Es ist schon erstaunlich, wie stabil die Märkte sich im neuen Jahr präsentieren. Dabei ist die Nachrichtenlage ja noch durchaus durchwachsen: Zwar sind die volkswirtschaftlichen Daten in jüngster Zeit etwas besser (oder besser gesagt, weniger schlecht als befürchtet) ausgefallen, aber bei den Unternehmensergebnissen treten immer wieder eher negative Überraschungen auf.
Überlagert wird das Ganze noch von der europäischen Staatsschuldenkrise, die mit dem Gerangel um das Griechen-Rettungspaket gerade auf einen neuen Höhepunkt zusteuert. Auch wenn die Börsen momentan so tun, als wäre die Griechenland-Rettung unter Dach und Fach: Darauf müssen Aktionäre jetzt wirklich extrem achten.
Der Aufschwung ist momentan getragen von der großen Liquidität, für die die EZB gesorgt hat. Da ist sehr viel Geld auf dem Markt, das veranlagt werden will. Wird es aber an der Schuldenfront wirklich brenzlig, dann dürften die Großanleger darauf sehr sensibel reagieren und sich schnell verabschieden. Mit enger gesetzten Stopps hat man dieses Risiko aber recht gut im Griff, ohne ständig Kurse beobachten zu müssen.
Sollten die Märkte mit ihrer derzeit eher optimistischen Einschätzung der Eurokrise recht behalten, dann haben die heuer ohnehin schon ziemlich verwöhnten Anleger noch ein paar nette Wochen vor sich.
Genau beobachten muss man jetzt den (auch für die Wiener Börse nicht unwesentlichen) deutschen Leitindex DAX. Der hat heuer (ebenso wie der Wiener ATX) schon um mehr als 16 Prozent zugelegt und gehört damit zweifellos zu den Bestperformern in der Börsenwelt.
Am Freitag hat er sein bisheriges Jahreshoch locker übersprungen, was ihm nun charttechnisch deutlich Luft nach oben verschafft. Wenn die Eurogruppe ihr Griechenland-Paket am Montag nicht total versemmelt, wird er in der kommenden Woche mit einiger Wahrscheinlichkeit den Siebentausender knacken. Da könnte es sich lohnen, noch dabei zu sein. Weiter oben wird die Luft dann wieder ein wenig dünn – aber das hat man in den vergangenen Monaten auch schon bei tieferen Marken gedacht.
Bei den Einzelwerten empfiehlt sich jetzt ein Blick auf die „Presse am Sonntag“-Empfehlung Apple (ISIN US0378331005). Die Aktie des (gemessen am Börsenwert) weltgrößten Unternehmens ist in der Vorwoche sehr steil auf deutlich über 500 Dollar hochgezogen, um dann binnen weniger Stunden ebenso brutal wieder abzustürzen. Wie es aussieht, war das aber nicht der nach den steilen Anstiegen befürchtete Knick, sondern nur ein reinigendes Gewitter. Die Aktie hat sich nach kurzem Abtauchen wieder über 500 Dollar stabilisiert und ist nun in etwas gesunderem Tempo auf dem Weg zurück. Kurzfristig sieht es sogar nach einer Kaufgelegenheit aus.
Allerdings dürfte es ratsam sein, bei bestehenden Positionen die Stopps nun enger zu ziehen. Eine Kurskurve, die so wie die von Apple ausschaut, schreit geradezu nach vorübergehender Konsolidierung. Zudem bewegt sich der iPad-Hersteller schon in sehr dünner Luft. Vor allem: In den Kursen ist sehr viel Gewinnwachstum schon eingepreist. Zuletzt ist der Quartalsgewinn um 60 Prozent gestiegen. Ein Ergebnis unter diesem Wert beim nächsten Quartalsbericht könnte schon als Enttäuschung gewertet werden. Und dann sollten Aktionäre den Fallschirm bereithalten.
Was tut sich sonst noch? Nestlé (ISIN CH0038863350) hat 2011 ein sehr gutes Ergebnis erzielt und erhöht die Dividende. Die Aktie eignet sich mit ihrer nicht gerade steil, dafür aber beständig nach oben weisenden Kurskurve hervorragend als „Depotanker“ in bewegten Zeiten.
Relativ steil nach oben marschiert dagegen der im TecDAX notierte deutsche Telefongerätehersteller Gigaset (ISIN DE0005156004), der zu Jahresbeginn einen beeindruckenden Turnaround hingelegt hat, trotz zuletzt stark gestiegener Kurse nach traditionellen Börsekriterien (KGV etwas mehr als 8) aber immer noch sehr günstig bewertet ist. Die Aktie hat Ende der Vorwoche eine Kaufempfehlung der Investmentbank Equinet ausgefasst. Das Kursziel wird von den Analysten dort mit nicht unrealistischen 5,30 Euro angegeben. Bei einer Notierung von zuletzt knapp 3,20 Euro errechnet sich daraus ein Kurspotenzial, das selbst dann noch einen Deal wert sein könnte, wenn die Aktie nicht den ganzen Weg zu ihrem Ziel schafft.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2012)
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