Let's make money: Börsenwetter und Buffett

05.01.2013 | 18:13 |  von Josef Urschitz (Die Presse)

Warum das Börsenwetter in den kommenden Wochen freundlich bleibt und Buffetts Berkshire Hathaway weiter attraktiv ist. Der alte Fuchs weiß offenbar, was er tut.

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Die millimetergenaue Vollbremsung vor der amerikanischen Fiskalklippe hat den Börsen einen Jahresstart ganz nach dem Geschmack der Aktionäre beschert. Die Katastrophe ist ausgeblieben, die nächsten Wochen könnten also durchaus freundliches Börsenwetter bringen.

Wenngleich: Ein bisschen komisch ist es schon, dass es eine Katastrophe für die gesamte Weltwirtschaft sein soll, wenn die stärkste Wirtschaftsnation des Globus vorübergehend mit ihren Einnahmen auskommen müsste. Mehr muss man über den finanziellen Zustand der Industriestaaten eigentlich nicht wissen, um zu ahnen, dass irgendwo da draußen in den nebligen Weiten ein gigantischer Eisberg auf die Titanic wartet. Und dass die (ohne radikalen Kurswechsel unvermeidliche) Kollision mit diesem die jetzige Eurokrise ziemlich harmlos aussehen lassen wird.

Bis dahin ist aber noch ein wenig Zeit, die durchaus eine weitere Blüte der Anlageklasse Aktie bringen dürfte. Denn Fed, EZB und Bank of Japan halten ihre Volkswirtschaften nach der Devise „Geld hat man nicht, das druckt man“ am Laufen. Und ein nicht geringer Teil dieser Liquiditätsschwemme findet seinen Weg mangels vernünftiger Alternativen eben in den Aktienmarkt. Dass die Fed jetzt einen leichten Tritt auf die Bremse angekündigt hat, ist zumindest kurzfristig noch nicht so dramatisch zu sehen.

Wir werden also in den kommenden Wochen wohl den finalen Angriff des deutschen Leitindex DAX auf sein bei 8151 Punkten liegendes Allzeithoch sehen. Kleinere zwischenzeitliche Konsolidierungen ändern an diesem Szenario nichts, dazu ist der DAX-Trend zu schön ausgeprägt. Im Gefolge des Frankfurter Börsenbarometers wird wohl auch der Wiener Aktienmarkt seinen schönen Aufwärtstrend fortsetzen.

Auch die US-Börsen, die zum Jahresende hin eher gebremst haben, sind nach der Fiscal-Cliff-Einigung ordentlich angesprungen. Sie dürften aber in nächster Zeit (wie schon seit dem vorigen Herbst) gegen die deutsche Börsenlokomotive ein wenig zurückfallen.

Dort, in den Staaten, macht übrigens wieder die Investorenlegende Warren Buffett von sich reden, dessen Investmentholding Berkshire Hathaway in der Vorwoche per Übernahme zu einem der weltgrößten Solarinvestoren geworden ist.

Die Solarbranche ist zwar momentan nicht gerade als Renditebringer bekannt, aber der alte Fuchs weiß offenbar, was er tut: Seine Berkshire Hathaway Holding hat an der Börse ihre Benchmark (den S&P-500-Index) auch in den vergangenen Jahren konsequent geschlagen. Der elfprozentigen Performance des S&P 500 stand ein 17-prozentiger Zuwachs der legendären Buffett-Aktie gegenüber.

Zuletzt ist der Kurs sogar recht deutlich gestiegen. Es wäre also wohl nicht falsch, die Berkshire-Aktie als Stabilitätsanker fürs Depot in Erwägung zu ziehen. Natürlich das „ClassB“-Papier (ISIN US0846707026), eine Art „Berkshire für Arme“, das derzeit bei 93 Dollar notiert. Denn die ursprüngliche Berkshire-Aktie („Class A“) dürfte mit knapp 130.000 Dollar pro Stück für den Durchschnittsanleger doch etwas zu „schwer“ sein.

Was sonst noch in den USA aufgefallen ist: Apple(ISIN US0378331005) hat auf dem Weg nach unten erneut knapp vor der kritischen Marke von 500 Dollar haltgemacht und zu Jahresbeginn einen beeindruckenden Turnaround hingelegt. Jedesmal, wenn die Kultaktie knapp vor der Klippe umdreht, bekommt sie von einigen Analysten sofort wieder euphorische Kursziele verpasst. Ich würde dem Frieden noch nicht trauen, zum kurzfristigen Trading eignet sich der Apfel aber hervorragend.

Auf dem Markt (und an der Börse) hat derzeit aber eindeutig der wiederauferstandene Konkurrent Nokia(ISIN FI0009000681) die Nase vorne. Die Finnen haben einen richtigen Raketenstart ins neue Jahr hingelegt. Der Chart sieht nach einer Fortsetzung der Rallye aus. Aber auch hier gilt: Wenn investieren, dann nach kurzfristigen Trading-Gesichtspunkten. Denn im Smartphonemarkt ändern sich die Gegebenheiten derzeit schnell. Für ein „Sell“, wie das ein paar Apple-affine US-Analysten zuletzt dekretiert haben, ist es aber eindeutig viel zu früh.

In Deutschland gibt die im MDAX notierende Wacker Chemie(ISIN DE000WCH8881) kräftige Lebenszeichen von sich. Ein Bilderbuch-Turnaround wurde nun durch eine Empfehlung der UBS abgesichert. Sieht zumindest kurzfristig gut aus.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.01.2013)

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2 Kommentare

börsenjournalisten müssen schwerst reich sein :-)

zuerst kaufen sie die apple bei 100, dann halten sie sie jahrelang bis auf 600. dann warten sie .. selbstverständlich weil sie rechtzeitig verkauft haben, bis sie etwas tiefer in eine tradingrange kommt und dann wird aus dem jahrelangem erfolgreichen längstfristinvestor .. ein erfolgreicher kurzfristiger rangetrader ....
soll keiner sagen, dass es keine genies in österreich gibt :-)

Re: börsenjournalisten müssen schwerst reich sein :-)

JA, es gibt sie noch ;-)

Vor allem im Nachhinein und mit dem Mundwerk. Wenn es darum gilt, die nackten Zahlen vorzuweisen, ziehen all diese Superinvestoren schnell den Schwanz ein, falls sie einen solchen überhaupt haben.


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