Was in den USA seit langem gang und gäbe ist, hat sich auch hierzulande in den vergangenen Jahren zunehmend etabliert: Konzerne und große Unternehmen ziehen sich ihre Führungskräfte der Zukunft selbst heran. Traineeprogramm heißt das verheißungsvolle Ausbildungsangebot an Jungakademiker.
Verheißungsvoll aus dreierlei Gründen: Neben der praxisnahen Zusatzqualifikation winken bereits ein gutes Salär und die große Chance, nach Absolvierung des Programmes im Unternehmen einen fixen Arbeitsplatz zu bekommen – meist sogar eine Führungsposition. Vorrangig im Visier der Firmen sind Absolventen wirtschaftlich ausgerichteter Universitäts-Studien und Fachhochschul-Studiengänge.
Von der Pike auf
Seit 2001 bietet die Rewe-Gruppe in Österreich Traineeprogramme an. Das Managementtraineeprogramm (vier Plätze pro Jahr) kann in der Konzernzentrale durchlaufen werden, dauert zehn bis 14 Monate und richtet sich an Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher Studienrichtungen. 80 bis 120 Absolventen aller Fächer werden jährlich im Verkaufstraineeprogramm bei Billa, Merkur oder Bipa geschult. Sie arbeiten zunächst in einer Filiale mit, übernehmen dann die Leitung einer Filiale, begleiten einen Rayonsleiter und übernehmen schließlich ein Rayonsgebiet. Im Managementtraineeprogramm wird ein Gehalt von monatlich brutto 2200 Euro bezahlt, im Bereich Verkauf ist die Entlohnung abhängig von der Handelsfirma, in der man lernt. Zum Thema Jobsicherheit nach Absolvierung des Programmes heißt es aus der Rewe-Zentrale: „Es gibt zwar keine Übernahmegarantie, jedoch ist es natürlich unser Ziel, Trainees ins Unternehmen einzugliedern.“
Auch die Bank Austria hat sich zum Ziel gesetzt, die jährlich rund 20 bis 30 Teilnehmer ihres Traineeprogrammes „Top Start“ nach der 15 Monate dauernden Ausbildung an das Haus zu binden. „Top Start“ gibt es bereits seit mehr als zehn Jahren. Gesucht werden von der Bank Jus- und Wirtschaftsabsolventen, und zwar sowohl von Universitäten als auch von Fachhochschulen. Der Verdienst eines Trainees beträgt 35.000 Euro brutto im Jahr.
Guter Mix garantiert
Die Styria Medien AG bietet jährlich vier Hochschulabsolventen aus unterschiedlichen Bereichen – von BWL über Jus bis Medien – ein einjähriges Traineeprogramm, der Verdienst liegt auf Höhe eines durchschnittlichen Akademiker-Einstiegsgehalts. „Es nehmen je vier Unternehmen der Styria teil, bei denen die Trainees jeweils drei Monate bleiben“, so Johanna Santner von der Personalentwicklung. In Projekten werden unterschiedliche Bereiche und Tätigkeiten erarbeitet – je nach Interesse und Art des Studiums. Unterstützt werden die Teilnehmer von Mentoren, die alle drei Monate getroffen und jederzeit kontaktiert werden können. Weiterbildungsangebote runden das Programm ab.
Philips wendet sich an Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher Studien sowie Elektrotechniker, Physiker und Werkstoffwissenschafter. 20 Traineestellen pro Jahr gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Durchlaufen werden im Rahmen der zweijährigen Ausbildung die Stationen Marketing, Sales, Finance, Einkauf und Industrie. Das Gehalt richtet sich nach der absolvierten Studienrichtung und liegt zwischen 2500 und 2850 Euro monatlich plus Bonusregelung – Techniker erhalten etwas mehr als Wirtschaftswissenschafter.
Mit rasch steigenden Gehältern lockt Unilever seine potenziellen Führungskräfte der Zukunft. Wer am zweijährigen Traineeprogramm „UniTrain“ teilnimmt, startet mit einem Monatssalär von 2200 Euro, erhält bereits nach sechs Monaten 2400 Euro und kann sich über weitere Steigerungen alle sechs Monate während der ersten 24 Monate im Unternehmen freuen. Unilever wendet sich vorrangig an Absolventen der Studienrichtungen Betriebswirtschaftslehre, Handelswissenschaften sowie Internationale Betriebswirtschaftslehre. Willkommen sind aber auch Absolventen anderer Studien, sie müssen jedoch ihre wirtschaftliche Orientierung durch facheinschlägige Praktika oder erste Joberfahrungen belegen können. 20 Ausbildungsplätze bietet Unilever in Österreich jährlich an – vorausgesetzt wird allerdings Mobilität, da für den gesamten deutschsprachigen Raum, also Österreich, Deutschland und die Schweiz, gemeinsam rekrutiert wird. Dafür winkt nach Absolvierung des Programms ein ziemlich sicherer leitender Posten. „Bei Unilever werden die Führungspositionen nahezu ausschließlich aus den eigenen Reihen besetzt, daher entwickeln wir im Rahmen eines gezielten Management Development die dafür jeweils am besten geeigneten Kandidaten selbst“, wird bei Unilever betont.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.04.2008)

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