohstoffe kaufen möchte, kann mit gemischten Fonds gleich alles auf einmal ins Portfolio holen. Dieses Konzept wirkte auf die Anleger zuletzt sehr anziehend: Die heimischen Fondsgesellschaften registrierten bei Mischfonds im vergangenen Jahr Mittelzuflüsse von knapp 880 Mio. Euro, während alle anderen Fondskategorien außer Geldmarktfonds Kundengelder verloren.

Zumindest auf dem Papier sind Mischfonds auch die richtige Wahl für turbulente Zeiten. Läuft es an der Börse schlecht, investiert der Fondsmanager eben mehr in Anleihen. Wenn es dort nicht so läuft, wird die Aktienquote wieder erhöht. „Mischfonds decken den Anlagebedarf von vielen Personen wegen ihrer großen Diversifikation schon ganz gut ab“, sagt Andreas Beck, Vorstand des deutschen Instituts für Vermögensaufbau. Die Fonds könnten sogar gut als Hauptbaustein des Portfolios dienen – sonst seien die hohen Gebühren auch gar nicht zu rechtfertigen.

Mischfonds ist aber nicht gleich Mischfonds. Es gibt wesentliche Unterschiede, was die Vorgaben an die Fondsmanager betrifft. Grundsätzlich kann man zwischen konservativen und aggressiveren Fonds unterscheiden. Jede Fondsgesellschaft erfindet dafür aber auch eigene Vokabeln wie „dynamisch“ oder „flexibel“. Flexible Fonds können ihren Aktien- und Anleihenanteil etwa je nach Marktlage beliebig wählen. Konservativere Fonds können ihren Aktienanteil dagegen nicht über eine bestimmte Schwelle heben, etwa 30 Prozent. So sollte man meinen, flexible Fonds seien am besten für Krisen gerüstet, weil sie sich am besten an die aktuellen Gegebenheiten anpassen können. Das ist aber nicht immer der Fall: „Am besten entwickeln sich unserer Erfahrung nach Fonds, die strengere Vorgaben zu erfüllen haben“, sagt Beck.

Solche bietet etwa die Bank Gutmann an. Ihr „Strategie Select“ (Isin AT0000A0ETW6) darf die Aktienquote bis höchstens 60 Prozent anheben, die Anleihenquote aber bis 100 Prozent. Sonst wird in keine Anlageklassen investiert. „So ein Investment empfiehlt sich für jemanden, der langfristig ausgewogen investieren will und auch eine große Risikostreuung möchte“, sagt Portfoliomanagerin Marion Klotzberg.

(c) DiePresse

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Historische Performance wichtig?

Auf Jahressicht hat laut der Fondssuchmaschine von direktanlage.at ein Raiffeisen-Mischfonds die beste Performance unter allen hierzulande zugelassenen Mischfonds hingelegt. Der „Raiffeisen Strategic Allocation Master“ (AT0000A0LHU0) hat in den letzten zwölf Monaten über 13 Prozent an Wert gewonnen. „2011 waren die deutschen Bundesanleihen der große Werttreiber“, erklärt Fondsmanager Peter Schlagbauer. Dort sei man aber im Frühherbst ausgestiegen und habe gegen Ende des Jahres wieder bei Aktien zugegriffen. Damit hat Schlagbauer ein glückliches Händchen bewiesen, denn im Jänner schossen die Aktienmärkte weltweit in die Höhe.

Der Manager selbst charakterisiert seinen Fonds als eher riskant, denn er kann in Aktien und Anleihen, aber auch in Rohstoffe und Derivate investieren. Daneben ist er nicht gerade einfach konstruiert: Wegen eines speziellen Rechenmodells ergibt die Summe der einzelnen Anlageklassen mehr als hundert Prozent. Für unbedarfte Anleger ist er also eher ungeeignet.

Außerdem ist fraglich, inwieweit man überhaupt die historische Wertentwicklung eines Fonds als Basis für die Kaufentscheidung heranziehen sollte. „In der Vergangenheit können die Fondsmanager auch oft Pech oder Glück gehabt haben“, sagt Beck vom Institut für Vermögensaufbau. Viel wichtiger seien die Kosten: „Da ist man schnell bei zwei bis drei Prozent.“ Und die muss ein Fondsmanager erst einmal reinholen, damit man als Anleger auch etwas von seinem Fonds hat. Beim derzeitigen Zinsniveau – deutsche Bundesanleihen rentieren aktuell bei zwei Prozent – ist das keine leichte Aufgabe.

 

Klingende Namen ziehen an

Viele Anleger verlassen sich bei der Auswahl des Fonds auch auf klingende Namen. Der „Carmignac Patrimoine“, das Flaggschiff der Branche, hat etwa ein Volumen von über 20 Mrd. Euro erreicht. Nicht ganz zu Unrecht, denn er hat seit seiner Auflegung im Jahr 1989 relativ stabil um fast 600 Prozent zugelegt. Auch hier hat der Fondsmanager freie Hand über seine Investmententscheidungen. Ende des Jahres hatte der Fonds 37 Prozent in Aktien, 38 Prozent in Anleihen und den Rest in Cash und Derivaten investiert.

Generell ist anzuraten, entsprechend seinen Bedürfnissen einen Fonds mit dem passenden Risikoprofil zu wählen und darüber hinaus großes Augenmerk auf die Gebühren zu legen. Die Internetseite software-systems.at bietet eine Suchmaschine für Fonds, die mit einer selbst entwickelten Risikokennzahl versehen sind. Auch über direktanlage.at kann man sich gut informieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2012)

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