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Let's make money: IBM

21.01.2012 | 18:14 |  von Josef Urschitz (Die Presse)

Warum der Nachkauf von Aktien eine ziemlich unterdurchschnittliche Idee ist und IBM Krisenresistenz zeigt. IBM hat sich vom Großcomputerhersteller zum weltgrößten IT-Dienstleistungsunternehmen entwickelt.

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Neuerdings häufen sich Leseranfragen der Art, der Bankberater habe soeben empfohlen, bei Verlustpositionen im Depot „nachzukaufen“. Aktien seien jetzt günstig – und auf diese Weise sei es möglich, den Durchschnittseinstiegspreis und damit auch den prozentuellen (Buch-)Verlust zu verringern. Wird wohl damit zusammenhängen, dass die Börsen das Jahr 2012 unerwartet gut begonnen haben und damit bei manchen Anlegern Wiedereinstiegsgelüste wecken.

Was tun in so einem Fall? Der klare Rat lautet: den Berater wechseln. Nachkaufen bei Kursverlusten ist so ziemlich die dümmste Strategie, die man an der Börse fahren kann. Und sie kostet so gut wie immer Geld.

Die grundlegende Idee klingt ja bestechend. Ein Beispiel: Ein Anleger hat um 10.000 Euro Raiffeisen-International-Aktien nahe dem Höchstkurs (was Kleinanlegern leider häufig passiert) bei, sagen wir, 100 Euro gekauft und dann liegen lassen. Er säße jetzt also auf einem Verlust von rund 80 Prozent. Auf dem Weg nach unten hat er aber bei 70 und bei 40 um je 10.000 Euro nachgekauft. Das hat seinen durchschnittlichen Einstiegskurs auf 70 reduziert. Der prozentuelle Buchverlust seines RBI-Engagements hat sich also auf „nur“ noch rund 71 Prozent verringert.

Allerdings nur prozentuell: Ohne Nachkauf würde unser Anleger mit 8000 Euro Buchverlust dastehen, mit Nachkauf (trotz günstigeren Durchschnittseinstiegskurses) sind es 15.000. Er hat nämlich gutes Geld schlechtem nachgeschmissen. Keine besonders glorreiche Idee.

Die traurige Wahrheit ist: Wenn Aktienkurse stark fallen, dann hat das normalerweise einen Grund. Und: Wenn eine Aktie mehr als 50 Prozent fällt, dann ist der Verlust mit diesem Papier nicht mehr oder zumindest nicht mehr in einem vernünftigen Zeitraum aufzuholen. Profis wissen das, arbeiten mit Stopps und steigen konsequent und frühzeitig aus, wenn der Markt gegen sie läuft. Amateure neigen zur Annahme, dass nicht sie sich geirrt haben, sondern der Markt. Dass es also bald wieder in die gewünschte Richtung gehen wird. Der „Nachkauf“ ist ein Ausdruck dieser meist sehr teuren Form von Rechthaberei.

Damit kein falscher Eindruck aufkommt: Unter der Annahme, dass es in der Eurozone nicht wirklich kracht, sind viele Aktien derzeit tatsächlich recht billig zu haben. Es tun sich also – zumindest für kürzerfristige Engagements und unter Beachtung der Vorsichtsregeln – viele Chancen auf. Kriterien für die Aktienwahl dürfen aber niemals vergangene Verluste, sondern ausschließlich fundamentale und/oder charttechnische Zukunftschancen sein.

Letztere sind neuerdings übrigens recht vielversprechend: Wichtige Indizes (etwa der deutsche Dax oder der amerikanische S&P 500) machen sich daran, aus ihren Abwärtstrendkanälen nach oben auszubrechen. Das kann sehr heftig geschehen, denn in der Gegend der oberen Trendkanalbegrenzungen liegen viele Stopp-Limits von Short-Positionen. Werden die „getriggert“, dann gibt es kurzfristig einen ordentlichen Kursschub.

Für den kann man sich unter anderem mit Aktien positionieren, die schon zuletzt recht gut gelaufen sind. Etwa mit den „Presse am Sonntag“-Empfehlungen Aareal Bank(ISIN DE0005408116, plus 16 Prozent in der abgelaufenen Woche), Voestalpine(ISIN AT0000937503, plus 7,3 Prozent) oder SAP(ISIN DE0007164600, plus 6,5 Prozent). Im Aufwärtstrend gilt nämlich die Umkehr dessen, was für den „Nachkauf“ von Verlustpapieren gilt: Das „Pyramidisieren“, also die Aufstockung von Gewinnpositionen, ist eine beliebte Trader-Technik zur Gewinnsteigerung.

Wer glaubt, dass das SAP-Modell gute Aktiengewinne für das Krisenjahr 2012 verspricht, der kann auch einen Blick auf den amerikanischen Technologiekonzern IBM(ISIN US4592001014) werfen.

Der hat diese Woche ein ganz ausgezeichnetes Ergebnis für das vierte Quartal vorgelegt. IBM hat sich – unter anderem durch den massiven Zukauf von Unternehmen – vom Großcomputerhersteller zum weltgrößten IT-Dienstleistungsunternehmen entwickelt. Für den Gewinnsprung im Quartal war in hohem Ausmaß die Softwaresparte ausschlaggebend. Dort wächst auch in der Krise das Geschäft für Software zur Unternehmensanalyse besonders stark. Und in diesem Bereich ist „Big Blue“ (genau wie SAP) besonders stark.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2012)

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4 Kommentare
Gast: danielkoinegg
29.01.2012 20:13
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falsche darstellung

s.g. Herr Urschitz,

um die Grundidee des Nachkaufens schlecht zu reden, wählen Sie ein Beispiel, das nicht gerade passend ist und verwechseln Äpfel mit Birnen.

Der Privatanleger kauft RBI erstmals nahe des Höchstkurses, ein Fehler, da die Aktie im Zuge eines generellen Hypes überbewertet war.

Auf dem Weg nach unten kauft er noch zweimal nach, einmal bei 70 (noch immer überbewertet) und einmal bei 40 (ungefähr der Wert pro Aktie, aber noch immer kein Einstiegskurs).

Wo liegt nun der Fehler? Im Nachkauf an sich, oder darin, dass man drei mal einen falschen Zeitpunkt gewählt hat.

Setzen wir in die Gleichung drei andere Zahlen ein: Der Anleger kaufte RBI bei 30, auf dem Weg nach unten noch mal bei 20 und schließlich ein drittes Mal bei 15, immer dieselbe Summe. Wo steht er nun? Wo stünde er, wenn er nicht nachgekauft hätte?

Sie sehen, es ist nicht der Nachkauf an sich die "ziemlich unterdurchschnittliche Idee", sondern der Kauf einer Aktie deutlich über ihrem Buchwert.

Gast: trader1
26.01.2012 12:20
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tja ..

der gute paul pierre levy und sein martingal :-)
make money ist halt nicht einfach :-)

herbert71
24.01.2012 15:52
0 0

ibm das urgestein

Ibm hats im Gegensatz zu vielen Unternehmen geschafft, ihre Positionierung am Markt stetig anzupassen. Sie haben schon seit den 90ern gemerkt, dass sie am Hardwaremarkt nicht führend bleiben können. Jetzt sind sie der weltweit größte Consulting-Betrieb und setzen mit ihren Smarter Planet Themen auch wieder auf die Zukunft.
wird also noch interessant werden, wie sie sich weiterhin entwickeln...

Antworten Gast: jetaime
24.01.2012 23:18
0 0

Re: ibm das urgestein

Das stimmt wohl im Zeitalter der megacities und letztendlich des Wandels hin zu viel mehr Bequemlichkeit wird sich noch einiges ändern müssen, da muss man mehr koordinieren und verändern.