Verluste an sieben der acht vergangenen Börsetage: Das ist kein Marktumfeld, das Anleger freut. Das ist aber noch nicht die einzige schlechte Nachricht: Man sah auch den größte Goldpreisrutsch seit Monaten und einen ebenso unerwarteten wie kräftigen Rückfall des Dollar. Es tut sich also einiges auf den Märkten. Was ist da los?
Nun: Zuerst einmal hat offenbar nicht nur das defizitgeplagte Westeuropa ein Problem, sondern zunehmend auch die USA. Die Konjunktur läuft nicht so, wie sie sollte, die Zeichen am Horizont deuten auf Abschwung. Die Märkte, die zuletzt ganz im Banne Europas gestanden sind, schauen jetzt wieder auf Amerika. Was sie dort sehen, freut sie auch nicht besonders.
Das bedeutet für Anleger in den nächsten Wochen einmal Vorsicht bei amerikanischen Aktien. Die US-Börsen werden nicht abstürzen, aber insgesamt wird es die nächsten Monate wohl seitwärts gehen. Und die mickriger werdenden Kursgewinne werden für Anleger aus dem Euroraum dann noch zusätzlich von der Dollarschwäche angeknabbert.
Es heißt aber auch Vorsicht beim Gold: Viele Großanleger haben sich wegen der europäischen Staatsschuldenkrise und der Euroschwäche in den vermeintlich rettenden Hafen Gold geflüchtet. Der überraschende Euroanstieg hat nun viele institutionelle Anleger veranlasst, solche Absicherungskäufe wieder aufzulösen. Die Rückabwicklung dieser Euro-Goldgeschäfte drückt nun beträchtlich auf den Wert des Edelmetalls. Für Euro-Goldkäufer verstärkt die Dollarschwäche noch den Abwärtstrend.
Jene, die Gold langfristig als Absicherung gegen eine mögliche Hyperinflation ins Depot genommen haben, werden solche kurzfristigen Kursschwankungen wenig beeindrucken. Bei kürzerfristigen Investments – etwa in Goldderivate oder Goldminenaktien – ist jetzt aber genaue Marktbeobachtung angesagt.
Das Börsenereignis der vergangenen Woche war zweifellos der Börsegang des Elektroautoherstellers Tesla Motors Inc.(ISIN US88160R1014), ein Hype wie zu den besten Zeiten der New-Economy-Blase: Die Aktie schoss gleich am ersten Tag um 40 Prozent in die Höhe. Der Boom war aber schneller vorbei, als die Batterie eines Elektroautos bei Volllast leer wird: Jetzt ist der Kurs beinahe schon wieder auf IPO-Niveau gefallen.
Eine Einstiegsgelegenheit? Ich würde eher sagen: Finger weg. Neue Technologien sind sehr oft für sagenhafte Kursgewinne gut. Aber nicht, wenn man zu früh dabei ist und sich das Unternehmen nicht genau anschaut.
Dann sieht man nämlich, dass der IPO-Hype wirklich unter New-Economy-ähnlicher Ausschaltung der Gehirnzellen zustande gekommen ist. Tesla ist ein Unternehmen, das bisher insgesamt 1000 Autos zum Preis von je rund 120.000 Dollar verkauft – und dabei 236.000 Dollar Verlust gemacht hat. Pro verkauftem Auto, wohlgemerkt. Das ist, seit die „Cash Burning Rate“ nicht mehr als brauchbare Unternehmenskennzahl gilt, keine Empfehlung. Vielleicht wird das noch was, aber in nächster Zeit geht die Tesla-Aktie in keinem Depot ab.
Was man sich derzeit anschauen könnte, sind deutsche Aktien. Der Dax dürfte sein Korrekturpotenzial schon weitgehend ausgereizt haben. Interessante Papiere verbergen sich aber auch in kleineren Segmenten, etwa im Mittelstandsindex MDAX. Da schaut beispielsweise der (an dieser Stelle schon einmal empfohlene) Werkzeugmaschinenbauer Gildemeister (ISIN DE0005878003) recht gut aus. Die Aktie ist während der Krise ein bisschen zu tief heruntergeprügelt worden. Nicht wenige Analysten glauben, dass sie bald abheben könnte. Das Unternehmen hat in der Krise scharf rationalisiert, es hat sich im wachsenden Markt der „grünen“ Energien gut positioniert. Und wenn der Markt für Werkzeugmaschinen wieder anspringt – was nach Expertenmeinung spätestens im kommenden Jahr geschehen könnte – dann ist hier einiges drin. Wer sich mit dem Gedanken eines Gildemeister-Engagements trägt, sollte freilich die stärker werdenden Zeichen für eine neuerliche Schwächung der Weltkonjunktur beobachten. Denn in einer neuen globalen Konjunkturflaute sind exportorientierte Maschinenbauer nicht mehr erste Wahl. Ein mitgezogener Stopp-Loss ist da das Gebot der Stunde.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2010)

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