"Die Russen werden in Österreich ungleich behandelt"

29.07.2012 | 18:34 |  UNSEREM KORRESPONDENTEN EDUARD STEINER (Die Presse)

Andrej Kostin ist Chef der russischen VTB-Bank. Diese ist binnen zehn Jahren um das 35-fache gewachsen. Im Gespräch mit der "Presse" klag er über das Misstrauen gegenüber russischen Banken.

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Die Presse: Welche Lehren haben Sie aus der Wirtschaftskrise gezogen?

Andrej Kostin: Wir haben gelernt, das Risiko und die Wachstumsgeschwindigkeit der Bank zu senken. Wir denken jetzt, dass zehn bis 15 Prozent pro Jahr ein normales Wachstum ist. Und wir wissen, dass uns die Zentralbank unterstützen kann. Aber wir versuchen, das zu minimieren.


Eine umstrittene Frage in Europa ist die Schaffung einer Bankenunion, sodass der Steuerzahler und nicht Aktionäre für Verluste haften. Werden da nicht alle Schleusen geöffnet?

Mich erinnern die europäischen Banker an Leute, die zur Todesstrafe verurteilt sind und auf die Vollstreckung warten. Wir Russen haben den Crash 1998 erlebt. Nur die Staatsbanken haben mit Staatshilfe überlebt. Und die Privatbank Alfa-Bank mit Hilfe ihrer Aktionäre. Wenn Europas Banken heute ähnlich substanzielle Verluste erleiden, haben sie wahrscheinlich das Recht auf Kompensation. Denn wir haben eine Staatsschuldenkrise.


Das Problem bei der Bankenunion ist, dass die Aufsichtsorgane keinen guten Einblick in den Geschäftsbetrieb haben.

Man redet ja vorerst nur von einer beschränkten Anzahl an Banken – und zwar den größten. Ich denke, damit kann man beginnen. Wenn wir die EU und den Euro retten wollen, gibt es keine Alternative zur Schaffung einer Bankenunion.

Gerade Sie wissen, wie schlecht man in eine Bank hineinschauen kann. Sie haben 2011 Russlands fünftgrößte Bank „Bank of Moscow“ gekauft, wo dann ein Finanzloch von 5,3 Milliarden Euro klaffte.

Ja, das vorherige Management hatte alle Regeln verletzt. Aber warum hat die Aufsicht das nicht enthüllt? Das Management verwehrte uns vor dem Kauf eine vollständige, vertiefte Prüfung.

Das bestätigt nur die Ängste vieler vor einer Bankenunion.

Da stimme ich zu.

In Deutschland werben Sie mit der Direktbank „VTB Direct“ seit 2011 mit hohen Zinsen um Kunden. Das tat vor der Krise etwa die isländische Kaupthing-Bank, die Bankrott ging und deren ehemaligen Deutschland-Chef Sie übernommen haben. Warum wehren Sie sich gegen den Vergleich?

Das ist ein sehr beschränktes Produkt. Wir werden keine Bank mit tausenden Filialen aufbauen. Und unsere Bank kann jederzeit auf Staatshilfe bauen.

Die VTB Direct ist aber an die österreichische Einlagensicherung angebunden. Was macht Sie so sicher, dass sie nicht schlagend wird?

Sowohl in Österreich als auch in Frankreich sind wir mit einer ungleichen Behandlung der Russen konfrontiert, während alle ausländischen Inhaber russischer Banken in Russland absolut gleiche Bedingungen vorfinden. Warum sollte ein russischer Steuerzahler nicht fürchten, dass die Raiffeisenbank Russland nicht mehr liquide ist? In Österreich ist die VTB eine österreichische Bank, hinter der wohlgemerkt die russische VTB steht. Und Raiffeisen ist in Russland eine russische Bank. Übrigens gab es die Information, dass westliche Banken, Raiffeisen inklusive, während der Krise Geld hin und her transferiert haben und es bis dato tun. Das heißt, bei Liquiditätsproblemen haben sie Geld aus Russland hinausgeschafft.

Tun Sie das umgekehrt etwa nicht?

Nein, wir arbeiten mit Kunden aus unterschiedlichen Ländern. Die österreichischen Aufsichtsorgane wachen über uns.

Den Zinssatz senkten Sie in Deutschland zuletzt ab. Bremsen Sie Ihr rasantes Wachstum?

Wir arbeiten im Rahmen der Beschränkungen, die die Aufsichtsorgane auferlegen. Der internationale Markt ist für uns bedeutsamer, denn in Russland ist der Leitzins in Rubel bei acht Prozent, die EZB aber geht gegen null. Wir nehmen diese Gelder auf und beziehen eine Marge. Aber wir haben das nie als Hauptgeschäft betrachtet.

Wann eröffnen Sie in Österreich eine Direktbank?

Es gibt strategische Überlegungen, das Service von VTB Direct auf Österreich auszuweiten. Gegenwärtig wird die technische Infrastruktur evaluiert. Die endgültige Entscheidung wird nicht vor Dezember 2012 fallen.

Wo horten Sie Ihr Geld?

Ich habe einen sehr sorglosen Umgang damit.

 

Das kann man sich leisten, wenn man genug hat.

Ich habe Aktien der VTB, Spareinlagen, manchmal kaufe ich das eine oder andere Wertpapier, aber sehr selten. In letzter Zeit ziehe ich konservatives Vorgehen vor. Besser ist, sein Geld in Bargeld zu halten.

Auf einen Blick

Andrej Kostin (55) ist Chef der russischen VTB-Bank. Diese ist binnen zehn Jahren um das 35-fache auf eine Bilanzsumme von 162,5 Mrd. Euro gewachsen. Über die Österreichtochter VTB Bank AG Austria ist sie auch in Frankreich tätig und fischt mit der VTB Direct in Deutschland aggressiv nach Kunden. Das Modell wird derzeit auch für Österreich geprüft. [AP]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2012)

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26 Kommentare
 
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Besser ist, sein Geld in Bargeld zu halten

Tja wenns ums eigene Geld geht!!!!

in kitzbühel wird

tatsächlich zwischen russen und russen unterschieden ;-) der feine unterschied ist schnell erklärt: bisch a flüchtling oder hasch dein jet in innschbruck parkt?

1 0

ungleich

wenn einer ungleich behandelt wird in oesterreich dann sind es wir oesterreicher

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Das russische Nudelauge

redet sich schön.Sonst nichts.

Das Management verwehrte uns vor dem Kauf eine vollständige, vertiefte Prüfung.

Besser kann man das Totalversagen der Branche kaum mehr beschreiben. Da werden Dinge gekauft im Wissen, keine Ahnung zu haben, in welchem Zustand sie sind.
Keiner würde das mit einem Gebrauchtwagen tun. Aber wenn sich Banken gegenseitig aufkaufen, scheint das nicht aussergewöhnlich zu sein;-)

Gast: Selfmade Man
30.07.2012 12:49
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Keine Sorge !!

alles nur eine frage der zeit u. des preises, 1)zeit: je mehr wahrheit über die heimischen banken ans tageslicht kommt desto leichter wird es für ausländische banken werden kunden zu gewinnen! 2) preis: ... u. wenns mehr fürs geld(in dem fall soll od. haben- zinsen gibt) ist auch egal woher das produkt stammt --> siehe beispiel einzelhandel !! ps: mir ist jede bank bzw. unternehmen recht das nach österreich kommt,nur privatwirtschaftlich geführt muss es sein u. nicht staatsnah oder staatshilfeabhängig darf es sein, u. was politische unregelmässigkeiten betrifft die hier einige ansprechen,man sollte gerade hier in österreich nach den letzten vorkommnissen etwas selbstkritischer bzw. objektiver sein !!

Stimmt nicht,

in Ö werden alle schlecht behandelt.

Wenn er es nicht aushält, muss er zu Hause bleiben.
So rau sind hier die Sitten, oder Unsitten, zutrefffendes ankotzen.

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österreicher in russssland auch!!!


Gast: Frustriert?
30.07.2012 11:50
4 0

...könnte an der "Glaubwürdigkeit" Putins liegen.


Aber soetwas darf ein stolzer Nationalist ja nicht hinterfragen...

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Re: ...könnte an der "Glaubwürdigkeit" Putins liegen.

oder an der russischen Mafia...

Re: ...könnte an der "Glaubwürdigkeit" Putins liegen.

Exakt mein Gedanke. Wer diesen Tyrannen auch nur indirekt unterstützt, macht sich mitschuldig.

Gast: fugazi
30.07.2012 11:36
1 0

...

bei uns wird nichts und niemand "gleich" behandelt!

da sind wir noch lichtjahre davon entfernt...

4 0

Wenn Dir ein Banker sagt....

es sei am Besten, sein Vermögen in Bargeld zu horten, dann stimmt wirklich einiges nicht mehr....

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Re: Wenn Dir ein Banker sagt....

Was meint der russische Banker damit? Geh' gleich gar nicht zur Bank, sondern lege dir ein Bargeld-Depot zu Hause an?

... das Misstrauen gegenüber russischen Banken?

Nicht nur gegenüber russischen ... nein!
.
Universelles Misstrauen gegenüber alle diesen unredlichen Bankstern ist angesagt!

Re: ... gegenüber allen diesen, s. h.


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Bitte um Ausweitung der VTB Direct nach Österreich

Die Zinsen, die in Österreich gezahlt werden, sind ein Hohn. Eine frische, russische Brise täte unsere Bankenlandschaft ganz gut.

Im Übrigen sollten wir uns nicht immer einbilden, wir hätten ein so tolle, bestens entwickelte Demokratie und "die" nicht. Freie Medien, abseits von rot und schwarz, existieren in Österreich de facto nicht und Meinungen abseits der PC werden "niedergeprügelt".

Re: Bitte um Ausweitung der VTB Direct nach Österreich

stimmt, aber DORT heisst "niedergeprügelt" vielleicht, das man es nicht überlebt. diese Ängste hat man in Österreich kaum.

es ist auch hier nicht ideal, aber hier haben wir sehr "schwache" Politiker im Vergleich

Gast: horst mayer
29.07.2012 22:07
4 2

diese russenbanken gehören alle vom staatsschutz überwacht

ist ja keine neue erfahrung für die

Re: diese banken gehören alle vom staatsschutz überwacht

so wäre Ihr Begehren richtig ausgedrückt.
.
Alle ohne Einschränkung und Ansehen der Nationalität!

Mich wundert,

warum er sich wundert.

Gast: Schweizer Privatbank
29.07.2012 19:32
3 2

Können russische Broker schwimmen?

Einerseits ja, weil sie innen hohl sind, und andererseits nein, weil sie nicht dicht sind.

Gast: b754
29.07.2012 19:23
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diese misstrauen ist angebracht und wichtig

keine mafiabanken in österreich

Re: diese misstrauen ist angebracht und wichtig

gibts schon! italienische m. die bank austria, pröll pühringer m. raiffeisen!

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Re: Re: diese misstrauen ist angebracht und wichtig

zeit zum stutzen.

Antworten Gast: INTELLEGO
29.07.2012 21:10
3 1

Re: diese misstrauen ist angebracht und wichtig

Na dann, unter dieser hochmoralischen Voraussetzung müßte die AT-Regierung prompt Sorge dafür tragen,dass-DIE TOP5 ÖSTERREICHISCHEN BANKEN-SOFORT ZU SPERREN SIND!!
Können Sie folgen, oder sind Sie nur scharfsinnig-BEI RUSSISCHEN BANKEN, b754??!!

 
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