WIEN/ZAGREB. Nur ein halbes Prozent des kroatischen Strombedarfs entspringt derzeit alternativen Energiequellen wie Biomasse, Windkraft oder Solaranlagen. Mit neuen Einspeisvergütungen soll diese Form der Energieerzeugung nun attraktiver werden. So will Kroatien seinem Ziel, bis 2010 knapp sechs Prozent der Energie aus alternativen Quellen herzustellen, näher kommen.
In Küstennähe gibt es bereits Interesse an Windparks, zwei solcher Kraftwerke sind bereits in Betrieb. „Das Interesse von österreichischen Firmen ist sehr groß“, sagt Peter Hasslacher, Handelsdelegierter in Zagreb zur „Presse“. An einem der geplanten Windparks sind auch Österreicher beteiligt, unter anderem die Burgenländische Bewag und der Verbund.
Nach Berechnungen der Österreichischen Energieagentur werden die günstigen Rahmenbedingungen Investitionen von etwa einer Mrd. Euro auslösen. „Die neuen Einspeisetarife in Kroatien liegen teilweise höher als jene Vergütungen, die in Österreich zwischen 2003 und 2005 zu einem auch im internationalen Vergleich raschen Ausbau bei Wind, Biomasse sowie Biogas geführt haben“, sagt Herbert Lechner, stellvertretender Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur.
Bisher ist Kroatien ein Strom-Importland – und wird das auch weiterhin bleiben. Denn das Land ist Mitbesitzer des Atomkraftwerks Krsko, das in Slowenien steht. Ansonsten wird zur Energiegewinnung vor allem auf Kohle gesetzt.
Wachstum unter dem Potenzial
Den neuen Einspeistarifen ist ein langes Hin und Her vorausgegangen, was nicht untypisch für Kroatien ist. Denn das Land legte zwar zuletzt ein Wachstum von gut vier Prozent hin, blieb aber unter seinem Potenzial wie Experten meinen. Für heuer wird ein Wachstum von 4,6 Prozent erwartet, 2008 rechnet man mit 4,3 Prozent. Die Arbeitslosigkeit sinkt zwar, ist aber mit zwölf Prozent weiterhin auf hohem Niveau. 290.000 Menschen suchen in Kroatien einen Job.
Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) urgiert Reformen der Justiz und zur Bekämpfung der Korruption. Auch der Ausbau der Infrastruktur und mehr Investitionen wären notwendig, heißt es in einem Bericht der Bank.
Doch neue EU-Länder wie Rumänien und Bulgarien ziehen viel Aufmerksamkeit der Investoren auf sich. So bleibt Kroatien etwas im Abseits, auch wenn sich einige Sektoren – Industrie, Tourismus, Transportdienstleistungen und Bau – überdurchschnittlich entwickeln. Dennoch hat die Industrieproduktion noch nicht das Vorkriegsniveau von 1990 erreicht.
Österreich hat mit Investitionen von rund 2,7 Mrd. Euro einen Anteil von knapp einem Fünftel an den Gesamtinvestitionen seit 1993 in Kroatien und ist damit größter ausländischer Investor.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2007)

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